Gewässerschutz

Hohe Nitratbelastung im Raum Donauwörth

Harald Guelzow untersucht eine Brunnenwasserprobe im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz e.V. Bild: Anja Roth
Der VSR-Gewässerschutz führte am 9. September in Donauwörth Brunnenwasseranalysen durch. 93 Bürger gaben Wasserproben aus ihren Gartenbrunnen am Labormobil ab.

„Wir analysierten die Wasserproben und erstellten für jede Probe ein ausführliches Gutachten zur Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Brunnenwassers, welches wir den Brunnenbesitzern zusandten. Damit möchten wir dazu beitragen, dass im Garten das oberflächennahe Grundwasser genutzt wird und die Trinkwasservorräte geschont werden“, erklärt Harald Gülzow, der das Projekt Brunnenwasseruntersuchungen koordiniert. Inzwischen hat die gemeinnützige Organisation auch die Nitratergebnisse aus Donauwörth und Umgebung ausgewertet, um die Entwicklung der Nitratbelastung im Grundwasser zu beobachten. „Die bisherigen Messwerte zeigen, dass die ständigen Änderungen bei den Düngeregelungen auf den Feldern nicht dazu beigetragen haben die Nitratbelastung erfolgreich zu reduzieren“, erklärt er. Es fehlt eine Planungssicherheit für die Landwirte. Diese ist aber dringend notwendig, damit landwirtschaftliche Betriebe aktiv dazu beitragen, durch eine Kombination von Maßnahmen die Nitratkonzentration im Grundwasser zu verringern.

Die 1991 verabschiedete EU-Nitratrichtline besagt, dass die Nitratbelastung von 50 mg/l im Grundwasser nicht überschritten werden darf. Die nationalen Regierungen sind seitdem dazu aufgefordert, diese Forderung mittels Gesetzgebung entsprechend umzusetzen. In Deutschland zeigt sich allerdings auch nach annähernd 35 Jahren keine wirkliche Orientierung auf dieses Ziel hin. Es wirkt so, als drehe sich fast jede Änderung der Düngegesetze ausschließlich um die Frage, wie man einer Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof entgehen kann.

Auch hier in der Region sind die negativen Folgen dieser Landwirtschaftspolitik sichtbar. „In jeder 6. Probe aus den privat genutzten Brunnen stellten wir eine Überschreitung von 50 mg/l Nitrat fest“, erklärt Harald Gülzow. Besonders kritisch sieht er die hohen Belastungen in den Gartenbrunnen in Rain mit 96 mg/l, in Walda mit 93 mg/l, in Heuberg mit 81 mg/l, in Mittelstetten mit 80 mg/l, in Donauwörth mit 77 mg/l und in Gunzenheim mit 76 mg/l. Andere Brunnen sind nicht so stark belastet, überschreiten aber trotzdem deutlich den Grenzwert der Nitratrichtlinie. So fand der VSR-Gewässerschutz in Sallach 64 mg/l Nitrat, in Warching 63 mg/l und in Amerbach 60 mg/l.

Zur Umsetzung der Nitratrichtlinie wurden zwischen 2022 und 2025 in allen Bundesländern nitratbelastete Gebiete, die sogenannten „Roten Gebiete“, ausgewiesen. In diesen Gebieten galten deutlich strengere Düngeauflagen. Das Bundesverwaltungsgericht bewertete die Kriterien, anhand derer die Roten Gebiete festgelegt wurden, jedoch als zu ungenau. In der Folge haben alle Bundesländer die Ausweisung dieser Gebiete aufgehoben. Anstatt die bisherigen Regelungen gezielt nachzubessern, diskutiert die Agrarministerkonferenz nun neue Ansätze zur Umsetzung der Nitratrichtlinie. Um den unterschiedlichen Vorstellungen der Bundesländer Rechnung zu tragen, stehen inzwischen drei verschiedene Modelle zur Auswahl. Nur bei einem dieser Vorschläge würden weiterhin Rote Gebiete ausgewiesen. Die beiden anderen sehen stattdessen Regelungen vor, die jeweils für das gesamte Bundesland gelten sollen. Nun soll die EU-Kommission prüfen, ob die vorgeschlagenen Modelle geeignet sind, die Einhaltung der Nitratrichtlinie künftig sicherzustellen. Konkrete Vorgaben zu Düngemengen oder anderen landwirtschaftlichen Maßnahmen liegen bislang jedoch nicht vor. Diese sollen erst bis zur Düngesaison 2028 ausgearbeitet werden. „Das dauert alles viel zu lange und kann nun sogar zu einer Zunahme der Nitratbelastung führen“, kritisiert Harald Gülzow.

Fazit aus den bisherigen Auswertungen: „Es reicht nicht, nur die Düngemengen zu betrachten. Es müssen mehrere landwirtschaftliche Maßnahmen kombiniert werden“, sagt Harald Gülzow. Die Pflicht zum Anbau von Zwischenfrüchten in den „Roten Gebieten“ bewertet er als sehr zielführend. Diese verhindern, dass die übriggebliebenen Stickstoffe bei Regenfällen ins Grundwasser ausgewaschen werden. Im Kreis Donau-Ries bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 79% aus Ackerflächen. Dort ist die Gefahr der Nitratauswaschung höher, als unter Grünland. Das liegt daran, dass Grünland eine ganzjährige ununterbrochene Begrünung der Fläche mit einer intensiven Durchwurzelung aufweist und dadurch das Nitrat aus dem Dünger weniger ausgewaschen wird. Das ist bei Ackerflächen nicht der Fall. Besonders hoch ist die Nitratverlagerung im Winter unter Feldern, die keine Bodenbedeckung aufweisen. Der VSR-Gewässerschutz fordert den verpflichtenden Anbau von Zwischenfrüchten in den nitratbelasteten Bereichen. Weiterhin darf es im Winter keine Felder ohne Bewuchs geben. Auch Agroforst, die Kombination von Land- und Forstwirtschaft, stellt eine gute Ergänzung dar, um die Verlagerung der Stickstoffe in die Tiefe zu verhindern. (dra)