7. Mai 2020, 09:17

Rettet die Kitze!

Ein Rehkitz. Bild: pixabay
Jedes Jahr wird die erste Mahd zur Todesfalle. Denn der erste Schnitt fällt mit der Brut- und Setzzeit von Rehkitzen, Junghasen und Wiesenbrütern zusammen, die insbesondere in Wiesen ihren Nachwuchs sicher wähnen. Ihre Überlebensstrategie, das „Drücken“, schützt Kitze und Junghasen vor Fuchs, Raben- und Greifvögeln, aber nicht vor dem Kreiselmähwerk.

Wenn die Bauern jetzt im Mai mit dem Wiesenschnitt beginnen, fallen den riesigen Maschinen jedes Jahr Abertausende Jungtiere zum Opfer. Diese werden „vermäht“ - grausam verstümmelt oder getötet. Die Jägervorstände des Jagdverbandes Donauwörth, Albert Reiner und Robert Oberfrank, skizzieren das Problem folgendermaßen: „Die Jungtiere haben keinen Fluchtinstinkt. Sie laufen auch bei großer Gefahr nicht weg, sondern drücken sich instinktiv in ihr Versteck. Maschinen mit großer Arbeitsbreite fahren oft mit hoher Geschwindigkeit über die Felder. Da haben die Tiere keine Chance mehr.“

„Landwirte und Jäger stehen gemeinsam in der Verantwortung, etwas gegen den Mähtod zu tun“, fährt Jägervorsitzender Oberfrank fort. „Die einen aus jagdethischer Verpflichtung heraus, die anderen von Gesetzes wegen. Wenn Bauern und Jäger partnerschaftlich zusammenarbeiten und die Landwirte ihre Jägerinnen und Jäger rechtzeitig vor dem Mähtermin informieren, haben diese die Möglichkeit, Wiesen und Felder nach Jungwild abzusuchen. So lässt sich der grausame Mähtod zu einem großen Teil verhindern. Sehr oft funktioniert diese Zusammenarbeit schon sehr gut“, weiß Albert Reiner.

Tierleid verhindern!

Auch die Landwirte sind sehr bemüht Unglücke zu verhindern – unnötiges Tierleid will keiner. Und sie haben ein juristisches Problem: Denn Sie verstoßen gegen das Tierschutzgesetz, wenn sie Jungtiere bei der Mahd verstümmeln oder töten, ohne im Vorfeld versucht zu haben, dies zu verhindern! Ihnen drohen hohe Strafen. Deshalb appelliert Jägervorsitzender Oberfrank an das Verantwortungsgefühl bei den Landwirten: „Effektive Wildtierrettung beginnt bereits vor der Mahd“, so der Vorsitzende. „Nur wenn die Landwirte die Mähtermine rechtzeitig mitteilen und abstimmen, hat der Jagdpächter die Möglichkeit, Wildscheuchen aufzustellen und die Wiesen und Felder nach Jungwild abzusuchen.“

Besonders gefährdet sind Wiesen und Futterflächen, die am Waldrand liegen. Dort sind die kleinen Rehe besser vor ihren Fressfeinden geschützt und Geiß und Kitz finden einen besonders üppig gedeckten Tisch. 

So können Landwirte den Mähtod verhindern

Auch die richtige Mähstrategie hilft. Beim Grünlandschnitt muss – so verlangt es das neue Artenschutzgesetz – die Wiese grundsätzlich von innen nach außen gemäht werden, damit Rehe, Hasen und Fasane während der Mahd noch die Möglichkeit zur Flucht haben. Auch die Schnitthöhe und eine angebrachte elektronische Wildscheuche am Mähwerk sind sehr erfolgsversprechend. Mehr gute Tipps gibt der Mäh-Knigge, den das Bayerische Landwirtschaftsministerium erstellt hat.

„Am wichtigsten aber“, so sind sich die beiden Jägervorstände Reiner und Oberfrank einig, „ist die gute Abstimmung zwischen dem Landwirt und seinem Jäger. Wir müssen es einfach rechtzeitig wissen, wann gemäht wird, nicht erst eine Stunde vor dem Mähen. Denn nur dann können auch wir rechtzeitig aktiv werden. Schließlich wollen wir doch alle vermeiden, dass Tiere grausam zu Tode kommen.“

Konventionelle Methoden nur begrenzt erfolgreich

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, den Rehen den Aufenthalt in der Wiese zu verleiden und sie dazu zu bringen, ihre Kitze herauszuholen. So stellen viele Jäger Scheuchen auf, die die Rehe dann verunsichern sollen. Noch besser funktionieren so genannte elektronische Wildscheuchen, die unterschiedliche Töne, wie Menschenstimmen, Musik oder Geräusche in unterschiedlicher Lautstärke aussenden.

Bedauerlicherweise sind konventionelle Methoden, wie das Ablaufen der Wiesen, das Absuchen der Flächen mit einem geeigneten Hund oder auch die geschilderten Vergrämungsmaßnahmen, nur begrenzt erfolgreich. Es werden immer noch viele Kitze und Jungtiere auf den teils riesigen Feld- und Wiesenschlägen übersehen. Inzwischen gibt es mit dem Einsatz von Drohnen aber die Möglichkeit, zumindest die Suche nach Kitzen effizienter und zuverlässiger durchzuführen.

Auch im Landkreis wird dies praktiziert. Der Förderverein Kitzrettung Wemding-Gosheim überfliegt mit Hilfe einer Drohne, die mit einer Wärmebildkamera und einem Bildübertragungssystem ausgestattet ist, betroffene Wiesen. Über die Wärmebildkamera können in den frühen Morgenstunden, bevor die Sonneneinstrahlung zu intensiv wird und den Boden erwärmt, die Kitze deutlich und zuverlässig erkannt werden. Hier können jeweils Streifen von bis zu circa 60 Metern Breite zügig abgesucht werden, an einem Morgen bis zu circa 30 bis 40 Hektar. Die Jungtiere auf den Wiesen werden so schnell gefunden und geborgen. Das Ganze hat aber einen stolzen Preis und somit seine Grenzen: Der Systempreis pro Drohne beträgt je nach Ausführung inklusive Zusatzakkus und Zubehör zwischen 9.000 und 12.000 Euro. (pm)