6. März 2020, 11:54

Rekord im Vertragsnaturschutzprogramm 2020

Die Entwicklung des Vertragsnaturschutzprogramms im Landkreis Donau-Ries. Bild: R. Scholz
Das Vertragsnaturschutzprogramm, vom bayerischen Umweltministerium vor über 30 Jahren ins Leben gerufen, erfreut sich stetig wachsenden Zuspruchs. Im Landkreis Donau-Ries nehmen derzeit 538 Betriebe mit insgesamt 2.974 Hektar Fläche am Förderprogramm teil. Hierfür wird unter Berücksichtigung noch laufender Altverträge ein Entgelt in Höhe von 1,42 Millionen Euro für vertraglich vereinbarte Naturschutzleistungen im Jahr 2020 an die Bewirtschafter ausbezahlt.

Im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) verpflichten sich die teilnehmenden Landwirte auf freiwilliger Basis zu einer extensiven und naturschonenden Bewirtschaftung von Äckern, Wiesen und Weiden und leisten durch diese ökologisch ausgerichteten Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt. Die Landwirte erhalten hierfür ein entsprechendes Entgelt, mit dem z.B. ein verminderter Ertrag kompensiert werden soll.
„Eine solche Steigerung und Akzeptanz bei einem Förderprogramm des staatlichen Naturschutzes sowie die uneingeschränkte Bereitstellung der finanziellen Mittel für Neuverträge wie in diesem Jahr ist einmalig und habe ich so noch nie erlebt“ freut sich Roland Scholz, der seit fast 27 Jahren als Fachkraft für Naturschutz an der unteren Naturschutzbehörde (uNB) im Landratsamt Donau-Ries tätig ist und weiß, wovon er spricht. Er hat den mühevollen Werdegang von Einzelprogrammen zum Wiesenbrüterschutz und Ackerrandstreifen hin zum umfassenden bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm, von erstmals einjährigen hin zu 5-jährigen Vertragslaufzeiten, von angespannten Haushaltsjahren bis zur Verankerung des Programms im Naturschutzgesetz selbst miterlebt und begleitet wie kaum ein anderer. Auch Landrat Stefan Rößle freut sich über den Erfolg des stetig wachsenden Zuspruchs für das VNP im Landkreis. „Dies ist ein positives Beispiel für gelungene Kooperation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft und ein weiterer Baustein, der sich in das angelaufene Partnerschaftsprojekt des Landkreises mit der Landwirtschaft einfügt“, so der Landrat. Erst kürzlich wurde hierzu vereinbart, dass die Organisation des Projekts in den Nachhaltigkeitsprozess des Landkreises eingebunden werden soll.
Landwirtschaft erfüllt im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung dieser ökologisch äußerst wertvollen Flächen im Rahmen des VNP eine Schlüsselfunktion
Zu den fachlichen Förderkulissen zählen unter anderem die FFH- und Vogelschutzgebiete (sog. Natura-2000-Gebiete), FFH-Lebensräume und FFH–Arten, Naturschutzgebiete, Naturdenkmäler und geschützte Landschaftsbestandteile, gesetzlich geschützte Biotope, Wiesenbrütergebiete, biotopkartierte und gleichwertige Flächen bis hin zum Biotopverbund.
Die Landwirtschaft erfüllt im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung dieser ökologisch äußerst wertvollen Flächen im Rahmen des VNP eine Schlüsselfunktion, insbesondere durch spätere Mähzeitpunkte, den Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, den Einsatz von Messermähwerken oder aber eine extensive Beweidung von Magerrasen durch die Schäferei.

Wie die Grafik zeigt, konnte die größte Steigerungsrate beim VNP im Bereich der extensiveren Grünlandbewirtschaftung erzielt werden. Für die nächsten 5 Jahre werden so erfreulicherweise auch 71,37 ha von Ackerland wieder in Grünland umgewandelt. Wichtig für die Landwirte ist dabei, dass durch das Förderprogramm der Ackerstatus erhalten bleibt. Die Beweidung wurde in den letzten Jahren hauptsächlich durch Entbuschung ehemals brachgefallener Flächen erhöht. Deutlich erkennbar ist der Anstieg der ausbezahlten Entgelte ab dem Jahr 2015. Neben der Flächenzunahme ist hierfür auch eine Steigerung der Prämiensätze im Förderzeitraum ab 2015 ausschlaggebend. Allein die Verlängerung der zur Jahreswende ausgelaufenen Vereinbarungen hatte dabei ein Finanzvolumen von knapp über 500.000 Euro. Eine Besonderheit war in diesem Jahr die Wahlmöglichkeit einer verkürzten 3-jährigen anstatt der normalen 5-jähriger Verlängerung, für die sich letztendlich jedoch nur 13,35 % der Betriebe entschieden.
Das Finanzvolumen für Neuabschlüsse belief sich auf weitere knapp 290.000 Euro. Insgesamt werden somit für Vereinbarungen mit Beginn ab 2020 Mittel in Höhe von ungefähr 790.000 Euro verausgabt, wodurch der Landkreis Donau-Ries bayernweit beim VNP wohl weiterhin unter den Top-Ten rangiert.
Für die untere Naturschutzbehörde ist es wichtig festzuhalten, dass letztlich jeder Antrag, der in den Förderkulissen lag, angenommen und bewilligt werden konnte. Das ist nicht zuletzt der unproblematischen Zuweisung der Finanzmittel durch das zuständige Umweltministerium und die höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Schwaben zu verdanken. Hervorzuheben ist aber auch das Engagement der Fachkräfte der uNB im Landratsamt Donau-Ries, für die die

Bewältigung der hohen Antragszahlen ein echter Kraftakt war. Weiterhin zum Erfolg der aktuellen VNP-Runde maßgeblich beigetragen hat auch die sehr gute und kooperative Zusammenarbeit mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, durch die Probleme, Berichtigungen, Ergänzungen und sonstige Fragen schnell und unbürokratisch per Telefon oder E-Mail geklärt bzw. umgesetzt werden konnten. Bestens bewährt hat sich dabei auch die eingesetzte EDV-Technik, die ministeriumsübergreifend sekundenaktuell zur Verfügung steht und eine reibungslose Übertragung der Vereinbarungen in das landwirtschaftliche Datensystem ermöglichte.
Ausblick: Um für Neuanträge ab Januar 2021 wieder gut gerüstet zu sein, wird die Naturschutzbehörde eine entsprechende Vormerkliste von Bewerbern mit neuen Flächen führen. Landwirte, die sich angesprochen fühlen, können sich jederzeit nach Terminvereinbarung beraten lassen. So kann der finanzielle Mehrbedarf frühzeitig ermittelt und angemeldet werden. (pm)