Stadtmuseum Nördlingen

„Geschichte erblicken!“ 3400 Jahre altes Bronzeschwert in Nördlingen präsentiert

Das Bronzeschwert und der Eberzahn sowie weitere Funde aus der Begräbnisstätte werden in der Bronzezeitausstellung des Nördlinger Stadtmuseums präsentiert. Bild: Manuel Habermeier
Vor einigen Jahren wurde eine bedeutende Begräbnisstätte in Nördlingen entdeckt. Nun wurden die Funde im Nördlinger Stadtmuseum der Öffentlichkeit präsentiert, darunter ein 3400 Jahre altes Bronzeschwert.

Am Mittwoch öffnete das Nördlinger Stadtmuseum seine Pforten für ein besonderes Ereignis. Drei Jahre nach dem Fund einer Begräbnisstätte auf einer Baustelle von Döderlein Immobilien wurden die Funde erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das Highlight bildet ein 3400 Jahre altes Bronzeschwert.

Dementsprechend begeistert zeigte sich auch Nördlingens Oberbürgermeister David Wittner. „Es gibt Momente in denen Geschichte ganz nahe rückt und es gibt Momente, wo wir Geschichte erblicken. So einen Moment erleben wir heute“, beschrieb er die Bedeutung des Fundes.

Wie bedeutsam der Fund gewesen sei, beweise nicht nur die internationale Aufmerksamkeit – selbst die Presseagentur AP und CNN hatten darüber berichtet -, sondern auch der Aufwand, mit dem die Untersuchungen und Restaurierung stattgefunden hatten. Unter anderem wurde eine Untersuchungsmethode verwendet, die auch bei der Himmelsscheibe von Nebra zum Tragen kam. Seit 2013 gehört die Himmelsscheibe zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.

Das macht das Nördlinger Schwert so besonders

In der Vitrine wird die Fundsituation der Begräbnisstätte dargestellt. Bild: Manuel Habermeier

Das gefundene Achtkantschwert hat eine Länge von 66 cm, wobei 11 cm auf den Griff entfallen. Wie Dr. Viktoria Färber vom Stadtmuseum im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte, sind aktuell rund 290 solcher Schwerter bekannt, welche vor allem in Süddeutschland und Nordeuropa verbreitet sind. „Wahrscheinlich wurde es in Süddeutschland hergestellt. Das zeigt, wie mobil Krieger und Händler in der damaligen Zeit bereits waren.“

Das Nördlinger Exemplar nimmt unter den bisher bekannten Achtkantschwertern eine besondere Stellung ein. Beim Großteil der Schwerter handelt es sich um Einzelfunde, das Nördlinger Bronzeschwert ermögliche durch den Kontext der Begräbnisstätte jedoch einen enormen Wissensgewinn. Insgesamt befanden sich drei Personen in dem Grab. Das Schwert war in den linken Arm des Bestatteten gelegt. Der Griff befand sich auf Schulterhöhe, während die Schwertspitze auf Höhe der linken Hand lag.

Die Beigaben und die Grabsitutation zeugen dabei von der herausgestellten gesellschaftlichen Position, wie Dr. Färber weiter betonte. Zudem wies sie auf einen auf den ersten Blick unauffällig scheinenden Eberzahn hin, der ebenfalls dem Grab beigegeben wurde. Dieser ist ein weiterer Beweis für die enorme Mobilität zu dieser Zeit, da eine Verbindung zur mykenischen Kultur aufgezeigt wird. Bereits in der Ilias von Homer wird ausführlich der Eberzahnhelm des Odysseus beschrieben.

Das Stadtmuseum Nördlingen ist der richtige Ort

Ausgestellt werden die Funde nun im Rahmen der Bronzezeitausstellung im Nördlinger Stadtmuseum, die dafür ebenfalls komplett modernisiert wurde. Finanziert wurde das unter anderem durch den Historischen Verein über eine Spende von Dr. Manfred Woidich, der zusammen mit Dr. Havas die Ausgrabung leitete.

Dass das Schwert im Nördlinger Stadtmuseum gezeigt wird, ist der Eigentümerfamilie Mayer zu verdanken. „Da gehört es hin und bleibt so in der Nähe seines ehemaligen Besitzers“, erklärte Valesca Mayer die Entscheidung. Dem konnte David Wittner nur beipflichten: „Das Stadtmuseum ist der richtige Ort, da es nicht nur die Geschichte der Stadt, sondern des Rieses erzählt – einem Kultur- und Siedlungsraum seit Tausenden von Jahren.“

Redakteur. Unterwegs für blättle und online. Geboren in Augsburg ist er über Freiburg, Wien und München endlich im schönen Donau-Ries angekommen. Hier hat er besonders die Themen Kunst, Kultur, Geschichte und Sport im Blick.

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