Initiative

Eltern kämpfen um den Erhalt des Nördlinger Waldkindergartens

Michaela Richter (l.) und Lisa Steinle setzen sich für den Erhalt des Waldkindergartens an der Alten Bürg ein. Bild: Mara Kutzner
Der Waldkindergarten in Nördlingen soll schließen, doch die Eltern wollen die Einrichtung erhalten und haben bereits einen möglichen neuen Träger gefunden. Die Stadt sieht derzeit jedoch keinen zusätzlichen Bedarf an Betreuungsplätzen.

Im Mai erreichte die Eltern der Kinder im Nördlingen Waldkindergarten „Wipfelstürmer“ eine Nachricht, mit der sie nicht gerechnet hatten. Das Bayerische Rote Kreuz wird die Einrichtung mit insgesamt 20 Plätzen Ende Juli schließen. Als Gründe werden wirtschaftliche Aspekte und zu wenige Anmeldungen genannt. 

Die Eltern können die Begründung nur schwer nachvollziehen. Momentan besuchen nach ihren Angaben 15 Kinder den Waldkindergarten an der Alten Bürg. Mindestens genauso viele wären demnach auch ab September wieder angemeldet. Für die Eltern rund um Michaela Richter und Lisa Steinle war deshalb schnell klar: Sie wollen die Schließung nicht einfach hinnehmen. „Wir geben nicht auf“, sagt Richter. 

Eltern schätzen das besondere Konzept

Für die Familien ist der Waldkindergarten eine Alternative zu klassischer Kindertagesstätte. Sie schätzen insbesondere die kleine Gruppe, die Zeit, die die Kinder draußen verbringen und das pädagogische Konzept. 

Der Wald ist für die Kinder Spiel- und Lernraum, wo Blätter, Äste und Steine zu Spielzeug werden. Gleichzeitig lernen die Kinder, sich innerhalb einer Gruppe zurechtzufinden und Verantwortung zu übernehmen. Gerade das soziale Miteinander zwischen Kindern, Eltern, pädagogischem Personal sei etwas Besonders, berichten die Eltern. 

„Auch für den Selbstwert der Kinder ist das total wichtig“, sagt Lisa Steinle, deren Tochter in den Waldkindergarten geht. Michaela Richter berichtet zudem von gesundheitlichen Veränderungen bei ihrem Sohn: „Seit er im Waldkindergarten ist, hat er keinen einzigen Krupp-Husten-Anfall mehr.“

Um die Einrichtung zu erhalten, haben die Eltern in den vergangenen Wochen zahlreiche Hebel in Bewegung gesetzt. Und tatsächlich gibt es inzwischen einen möglichen neuen Träger. 

Neuer Träger grundsätzlich zur Übernahme bereit

„Wir würden die Trägerschaft gerne übernehmen“, sagt Jonathan Calame-Rosset, Geschäftsführer von Entwicklungsfokus. Die gemeinnützige gUG aus Schwäbisch-Gmünd betreibt bereits mehrere Naturkindergärten. 

Damit ist der Fortbestand des Waldkindergartens in Nördlingen allerdings noch nicht gesichert. Nach Angaben von Calame-Rosset werden zwischen 20.000 und 40.000 Euro benötigt, um den Waldkindergarten erhalten zu können. Auf Initiative der Eltern werden deshalb Spenden gesammelt. Auch sammeln die Familien Unterschriften, um für den Fortbestand der Einrichtung zu werben. „Das ist ein ambitionierter Versuch“, räumt Calame-Rosset ein. 

Stadt sieht keinen zusätzlichen Bedarf

Eine entscheidende Rolle für den Erhalt des Waldkindergartens spielt also die Finanzierung. Die Stadt Nördlingen verweist auf eine insgesamt rückläufige Nachfrage nach Betreuungsplätzen. Zu Beginn des Kindergartenjahres 2026/27 werden nach aktueller Prognose 44 Krippen- und 88 Regelplätze unbesetzt bleiben. Zwar habe der Waldkindergarten mit seinem besonderen Konzept die Angebotsvielfalt bereichert, zuletzt seien von den 20 Plätzen jedoch nur vier mit Kindern aus Nördlingen belegt gewesen. 

Bislang unterstützte die Stadt die Einrichtung über die gesetzliche Förderung hinaus mit einem freiwilligen Zuschuss. Angesichts der freien Kapazitäten in anderen Einrichtungen sei eine zusätzliche Förderung künftig aber „nur schwer zu begründen“. Grundlage für eine finanzielle Förderung seien die Vorgaben des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes. Investitions- und Betriebskosten könnten demnach gefördert werden, wenn ein tatsächlich vorhandener und von der Kommune anerkannter örtlicher Bedarf bestehe. Genau diesen sieht die Stadt momentan nicht.

Gespräche mit möglichen neuen Trägern haben laut Stadt bereits stattgefunden. Da diese keine zusätzlichen finanziellen Mittel einbringen könnten, müsste der Betrieb im Wesentlichen über höhere Elternbeiträge finanziert werden. Die Stadt beton jedoch, dass ihr einheitliche und sozial ausgewogene Beiträge in den Nördlinger Kindertageseinrichtungen wichtig seien.

Trotz allem wollen Michaela Richter, Lisa Steinle und die anderen Eltern weiter für den Waldkindergarten kämpfen. Ob Spenden, Unterschriften und ein neuer Träger am Ende ausreichen, um die Schließung abzuwenden, ist derzeit offen.  

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