Wie soll die Nördlinger Altstadt in den kommenden Jahrzehnten aussehen? Wo braucht es mehr Grün, bessere Aufenthaltsqualität oder neue Mobilitätskonzepte? Antworten auf diese Fragen soll das Integrierte Nachhaltige Stadtentwicklungskonzept (INSEK) liefern. Mit einer Mitmach-Ausstellung im Rathaus hat die Stadt am Freitag die ersten Ergebnisse des umfangreichen Planungsprozesses vorgestellt – und lädt die Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich dazu ein, ihre eigenen Ideen einzubringen.
Die Ausstellung bildet den nächsten Meilenstein eines bereits seit über einem Jahr laufenden Beteiligungsprozesses. Nachdem im Mai 2025 eine erste Bürgerwerkstatt stattfand und anschließend eine Online-Beteiligung durchgeführt wurde, werden nun die bisherigen Ergebnisse präsentiert und zur Diskussion gestellt. Das endgültige INSEK soll nach einer weiteren Beteiligungsphase im Stadtrat beschlossen werden.
Alle Planungen erstmals zusammengeführt
Oberbürgermeister David Wittner machte bei der Eröffnung deutlich, weshalb das INSEK für Nördlingen eine besondere Bedeutung besitzt. Zwar gebe es bereits zahlreiche Konzepte – von der Altstadtsatzung über Sanierungsgebiete bis hin zu verschiedenen Fachgutachten. Ein Konzept, das sämtliche Themen der Stadtentwicklung gemeinsam betrachtet, habe bislang jedoch gefehlt.
„Wir wollten die Altstadt einmal wirklich integriert denken – vom Wohnen über Verkehr und Wirtschaft bis hin zu den Herausforderungen des Klimawandels“, so Wittner. Das Konzept bündele deshalb die vorhandenen Untersuchungen, ergänzt diese um die Ergebnisse der Bürgerwerkstätten und entwickle daraus eine gemeinsame Zukunftsstrategie. Auf rund 100 Seiten seien zahlreiche Projektideen zusammengetragen worden. Dabei handle es sich bewusst um einen Ideenkatalog und nicht um einen verbindlichen Maßnahmenplan. „Es ist das Maximum dessen, was denkbar ist“, betonte Wittner. Welche Projekte letztlich umgesetzt werden, hänge von politischen Entscheidungen, finanziellen Möglichkeiten und weiteren Planungen ab.
Zwischen Denkmalschutz und Klimawandel: Die Altstadt fit für die Zukunft machen
Anlass für die Erarbeitung des INSEK sind die aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung. Ziel ist es, die historische Altstadt langfristig als lebendiges Zentrum zu sichern und gleichzeitig Fördermittel aus der Städtebauförderung des Bundes und des Freistaats Bayern nutzen zu können. Das Untersuchungsgebiet umfasst dabei nicht nur die eigentliche Altstadt innerhalb der Stadtmauer, sondern auch die angrenzenden Quartiere und Übergangsbereiche mit insgesamt rund 90 Hektar Fläche.
Das Konzept beschäftigt sich mit nahezu allen Bereichen des städtischen Lebens. Dazu gehören Wohnen und Wohnungsentwicklung, Einzelhandel und Versorgung, Verkehr und Mobilität, öffentliche Plätze, Grünflächen, Klimaanpassung, Energie, Freizeit, Kultur und Tourismus sowie die Entwicklung wichtiger Einrichtungen.Besonders deutlich sprach Wittner die Zielkonflikte an, vor denen die Stadt künftig stehen werde. Die historische „steinerne Stadt“ mit Rathaus, St.-Georgskirche und Stadtmauer sei das unverwechselbare Markenzeichen Nördlingens und müsse erhalten bleiben. Gleichzeitig brauche die Altstadt künftig mehr Grünflächen, Schatten und Aufenthaltsqualität, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen.
„Wenn wir mehr Aufenthaltsqualität schaffen, mehr Begrünung wollen und gleichzeitig Barrierefreiheit, Radverkehr und den Autoverkehr berücksichtigen möchten, dann werden wir Prioritäten setzen müssen“, erklärt Nördlingens Stadtoberhaupt. Nicht jede Fläche könne gleichzeitig Parkplatz, Fahrbahn, Radweg, Fußweg und Grünanlage sein. Deshalb werde es künftig intensive Diskussionen darüber geben, wie der öffentliche Raum genutzt werden soll.
Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen jedoch nicht fertige Lösungen, sondern die Beteiligung der Bevölkerung. Der Rundgang führt zunächst durch die Grundlagen des Konzepts und die Ergebnisse der bisherigen Bürgerwerkstatt. Anschließend gelangen die Besucher zur eigentlichen Mitmach-Ausstellung. Dort können sie Projektideen bewerten, Anregungen auf Karten notieren oder ihre Vorschläge direkt auf einem dreidimensionalen Stadtmodell mit kleinen Fahnen verorten. „Fühlen Sie sich wirklich frei, sich kritisch mit den Vorschlägen auseinanderzusetzen“, appellierte Wittner an alle Besucher*innen und Interessierte.
Gerade unterschiedliche Blickwinkel seien wichtig. Kinder nähmen die Stadt anders wahr als Senioren, Menschen mit Rollstuhl hätten andere Bedürfnisse als Berufspendler oder Bewohner der Altstadt. Genau diese verschiedenen Perspektiven wolle die Stadt zusammenführen.
Auch Philip Wettemann vom Stadtplanungsamt warb um möglichst viele Teilnehmer. Die anwesenden Vertreter von Schulen, Vereinen und Verbänden sollten als Multiplikatoren wirken und weitere Menschen zur Teilnahme motivieren. Besonders wichtig sei es, alle Altersgruppen zu erreichen. Deshalb bietet das Stadtplanungsamt auf Anfrage auch Führungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten an – etwa für Schulklassen oder andere Gruppen. Die Mitarbeitenden der Stadt begleiten die Ausstellung während der gesamten Laufzeit und stehen für Fragen zur Verfügung. Neben der Ausstellung läuft erneut eine Online-Beteiligung. Bürgerinnen und Bürger können ihre Anregungen zusätzlich über die Beteiligungsplattform "myPinion" einreichen. Gemeinsam mit den Rückmeldungen aus der Ausstellung sollen diese in die weitere Ausarbeitung des INSEK einfließen.
Die Ausstellung ist an folgenden Terminen geöffnet:
- Dienstag, 07. Juli, 16:00 - 19:00 Uhr
- Mittwoch, 08. Juli, 16:00 - 19:00 Uhr
- Donnerstag, 09. Juli, 16:00 - 19:00 Uhr
- Samstag, 11. Juli, 09:00 - 12:00 Uhr
- Dienstag, 14. Juli, 16:00 - 19:00 Uhr
- Donnerstag, 16. Juli, 16:00 - 19:00 Uhr