15. Februar 2019, 11:00

Wie funktioniert die deutsche Kommunalverwaltung?

25 Flüchtlinge haben sich zum Erfahrungsaustausch in Donauwörth getroffen Bild: Andreas Grasser
25 Syrer trafen sich zum Austausch in Donauwörth. Sie alle nahmen an einem Modellprojekt für Praktikanten in deutschen Kommunalverwaltungen teil. Auch bei Behörden in der Region haben Praktikanten wichtige Erfahrungen gesammelt.

Zwei Tage lang waren Geflüchtete aus Syrien zu Gast im Landratsamt Donauwörth, um sich darüber auszutauschen, was sie in ihren Praktika erlebt haben. 25 Syrer und Syrerinnen, die mittlerweile in ganz Deutschland leben, haben an einem Modellprojekt des Entwicklungsministeriums teilgenommen und in den Kommunalverwaltungen von sieben Modellkommunen gelernt, wie deutsche Verwaltungsstrukturen aufgebaut sind, wie Behörden arbeiten und welche Aufgaben und Pflichten Gemeinden, Städte und Landratsämter haben. Die Praktika sollen die Syrer "auf ihre Rückkehr" vorbereiten, erklärt Landrat Stefan Rößle. Die Zeit, die Flüchtlinge bei uns verbringen, könnten sie nutzen, um zu lernen, wie sie in ihrer Heimat kommunale Strukturen aufbauen. 

Praktikum bei der Stadtverwaltung Nördlingen

"Bei uns gib es keine Versammlungen für Bürger", sagt ein Praktikant der Stadt Maintal, der nicht nur Bürgerversammlungen und Stadtratssitzungen mitorganisiert hat, sondern auch in der Abteilung für Sicherheit und Ordnung mitarbeitet. Neben drei Praktikanten im Landratsamt Donau-Ries, hat auch die Stadt Nördlingen bei dem Modellprojekt teilgenommen.

Der 22-jährige Hane Moshmosh, lebt seit 3 Jahren in Nördlingen und absolvierte von September bis Februar sein Praktikum bei der Stadtverwaltung. Er arbeitete im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Kultur sowie Stadtplanung. Auf die Frage, ob er sich vorstellen kann, die Erfahrungen auch in seiner Heimat zurückzugreifen antwortet der junge Mann nicht ganz eindeutig. Die Situation in seinem Herkunftsland wäre noch lange nicht so, dass dort Verwaltungsstrukturen aufgebaut werden könnten. Auch ein 6-monatiges Praktikum sei zu kurz, um das Wissen tatsächlich in Syrien anwenden zu können, so der Syrer. Aber Moshmosh zieht trotzdem ein positives Fazit. Die Zeit bei der Stadt Nördlingen habe ihm einen guten Überblick gegeben und er hat herausgefunden sich beruflich in diese Richtung zu orientieren. Vielleicht klappt es für Hane Moshmosh mit einer Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter bei der Stadt Nördlingen - dafür hat sich der Syrer jetzt beworben. "So könnte ich Syrien helfen und später bei Wiederaufbau tätig sein" meint Moshmosh.