Ergebnispräsentation

Bloß keine Fußgängerzone! Vorstellung der Oettinger Verkehrsuntersuchung

Oettingen Schlossstraße Bild: Manuel Habermeier
Nach einer Verkehrsuntersuchung im Juni wurden nun die Ergebnisse vorgestellt. Zwei Varianten erscheinen dabei möglich, von einer Fußgängerzone rät der Experte dringend ab.

Am Dienstag versammelten sich rund 30 Interessierte im Großen Sitzungssaal im Oettinger Rathaus, um sich die Vorstellung der Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung anzusehen. Im Anschluss stellte Dipl.-Ing. (FH) Reiner Neumann, Geschäftsführer von Modus Consult GmbH aus Ulm, die Ergebnisse auch im Stadtrat vor.

Die wichtigste Erkenntnis war, dass laut Neumann die Stadt Oettingen aus verkehrsplanerischer Sicht gute Voraussetzungen hat, um Spielraum für die innerstädtische Stadtentwicklung zu schaffen. Die Untersuchung vom 16. Juni 2026 ergab demnach, dass in der Innenstadt Durchgangsverkehr und Schwerverkehr keine Rolle mehr spielen. Das sah bei einer Untersuchung im Jahr 2008, deren Ergebnisse 2009 vorgestellt wurden, noch anders aus. Damals gab es noch keine verkehrsberuhigte Zone in der Innenstadt, demnach herrschte ein Verkehrsaufkommen von rund 9.000 Kfz pro Tag.

Innenstadtverkehr seit der letzten Untersuchung halbiert

Durch geschwindigkeitsdämpfende Maßnahmen wie etwa Tempo 20 konnte man das bis heute mehr oder weniger halbieren. Im Süden wurden diesmal in der Schlossstraße 2.400 Kfz gezählt, am Marktplatz waren es noch 2.000. Im Vergleich dazu wurden am Schlossbuck 5.800 gezählt, auf der B466 waren es 10.400. Der Großteil des Verkehrs fällt dabei auf Spitzenzeiten morgens, mittags und abends. Hier kann man laut Neumann mit jeweils rund zehn Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens rechnen. Im Vergleich dazu waren es 2009 noch 9.000 Fahrzeuge pro Tag auf der Umgehungsstraße, der Großteil des Durchgangsverkehrs wurde nun auf die B466 verdrängt.

Zwei Varianten vorgestellt, aber keine Fußgängerzone

Schlussendlich kristallisierten sich für Neumann im Rahmen der Untersuchung zwei Varianten heraus. Eine Fußgängerzone war nicht darunter. „Macht das bitte nicht. Da bleiben die Kunden weg“, wurde er deutlich. Damit traf er auch den Nerv der Geschäftsleute vor Ort, die an der Sitzung teilnahmen. In der anschließenden Fragerunde sprachen sich diese vehement gegen eine dauerhafte Schließung aus, da diese Umsatzeinbußen und somit ein allmähliches Sterben der Innenstadt bedeuten würden. Für Neumann käme eine Schließung der Innenstadt aus verkehrsplanerischer Sicht heraus nur infrage, wenn sie kurzzeitig und im Verbund mit besonderen Veranstaltungen oder Aktionen wären.

Variante eins, die der Experte vorschlug, beruht auf einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 20. Rund 800 Fahrzeuge würden dadurch verdrängt werden – zum Teil in die Hofgasse, Manggasse und Schulgasse, die das aber verkraften würden. „Die Frage ist: Bringt das den großen Benefit?“, gab Neumann jedoch zu bedenken.

Verkehrsexperte rät zu Variante zwei mit Einbahnstraße

Er bevorzugt daher Variante zwei: eine Einbahnstraße in Nord-Süd-Richtung durch die Innenstadt. In Gegenrichtung würde der Verkehr über die Hofgasse, Manggasse und Schulgasse geführt. Auf der Einbahnstraße am Marktplatz vorbei würden dann rund 1.500 Fahrzeuge verbleiben. „In den Spitzen mehr, in den verkehrsschwachen Zeiten deutlich weniger. Und in den Gassen würde es auch funktionieren“, ist Neumann sicher. „Das wäre der konzeptionelle Benefit in puncto Marktplatz, wo man dann planungstechnisch was machen könnte.“

Grundsätzlich sprach sich Neumann für einen Ideenwettbewerb aus, der auf der Verkehrsuntersuchung basierend die Innenstadt neu plant. Dabei weist er vor allem auch auf die Bedürfnisse von Radfahrern hin, da diese in Oettingen eine große Rolle spielen. Speziell geeignete Abstellmöglichkeiten seien hier zu bedenken. Auch die Parkplatzregelung könne dann angegangen werden. „Für eine Stadt dieser Größenordnung gibt es ein gutes Parkplatzangebot“, stellte er klar, fügte aber auch hinzu: „Es benötigt gerade für Auswärtige eine bessere Orientierung.“ Dies solle allerdings erst nach der Innenstadtgestaltung angegangen werden.

Redakteur. Unterwegs für blättle und online. Geboren in Augsburg ist er über Freiburg, Wien und München endlich im schönen Donau-Ries angekommen. Hier hat er besonders die Themen Kunst, Kultur, Geschichte und Sport im Blick.

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