Bild: Claudia Müller
Auf einen evangelischen Pfarrer, der mit seinen selbst getexteten Liedern gleich mehrfach die katholischen Ministranten bei ihren Wallfahrten nach Rom begleitet hat, darf man zurecht gespannt sein: Das dachten sich auch viele Harburger, und so war die St. Barbara Kirche am Samstagabend gut besucht, als Johannes Matthias Roth, Pfarrer und Liedermacher aus Nürnberg, den Harburger Kulturherbst eröffnete.
Harburg - Sein aktuelles Programm trägt den Titel „Herzzeit“, und passend dazu war auch die Kirche festlich mit Herzen geschmückt. Dass dies ein reiner Zufall ist, wird von Roth ebenso ins Programm eingebaut, wie er von Anfang an den direkten Kontakt zu seinem Publikum aufnimmt. Sympathisch, immer menschlich und fast im Plauderton gibt es zu jedem seiner Lieder, die er allesamt selbst komponiert hat, eine kleine Geschichte oder eine Erklärung und die Gäste werden immer wieder direkt angesprochen.
Roth und Tochter Christianna eröffnen das Konzert mit dem Mottolied des Katholikentages 2014 in Regensburg, „Kommt und lasst uns Brücken bauen“. Begleitet werden die beiden an diesem Abend vom Harburger Singtreff unter der Leitung von Ingrid Herde. Man kennt sich bereits von früheren gemeinsamen Konzerten, und gleich beim zweiten Stück „Seht, das ist der Mensch...“ ebenfalls ein Mottolied für einen Katholikentag, klatschen und schnippen nicht nur der Chor, sondern auch die Zuhörer schon fleißig mit.
Gospelmäßig wird es dann bei „We praise the love of our wonderful God.“ Illustriert durch ein mitgebrachtes Batikkleid berichtete Roth dazu von Afrika, wo ihn seine Reisen immer wieder hinführen und wo er verschiedene Hilfsprojekte unterstützt. Überhaupt ist er ein internationaler Mensch, ein Weltenbürger: “Schalom, möge Friede mit dir sein,...“ ist ein großartiger Appell an den Frieden mit einem englischen, einem hebräischen und einem arabischen Refrain. Wenn Roth dann weiter von seiner Reise in die türkisch / syrische Grenzregion und den Begegnungen dort erzählt, ist das ein echter Gänsehautmoment.
Auch das Stück „Und wenn ich wüsste,...“ befasst sich zuerst mit der Umweltverschmutzung, und mit der Gefahr, in die wir Menschen die Schöpfung bringen, um dann mit Luthers Worten ... dann pflanzte ich noch heute ein Apfelbäumchen ein“, wieder Zuversicht und Gottvertrauen zu vermitteln. Für alle, die „Danke ... für meine Arbeitsstelle“ nicht mehr hören können, hat Roth auch eine Danklied dabei, modern, eingängig, und auch hier trägt Tochter Christianna, wieder wesentlich dazu bei, dass auch das Publikum immer wieder mitmacht, die Kinder die mitgebrachten Bänder schwenken und keine Langeweile aufkommt.
„Musik hören ist die Seele in die Sonne halten“, auch diese Erkenntnis des evangelischen Pfarrers mit der engen musikalischen Verbindung zur katholischen Kirche teilt Harburgs ökumenisches Publikum nach diesem Abend ganz sicher. (pm)