Geschichte

Von der Provinz zum Römischen Reich: Sonderausstellung in Oettingen

Dieses Gesichtsgefäß wurde in rund zwei Jahren aufwändig rekonstruiert. Bild: Nina Seefried
Die Bedeutung des Römischen Reichs geht weit über das Militärische hinaus. Nicht zuletzt hat diese Zeit bis heute Spuren hinterlassen. Diese zeigt das Heimatmuseum Oettingen mit einer Sonderausstellung.

Ab dem 10. Mai steht im Heimatmuseum Oettingen alles im Zeichen des römischen Adlers. Mit der Sonderausstellung ‚Imperium im Kleinen – Das römische Oettingen und sein Umfeld‘ wolle man zeigen, „wie man sich das römische Leben in der Provinz vorstellen kann“, erklärte Museumsleiterin Barbara Heinrich im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dafür werden über 700 Fragmente und Gegenstände präsentiert, die aus unterschiedlichen Lebensbereichen stammen. Dabei handelt es sich um Sammlungen von sieben Feldgehern sowie Leihobjekten der Archäologischen Staatssammlung München, dem Stadtmuseum Nördlingen und dem Archäologischen Museum Gunzenhausen. Dazu kommen Stücke aus der Sammlung des Heimatmuseums Oettingen. Der Gedanke für die Sammlung kam bereits vor rund zwei Jahren auf, als Feldgeher Werner Paa seine Sammlung dem Heimatmuseum überließ.

Eine Illustration des römischen Militärlagers Losodica bei Munningen von Peter Anders. Bild: Nina Seefried

Raetien – das Leben in der römischen Provinz

Das Ergebnis ist nun eine Sonderausstellung, die von Barbara Heinrich, Peter Anders und Zoltan Havas organisiert und erarbeitet wurde. Insgesamt verteilen sich die Ausstellungsstücke auf drei Räume, die jeweils einen thematischen Zusammenhang haben. „Der Aufbau der Ausstellung ist wie ein Buch oder eine Fachzeitschrift“, erläuterte Peter Anders und fügte hinzu: „Wir haben aufs Lesen gesetzt.“

Abgebildet wird die Zeit vom 1. Jahrhundert vor Christus bis etwa Mitte des vierten Jahrhunderts nach Christus. Der Fokus liegt klar auf dem Leben in der Provinz mit dem Militärkastell Losodica bei Munningen sowie den über das Ries verstreuten Bauernhöfen der Römer. Aus kleinen Fundstücken – teils nur Fragmente von größeren Objekten – wird so die Verbindung der Provinz zu Rom und die Eingebundenheit in das römische Imperium aufgezeigt.

Kleine Stücke erzählen große Geschichte

Scherben von sogenannter Raetischer Ware aus der Römerzeit. Bild: Nina Seefried

Barbara Heinrich: „Wir haben versucht, passende Gegenstände zu den Fragmenten zu finden. Damit erzählen wir dann vom Fragment aus das große Ganze und von der Provinz aus über das Reich.“ So will man den Besuchern dann zusammen mit archäologischen Erkenntnissen erstmals ein komplexes Bild des römischen Oettingens vermitteln.

Unter den Ausstellungsstücken befinden sich auch echte Highlights, wie etwa ein Gesichtsgefäß. Mithilfe von Fragmenten wurde das Gefäß zwei Jahr lang komplett rekonstruiert und gibt nun einen spannenden Einblick in römische Bestattungsbräuche. Zudem wird anhand der Raetischen Ware aufgezeigt, wie auch Provinzen Einfluss auf die Entwicklung im Römischen Reich nehmen konnten. Diese in der Region entwickelte Form der Gebrauchskeramik erfreute sich großer Beliebtheit und wurde ein Exportschlager, der später auch in anderen Reichsteilen kopiert wurde.

Die Sonderausstellung ist auch für Schulklassen geeignet. Erste Anmeldungen habe es bereits gegeben, zeigt sich Barbara Heinrich mit der Resonanz zufrieden. Die Klassen erwartet eine 45-minütige Führung, die auf die Wünsche der einzelnen Klassen abgestimmt wird.

Begleitet wird die Sonderausstellung von mehreren über das Jahr verteilte Veranstaltungen.

Die Sonderausstellung ist vom 10. Mai 2026 bis 6. Januar 2027 im Heimatmuseum Oettingen zu den üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen.

Informationen zu den Veranstaltungen sind der Seite des Heimatmuseums zu entnehmen.

Redakteur. Unterwegs für blättle und online. Geboren in Augsburg ist er über Freiburg, Wien und München endlich im schönen Donau-Ries angekommen. Hier hat er besonders die Themen Kunst, Kultur, Geschichte und Sport im Blick.

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