Seit dem 1. September ist das Amtsgericht Nördlingen der neue Arbeitsplatz von Thomas Kolbe. Der 41-Jährige übernimmt als Richter nun im Bereich Familienrecht Verantwortung. Eine Woche später hat auch Lydia Mandischer ihr Büro in dem Gebäude am Tändelmarkt bezogen. Für die 33-Jährige ist es die erste Stelle als Richterin nach der Ausbildung. In den kommenden eineinhalb Jahren wird sie als Proberichterin im allgemeinen Zivilrecht tätig sein.
Dass ausgerechnet Nördlingen ihre erste Richterstelle wird, ist für Mandischer gleich in mehrfacher Sicht ein Grund zur Freude. Da ihr Mann eine Stelle an der Augsburger Universität angetreten hat, ist der Arbeitsweg nach Nördlingen überschaubar. Zudem hatte ihre erste Ausbildungsrichterin am Landgericht Memmingen ebenfalls in Nördlingen angefangen. Ein gutes Omen also, wenn man so will. Zumal sie gebürtig aus Monheim am Rhein stammend so in derselben Region arbeiten kann wie die gleichnamige Stadt Monheim im Donau-Ries. „Ich war früher schon hier gewesen wegen Monheim“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Redaktion und fügt hinzu: „Daher habe mich sehr über Nördlingen gefreut. Das ist eine schöne Möglichkeit für mich.“
Bekannte Gesichter und ein neues Fachgebiet
Nicht ganz so eng ist die Beziehung zum Amtsgericht Nördlingen für Thomas Kolbe. Allerdings ist er mit Amtsdirektor Dr. Christoph Kern und dessen Stellvertreter Daniel Burdach auf bekannte Gesichter getroffen. Mit Daniel Burdach hat er schon in der Strafabteilung und später auch in der Zivilabteilung in Augsburg gearbeitet. In der Wirtschaftskammer in Augsburg hatte er die Nachfolge von Dr. Kern angetreten. Zudem war er als Vertreter der Staatsanwaltschaft bereits regelmäßig in Nördlingen und hat die Vorteile des Amtsgerichts bereits kennengelernt: „Ich fand es immer schön hier. Gerade wenn man mal Mittagspause macht, ist man gleich mitten in der Altstadt.“
Allzu viel Zeit für die Altstadt wird in der Anfangszeit wohl nicht bleiben. Mit Familienrecht übernimmt Thomas Kolbe ein völlig neues Fachgebiet. „Man braucht eine gewisse Erfahrung, daher ist das für mich Neuland“, beschreibt er die Situation. Dennoch könne er auf bisherige Erfahrungen zurückgreifen, da das Familienrecht in manchen Sachen dem Zivilrecht sehr ähnlich sei.
Dennoch ist er mit dem neuen Fachgebiet zufrieden, da es seiner Art als Richter entgegenkommt. Lieber wirkt er auf gütliche Einigungen hin, das richterliche Urteil sieht er selbst nur als Plan B. „Im Familienrecht wird überdurchschnittlich viel gütlich gelöst. Vielen Menschen ist es wichtig, einfach mal gehört zu werden.“ Und auch Kolbe selbst nimmt aus jeder Verhandlung etwas mit. „Die Lernkurve ist sehr steil“, hofft er daher, schnell im Familienrecht anzukommen.
Lydia Mandisch und der Weg zur Richterin
Diese Lernkurve will auch Lydia Mandischer nutzen. Nach dem 1. Staatsexamen hatte sie zuerst an der Fernuni Hagen an einem Lehrstuhl für Verfassungsrecht, Völkerrecht und Europarecht Studenten unterrichtet und wissenschaftlich gearbeitet. Danach sah die Planung eigentlich einen Weg in der Verwaltung vor. Im Referendariat wurde sie jedoch vom Richteramt überzeugt.
In Nördlingen sammelt sie jetzt ihre ersten Erfahrungen als eigenständige Richterin. „Für mich ist die Stelle interessant, weil es ein kleineres Gericht ist. Bisher kannte ich aus der Ausbildung nur das Landgericht“, sieht sie sich hier am richtigen Platz. „Hier sind andere Problemfelder und Rechtsgebiete vorherrschend. Man kann ohne Rechtsanwalt erscheinen, das ist eine Herausforderung. Da braucht es eine andere Sprache. Ich darf keine Rechtsberatung geben, aber muss trotzdem schauen, dass sie zu ihrem Recht kommen.“
Genau dieses Recht liegt nun in den Händen von Lydia Mandisch und Thomas Kolbe, die mit ihrer Richtertätigkeit das Amtsgericht in den kommenden Jahren mitprägen werden.