30. April 2019, 15:43

Der gehörlose Patient

Unser Bild zeigt (v.l.n.r.): Henriette Jahn, Maren Blaurock (2. Ausbildungsjahr/Gebärdendolmetscherin), Karin Lüdtke-Engel (stellv. Schulleiterin der Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege), Jürgen Wiedemann (Betriebsdirektor), Michaela Rechner (Pflegedienstleitung Donau-Ries Klinik Donauwörth) und Melanie Zeitler. Bild: Diana Hahn
Für ihre bevorstehende Bachelorarbeit hat sich Henriette Jahn, die neben ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin (Abschluss September 2018) ein duales Studium an der DHBW in Heidenheim im Fach „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung“ absolviert, einer spannenden Herausforderung gestellt. Die 24-Jährige untersucht, welche Kommunikationsbarrieren es zwischen gehörlosen Patienten und Klinikpersonal gibt. Als Praxisbeispiel dient ihr dabei die Donau-Ries-Klinik Donauwörth.

Mitte April ging es los. Henriette Jahn, ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin, hat jetzt drei Monate Zeit, sich dem Thema ihrer Bachelorarbeit zu widmen. Schnell war für die 24-Jährige klar, dass es ein Thema sein sollte, mit dem sie auch etwas bewirken kann. Da sie während ihrer Ausbildung am gemeinsamen Kommunalunternehmen auch Situationen mit Gehörlosen erlebt hat, weiß sie um die Barrieren, die auftreten können: „Die größte Herausforderung ist ganz klar die Verständigung mit gehörlosen Patienten. Das macht die Diagnostik schwer und kann im schlimmsten Fall zu Fehldiagnosen führen. Gehörlose verlieren dadurch möglicherweise das Vertrauen in Gesundheitseinrichtungen, weil sie befürchten müssen, nicht richtig verstanden und deshalb vielleicht sogar nicht umfassend behandelt zu werden“, so Henriette Jahn. Viel Arbeit wartet auf die Mertingerin, da es nur wenig deutschsprachige Literatur zu diesem Thema gibt. „In Deutschland ist das Bewusstsein für dieses Thema leider kaum vorhanden. Ich muss mir erstmal die nötigen Informationen zusammensuchen, um abschließend Handlungsempfehlungen ableiten zu können, die den Pflegekräften, Ärzten und Therapeuten in Zukunft den Umgang mit gehörlosen Patienten erleichtern“, erklärt die 24-Jährige. Die Studentin hat also viel Transferarbeit vor sich. Ihr Ziel sei es, so sagt Henriette Jahn, dass die Handlungsempfehlungen, die sie in ihrer Bachelorarbeit erarbeitet auch im Klinikalltag umgesetzt werden. Vorstellbar seien zum Beispiel technische Hilfsmittel wie Bildschirme oder die Verwendung einer App.

An der Verbesserung der Kommunikation zwischen gehörlosen Patienten und dem Klinikpersonal wird in der Donauwörther Klinik bereits seit 2018 gemeinsam mit dem Gehörlosenverein Nordschwaben gearbeitet. Unter dem Titel „Sehen statt Hören“ finden Gebärdensprachkurse statt, an denen das Personal freiwillig teilnehmen kann. Der nächste ist bereits für Mai angesetzt. Michaela Rechner, Pflegedienstleiterin, hält diese Maßnahme für richtig und wichtig: „Es ist wichtig etwas zu unternehmen. Wenn im Klinikalltag keine Kommunikation zwischen Klinikpersonal und gehörlosen Patienten möglich ist, kann das zu Missverständnissen führen. Der Bedarf ist vorhanden und deshalb bin ich sehr froh darüber, dass Frau Jahn mit ihrer Arbeit herausfinden möchte, wo die Probleme liegen und wir dann handeln können.“ Auch Karin Lüdtke-Engel, stellvertretende Schulleiterin der Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege, sieht das Überwinden von Kommunikationsbarrieren als wichtige Aufgabe an. „Kommunikation ist ein wichtiger Baustein, um die optimale medizinische und pflegerische Versorgung von Gehörlosen oder Hörgeschädigten zu gewährleisten. An der Berufsfachschule finden deshalb seit 2018 für Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr ca. 10 Unterrichtseinheiten zur Gebärdensprache statt. Unterstützt werden wir dabei vom Gehörlosenverein Nordschwaben, sowie von Melanie Zeitler, die selbst gehörlos ist und die Kurse leitet“, so Lüdtke Engel. (pm)