Wettkampf

Rieser Athleten meistern legendäres Ultra Trail-Rennen

Der Valmalenco Ultra Trail gehört zu den anspruchsvollsten Ultra Trail-Rennen in den Alpen. Bild: Endupix
Beim legendären Valmalenco Ultra Trail in der Lombardei nahmen in diesem Jahr auch zwei Rieser Athleten teil. Insgesamt waren sie fast 24 Stunden unterwegs, konnten die Herausforderung aber meistern.

Wenn Ende Juli Europas Trailrunning-Elite zusammenkommt, geht es nicht nur um Zeiten oder Platzierungen. Es geht um Abenteuer, Grenzerfahrungen und den Traum, einige der härtesten Ultratrails des Kontinents zu bezwingen. Neben dem Großglockner Ultra-Trail in Österreich und dem Eiger Ultra Trail in der Schweiz zählt auch der Valmalenco Ultra Trail in der italienischen Lombardei zu diesen legendären Rennen.

Nicole Fischer und Matthias Stelzle stellten sich nach vielfältigen Ultra Trail Erfahrungen in den vergangenen Jahren heuer erneut einer außergewöhnlichen Herausforderung. Rund 90 Kilometer und 6.400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg warteten auf die beiden Rieser – eine Strecke, die unter Trailrunnern als einer der technisch anspruchsvollsten Ultratrails Europas gilt.

Monatelang arbeiteten sie auf diesen Moment hin. Neben zahlreichen Laufeinheiten in der Heimat waren intensive Trainingseinheiten im Rieser Kraftwerk sowie unzählige Stunden in den Bergen der Schlüssel zur Form. Ein Trainingslager in Südtirol während der Pfingstferien leitete die heiße Vorbereitungsphase ein. Anspruchsvolle Touren auf den Hochvogel über Schrecksee und Jubiläumsweg sowie der Lauf über das Reintal auf die Zugspitze und zurück nach Garmisch-Partenkirchen gaben das nötige Selbstvertrauen für das große Ziel.

Zwei Rieser unter Hunderten Läufern

Als am 24. Juli um 22 Uhr in Chiesa in Valmalenco der Startschuss fiel, lag eine besondere Spannung in der Luft. Hunderte Läufer standen bereit, begleitet von den leidenschaftlichen italienischen Fans. Ein Teufelsgeiger, harte Technobeats und ein spektakuläres Feuerwerk sorgten für Gänsehautmomente – bevor die Nacht die Athleten verschluckte. Schon nach den ersten Kilometern zeigte der Valmalenco Ultra Trail sein wahres Gesicht. Die Anstiege waren gnadenlos steil, die Abstiege nicht minder fordernd. Jeder Höhenmeter musste hart erarbeitet werden. Mit jeder Stunde wurde aus einem Trailrun mehr und mehr ein hochalpines Abenteuer.

Besonders der Anstieg zum Passo Ventina auf rund 2.700 Metern Höhe verlangte den Läufern alles ab. Zwischen riesigen Felsblöcken, im ersten Licht des Morgens, mussten sie sich ihren Weg suchen. Konzentration, Trittsicherheit und Erfahrung waren nun wichtiger als Geschwindigkeit.

Klettersteigpassagen mit Stahlketten, schmale Waldpfade und spektakuläre Höhenwege mit freiem Blick auf die vergletscherten Gipfel der Berninagruppe wechselten sich ab. Trotz aller Strapazen blieb immer wieder Zeit, die überwältigende Schönheit dieser Bergwelt in sich aufzunehmen.

Frenetischer Applaus der Zuschauer

An der Drop-Bag-Station bei Kilometer 54 in Chiareggio trafen Fischer und Stelzle auf den erfahrenen deutschen Ultraläufer Frank Maier. Gemeinsam machten sich die einzigen deutschen Teilnehmer auf den zweiten, noch härteren Teil der Strecke. Die letzten Stunden wurden zu einem Kampf gegen die Erschöpfung. Über das Rifugio Del Grande Camerini und das Rifugio Longoni führte der Weg weiter zur Motta-Hütte. Doch selbst danach wartete im Wald noch ein letzter, kräftezehrender Anstieg mit rund 400 Höhenmetern – eine letzte Prüfung für Körper und Kopf.

Als schließlich Caspoggio erreicht war, verwandelte sich die Anstrengung in pure Freude. Hunderte Zuschauer säumten die Straßen und trugen jeden einzelnen Läufer mit lautstarken „Dai, Dai!“, „Forza!“ und „Bravi!“ förmlich ins Ziel. Diese Begeisterung war während des gesamten Rennens spürbar und machte den Valmalenco Ultra Trail zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Nach 23 Stunden und 45 Minuten erreichten Nicole Fischer und Matthias Stelzle um 21.45 Uhr erschöpft, aber überglücklich das Ziel. Hinter ihnen lagen fast 24 Stunden voller Schmerzen, Zweifel, unvergesslicher Naturerlebnisse und großer Emotionen.

Mit ihrem erfolgreichen Finish bewiesen die beiden Rieser einmal mehr, dass Leidenschaft, Disziplin und Teamgeist selbst die größten Herausforderungen in den Bergen möglich machen. Ein Erlebnis, das sie noch lange begleiten wird. (dra)