25. März 2019, 12:57

Wer will ins Donauwörther Rathaus?

Ab 2020 werden 30 Stadträte im Sitzungssaal des Donauwörther Rathauses Platz nehmen. Bild: Matthias Stark
Nach der Ankündigung von Armin Neudert (CSU) ist klar: Donauwörth bekommt 2020 einen neuen Oberbürgermeister. Bisher hat nur Michael Bosse (FW/PWG) seine Kandidatur erklärt. Wie die anderen Parteien nun reagieren und wer sonst kandidieren könnte

Die Nachricht schlug am Montagvormittag ein wie eine Bombe. Am Sonntagabend verkündete Armin Neudert im Ortsvorstand der CSU, dass er für eine vierte Amtszeit nicht kandidieren möchte.

„Die CSU Donauwörth bedankt sich sehr herzlich bei Oberbürgermeister Armin Neudert für sein überaus verdienstvolles Wirken zum Wohle der Stadt Donauwörth. Er hat über drei Wahlperioden und damit 18 Jahre eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe wahrgenommen und bewerkstelligt, was höchsten Respekt und größte Anerkennung verdient", erklärt Wolfgang Fackler, Vorsitzender des CSU Ortsverbands Donauwörth in einer Stellungnahme. Scheinbar wurden auch seine Parteikollegen von Neuderts Rückzug überrascht. „Die CSU Donauwörth hat deshalb Verständnis für die überraschende Entscheidung von OB Neudert, bei den Kommunalwahlen 2020 nicht wieder anzutreten", heißt es in dem Statement weiter.

Die Partei gibt sich jedoch kämpferisch: „Die CSU Donauwörth wird als Nachfolger einen kompetenten, verlässlichen und engagierten OB-Kandidaten für die Kommunalwahl 2020 ins Rennen schicken. Einigkeit und Geschlossenheit ist uns dabei sehr wichtig, denn auch diese Entscheidung wird verantwortungsvoll im Sinne einer weitsichtigen politischen Strategie getroffen.“ Nach unseren Informationen trifft sich der Ortsvorstand am kommenden Sonntagabend erneut, um über die Kandidatensuche zu beraten. Auch der Kreisvorsitzende der CSU, Ulrich Lange, äußert sich zur Entscheidung von Armin Neudert: „Ich habe Verständnis für die persönliche Entscheidung von Armin Neudert. Nach 18 Jahren erfolgreicher Politik als Oberbürgermeister für seine Heimatstadt Donauwörth ist dieser Schritt für mich zwar überraschend, aber durchaus nachvollziehbar. Ich möchte Ihm auch im Namen der Kreis-CSU herzlichst für seine sehr gute Arbeit danken. Ich bin sicher, dass der Ortsverband Donauwörth ein gutes Angebot für die Bürgerinnen und Bürger machen wird, um die Entwicklung der Stadt auch weiterhin tatkräftig voranzutreiben.“

Michael Bosse reagiert überrascht

Armin Neuderts bisheriger Gegenkandidat, Michael Bosse reagierte überrascht auf den Rückzug. „Ich habe fest mit einer weiteren Kandidatur von Neudert gerechnet“, so der Kandidat der Freien Wähler. „Das ändert aber nichts an unserer Marschroute. Meine Partei und ich wollen Alternativen für Donauwörth aufbauen.“ Er rechnet nun mit mehreren Gegenkandidaten. Diese werden sich aber schwerer tun, meint Bosse. „Wir sind seit zwei Jahren in den Planungen und Vorbereitungen meiner Kandidatur. Deshalb haben wir sicher einen gewissen Vorsprung gegenüber anderen Kandidaten, die nun aus der Vakanz Profit schlagen wollen", so Bosse abschließend, der jetzt einem spannenden Wahlkampf erwartet. 

Parteien beraten sich

2002 war Josef Reichensberger (JB/AL) gegen Armin Neudert im Kampf um das Donauwörther Rathaus unterlegen. Reichensberger sitzt auch heute noch im Stadtrat und ist Kreisrat. „Ich würde mir den Posten als Oberbürgermeister – wie auch schon 2002 – natürlich zutrauen“, so der Riedlinger. „Allerdings bin ich nun 60 Jahre alt und deshalb schließe ich eine Kandidatur als OB aus", erklärt er weiter. Für den Stadtrat will er dennoch kandidieren

Neuderts letzter Gegenkandidat war Thomas Krepkowski (Grüne). Aus dem Stand holte er 2014 knapp 30 Prozent der Stimmen. „Wir Stadträte wurden heute Morgen von Armin Neudert per E-Mail informiert. Bisher haben wir Grüne keine Entscheidung bezüglich eines Kandidaten getroffen", sagt Krepkowski. Seine Partei will sich mit der neuen Situation beschäftigen und im Ortsvorstand darüber sprechen.

Immer wieder wird auch Peter Moll (SPD) als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters genannt. „Ich habe mich aber gegen eine Kandidatur entschieden", so der Stadt- und Kreisrat. „Daran ändert auch die neue Situation nichts", erklärt Moll weiter. Im SPD-Ortsvorstand werden nun verschiedene Optionen geprüft. „Natürlich würden wir gerne einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufstellen. Darum treffen wir uns am Mittwoch, um über die aktuelle Situation zu beraten", so Moll abschließend.

Wen stellt die CSU auf?

„Nach 18 Jahren möchte ich einen Generationenwechsel einleiten. Es ist gut, jung anzufangen", endet Armin Neuderts Statement zu seinem Verzicht auf eine vierte Amtszeit. Es deutet also alles darauf hin, dass ein junger Politiker oder eine junge Politikerin für die CSU das Donauwörther Rathaus halten soll. Einer der jungen Politker der Donauwörther CSU ist der Riedlinger Franz Ost. Als Kreisrat hat er bereits kommunalpolitische Erfahrung gesammelt, außerdem stand er auf der CSU-Liste für die Landtagswahl. Ein möglicher Oberbürgermeister? Er winkt ab. „Ich stehe für das Amt als Oberbürgermeister nicht zur Verfügung", so Ost. Bei der letzten Landtagswahl erreichte er als Listenkandidat ein sehr gutes Ergebnis und wäre der nächste Nachrücker für die CSU, falls einer der Landtagsabgeordneten ausscheidet. 

Joachim Fackler gehört ebenfalls zur jungen Generation im Ortsverband. Er kandidiert im Mai bei der Europawahl. Im CSU-Stadtrat sitzt mit Jonathan Schädle ebenfalls ein junges Gesicht. Möglicherweise steht im März 2020 einer dieser beiden Namen auf dem Wahlzettel oder der Ortsverband zaubert einen ganz anderen Kandidaten aus dem Hut.