16. Mai 2017, 10:43

Totschlag-Prozess: Keine eindeutigen Spuren, die zum Sohn als Täter führen

Der 22-Jährige auf der Anklagebank im Landgericht Bild: Mara Kutzner
Auch beim sechsten Prozesstag am Schwurgericht in Augsburg werden weitere Indizien gesammelt, die beweisen sollen, dass ein heute 22-Jähriger seine Mutter im Sommer 2016 getötet haben soll. Bislang fehlen aber eindeutige Hinweise, Motive und Spuren, die den jungen Mann als Täter identifizieren. 
Augsburg/Donauwörth - Mittlerweile zum sechsten Mal wird im Schwurgerichtssaal am Augsburger Landgericht Indizien zusammen getragen, um erklären zu können, was genau am Tag des 2. Augusts 2016 in einer Donauwörther Wohnung geschah. Wie berichtet wird einem 22-Jährigen Studenten vorgeworfen seine Mutter in der gemeinsamen Wohnung zu Tode geprügelt zu haben.
Dass die 42-Jährige tatsächlich durch ihren Sohn ums Leben kam, hat im ersten Moment der Hausarzt der Frau angezweifelt, als er gegen 17.00 Uhr am Todestag gerufen wurde, um den Totenschein auszustellen. "Ich habe unklar als Todesursache vermerkt", so der Arzt. Er habe sich im ersten Moment auch vorstellen können, sie hätte in einem Krampfanfall unter Alkohol sich selbst verletzt, um sich geschlagen und mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen.
Zeuge für Zeuge, wurde wiederum ein ruhiger, fleißiger und sympathischer junger Mann beschrieben. Seine schulischen Leistungen und die Noten an der Uni seien gut gewesen, wenn er auch nach dem Abitur Anlaufschwierigkeiten hatte, den richtigen Berufszweig zu finden.
Neben mehreren Personen aus dem persönlichen Umfeld von Mutter und Sohn wurden auch einige Beamte der Kriminalpolizei Dillingen in den Zeugenstand gerufen. Darunter auch der Kripo-Oberkommissar, der als Hauptsachbearbeiter im Fall den Angeklagten mehrmals vernommen hatte. Er berichtete, dass der 22-jährige Student zuerst angab am Vormittag des Todestages spät aufgestanden zu sein, dann zum Einkaufen und Spazieren gegangen wäre, anschließend nach Hause zurück kehrte und dort am Laptop arbeitete. Gegen 13.00 Uhr wollte er zur Toilette und fand im WC-Raum seine leblose Mutter. Wie sie dort blutüberströmt da lag, ginge er von einem weiteren, diesmal erfolgreichen Selbstmordversuch aus. Als er am Hals seiner Mutter keinen Puls mehr fühlen konnte, wählte er den Notruf.
Am Nachmittag kümmerten sich dann zwei Betreuer des Kriseninterventionsteams um den 22-Jährigen. Diese beschrieben, dass der junge Mann den Tod seiner Mutter in einem "Wellengang" der Emotionen verarbeitet. "Von Weinanfällen bis zum ständigen Ankämpfen gegen die Gefühle, um nach Worten zu ringen", beschrieb ein Sanitäter, der einer der Ersten am Tatort war.
Bei den Vernehmungen, bei denen er erst noch als Zeuge später dann als Beschuldigter gehört wurde, gab der Angeklagte an, dass das Einkaufen schon am Abend zuvor stattfand, und er den ganzen Vormittag zuhause gewesen wäre. Solche und ähnliche Widersprüche sind es, die letztendlich dazu führten, dass der junge Mann am Tag nach dem Tod seiner Mutter als Tatverdächtiger festgenommen wurde. Eindeutige Beweise und ein Motiv, die für ihn als Täter sprechen, gibt es aber nach wie vor nicht. In der Wohnung von Mutter und Sohn wurden jedoch keine DNA-Spuren gefunden, die auf einen anderen Täter deuten. Personen, wie der Ex-Freund, die ebenfalls als Täter in Frage kamen, haben ein Alibi. Der Ex-Mann soll heute via Live-Schaltung befragt werden.
Allerdings wurde die Verhandlung, die heute um 9.00 Uhr angesetzt war, am Morgen kurzfristig auf Nachmittag verschoben. Grund war ein größerer Polizei- und Notarzteinsatz im Gebäude es Landgerichts in Augsburg. Aus informierten Kreisen war zu hören, dass der Einsatz im Zusammenhang mit diesem Fall steht.