1. Juli 2020, 14:28

Aktiv für Nördlingens Kunstschätze - Amici dell’Arte retten seltenes Epitaph

Ein seltenes Epitaph hat der Nördlinger Verein Amici dell’Arte restaurieren lassen. Bild: Kugler
Ein seltenes Epitaph hat der Nördlinger Verein Amici dell’Arte restaurieren lassen.

Wenn die Amici dell’Arte um Mario Borelli sowie Karl und Susanne Schaffer auf dem Markt stehen, dann haben sie schon ihre Stammkundschaft, die die selbstgemachten Marmeladen, Plätzchen und Pralinen nachfragen. Das so gesammelte Geld floss in den letzten Jahren in ein Restaurierungs-Großprojekt, nämlich die Sanierung eines ganz besonderen Epitaphs aus der Zeit um 1615, das sich heute im Stadtmuseum befindet. Das Erinnerungsmal der Familie Gering zeigt „Jakobs Traum von der Himmelsleiter“ und hing einstmals an einer Säule in der St.-Georgs-Kirche. Aufgrund dieser speziellen Art der Hängung war das Epitaph nicht flach, sondern in halbzylindrischer Form angelegt worden.

Aus der St.-Georgs-Kirche in Nördlingen sind etliche solcher Kunstwerke bekannt, die sich konkav um die Kirchensäulen herum wölbten. Sie sind auf alten Darstellungen und Fotografien aus der Zeit vor der Kirchenrenovierung 1874 noch zu erkennen. Heute findet sich jedoch keines dieser Bilder mehr an seinem angestammten Platz. Der Säulenschmuck wurde während der Renovierung 1874 vollständig entfernt. Wegen ihrer sperrigen Form war man im Umgang mit diesen Bildern nicht sehr zimperlich. Fünf Säulenbilder ebnete man unter Dampf und Druck und stellte sie dann im Museum aus. Die Übrigen lagen lange Jahre in Einzelteile zerlegt auf Dachböden, bis ihr Zustand äußerst desolat war. Der frühere Stadtarchivar Dr. Gustav Wulz übernahm einige Teile davon 1936 ins städtische Museum, darunter das nun restaurierte Epitaph des Säcklers und Lodenhändlers Hans Gering, der 1565 im Nördlinger Stadtgericht und 1566 Mitglied des Inneren Rates war. Auch seine zwei Frauen, mit denen er 19 Kinder hatte, sind auf dem Kunstwerk verewigt.

Obwohl man sich in der Vergangenheit bereits um eine Konservierung bemüht hatte, konnten die großen Altschäden nicht beseitigt werden. Das gelang nun erst jetzt der aus Nördlingen stammenden Restauratorin Daniela Sieber, die das große Epitaph lange Monate in ihrem Atelier in München akribisch festigte, kittete, reinigte und retuschierte. Für den Erhalt dieses sehr speziellen Kunstwerks flossen von den Amici dell’Arte 3.000 Euro ein. Spenden in Höhe von je 500 Euro gehen auf die in München lebenden Rieser Artur Kulak und Josef Herrmann zurück, die in Verbundenheit mit ihrer alten Heimat diese Restaurierung fördern wollten. Große Unterstützung erfuhr das Projekt durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in München, die mit einem Zuschuss von 5.786 Euro den großen Restaurierungsumfang erst ermöglichten. Den Restbetrag von knapp 2.000 Euro übernahm die Stadt Nördlingen. Nun wird von Museumsleiterin Andrea Kugler der geeignete Standort im Stadtmuseum ausgewählt, damit dessen Besucher ein bislang unbekanntes Kapitel Nördlinger Kunstgeschichte aufschlagen können. (pm)