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Im Tonstudio von Cold Water Productions in Huisheim (Bild: Cold Water Productions)

Musik öffnet Herzen Teil 4 – Musik im Studio

Im aktuellen blättle ist Musik unser Titelthema. Dieses stellen wir euch in einer mehrteiligen Serie auch online vor. In Teil 4 erfahre ich, wie Musik in einem Tonstudio entsteht. Hierfür war ich bei Cold Water Productions in Huisheim.

Nachdem ich nun vieles zur Musiktheorie erfahren habe und mich selbst auch erfolgreich an einem Instrument versucht habe, interessiert mich, wie Musik eigentlich aufgenommen wird, damit wir sie auf den heute gängigen Tonträgern hören können. Um mehr darüber zu erfahren, treffe ich mich mit den Musikern, Komponisten und Produzenten Helmar Sagel und Arndt Pischke. Seit etwa 2009 betreiben die beiden Musiker in Huisheim ein Plattenlabel mit hoch professionellem Tonstudio, musizieren gemeinsam und auch getrennt in verschiedenen Bands, produzieren regionale und auch internationale Musiker und Musikerinnen und organisieren Events wie „Jazz und Kunst“ in der Region.

Ich mache mich also auf den Weg ins beschauliche Huisheim und werde wieder einmal überrascht, was sich im Landkreis alles verbirgt an Orten, wo man es am wenigsten erwartet hätte. Als mir die Türe geöffnet wird, betrete ich eine echte Musikwelt: Fotos von Künstlern an den Wänden, ein
Aufnahmeraum mit den verschiedensten Instrumenten und ein technisch perfekt ausgestatteter Studioraum. Ich bin hier, weil mich interessiert,
wie Musik in Form eines Songs eigentlich entsteht, was es an Technik braucht und was auf emotionaler Ebene bei den Beteiligten im Tonstudio abläuft.

Ganz wichtig sei die Akustik, erklären mir die beiden Musiker. „Ein Aufnahmeraum darf nicht hallen, je qualitativ hochwertiger und professioneller
die Einrichtung und die Dämmung, desto besser der Klang. Wenn das stimmt, fühlen sich die Musiker wohl im Studio und das ist wichtig für die Aufnahme“, sagt Helmar Sagel. Dann sind das technische Equipment und der Aufbau wichtig. Im Aufnahmeraum stehen die Instrumente und die
Mikrofone. Jedes Instrument bekommt ein eigenes Aufnahmemikrofon, an einem Schlagzeug sind sogar an jeder Komponente Mikrofone installiert. Die Instrumente produzieren Schall, dieser wird von den Mikrofonen aufgenommen und in ein elektrisches Signal umgewandelt. Durch Kabel laufen die einzelnen Signale in den Produktionsraum. Dort werden sie zu digitalen Daten umgewandelt, mit welchen die Computersoftware
arbeiten kann. Ein großes Mischpult mit Reglern gibt es im Studio nicht mehr, das Mischpult ist im Computer. Auf dem Bildschirm sieht das virtuelle Mischpult aber ähnlich aus, wie ein reales.

Wenn die beiden die CD eines Künstlers produzieren, kommt der Künstler meist mit eigenem Songmaterial, mit Melodien, Kompositionen, mit Texten. „Das ist unser Rohmaterial. Dieses nehmen wir dann mehrfach auf, bis sich eine Version herauskristallisiert, bei der es für alle Beteiligten passt und mit der sich alle gut fühlen“, erklärt Arndt Pischke. Dann kommt die Veredelung. Ganz einfach gesagt ist die Veredelung „ein bisschen mehr Bass hier, ein paar mehr Höhen da“ – aber so leicht und schnell wie dies klingt, ist es selbstverständlich nicht. Das Gehör spielt beim gesamten Prozess eine große Rolle: „Wir müssen hören, wo der Musiker auf den Punkt gespielt hat, und wo nicht. Dies wird dann korrigiert oder muss erneut aufgenommen werden. Unsere Arbeit ist, die Essenz des Stückes zu begreifen, zu wissen, was der Künstler damit im Endergebnis ausdrücken möchte und das Stück dann so lange zu veredeln, bis wir das erreicht haben. Wir hören also wieder und wieder und wieder, es braucht viel Zeit“, erklären mir die erfahrenen Produzenten. Ich möchte wissen, wann man weiß, dass ein Stück fertig ist. „Wenn das Stück ausdrückt, was es ausdrücken soll. Die Essenz heraushören und dann in der bestmöglichen Qualität aufnehmen, das ist unsere Arbeit“, sagt Helmar Sagel. „Manchmal neige ich beim Veredeln zum Perfektionismus, dann muss ich irgendwann an den Punkt kommen, an dem es nicht mehr besser wird und diese Aufnahme nehmen, oder alles verwerfen und von vorne anfangen“, ergänzt Arndt Pischke. Wie viel dabei ist Technik und wie viel ist Gefühl? „Technik ist die Grundausstattung, ohne die geht es nicht. Je besser die Technik, desto professioneller die Aufnahme. Aber die Musiker, also die Menschen, sind es, die diese Technik bedienen. Und von denen fließt Herzblut mit in die Aufnahme ein. Da kommt es zwischen den einzelnen Musikern und den Technikern zu einem Zusammenspiel, diesen Spirit kann man dann im Studio spüren. Ich würde sagen, 20 bis 30 Prozent sind Technik, die wesentlichen 70 bis 80 Prozent sind Gefühl, sind Spirit“, sagt Helmar Sagel. Damit Musik im Studio entstehen und aufgenommen werden kann, braucht es also Technik, Menschen, die diese mit Verstand aber auch mit Herzblut bedienen, ein extrem gutes Gehör, viel Zeit und vor allem den richtigen Spirit.

Abschließend erklären mir die Produzenten, dass es auch einen entscheidenden Unterschied macht wie viel Studioerfahrung ein Musiker hat, denn im Studio hört man alles. Wenn ein Musiker wenig Erfahrung im Studio hat, ist er nervös. Man hört jede Unsicherheit, jedes Zögern, jeden verpatzten Einsatz und erst recht, wenn sich jemand verspielt. Da ist das Studio gnadenlos. Ein Musiker mit viel Studioerfahrung ist sicherer und lässt sich auch durch mehrfaches Aufnehmen nicht verunsichern. Hier unterscheidet sich das Studio vom Liveauftritt – denn live gibt es keine Wiederholung, dafür wird ein schiefer Ton auch eher mal überhört oder gleich wieder vergessen.

Um Livemusik zu erleben, erzähle ich euch im nächsten Teil der Serie von meinem Besuch in einem Musikclub.

Über Verena Gerber-Hügele

Chefredakteurin. Hat die Oberaufsicht übers blättle. Macht am liebsten Reportagen, Reiseberichte und Interviews. Auch verantwortlich für Art Direction und Freihandzeichnungen im blättle. Naturverbunden, hält sich zu Hause einen halben Bauernhof.

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