7. Oktober 2019, 10:02

Bundeskongress der Frauenlisten tagt in Wemding und ruft nach Parität

Bild: Regina Thum-Ziegler
Alle zwei Jahre treffen sich die kommunalen Frauenlisten zu ihrem traditionellen Bundeskongress. Er findet dieses Mal schon zum 30. Mal statt und zwar vom Freitag, 11. bis Sonntag, 13. Oktober in Wemding.

Erwartet werden zahlreiche Frauenlistenvertreterinnen aus Brandenburg, Baden-Württemberg und Bayern. Sehr gerne ist die Wemdinger Frauenliste Ausrichterin und Gastgeberin dieses besonderen Jubiläumskongresses geworden, sagt die amtierende Stadträtin und Frauenreferentin Carina Roßkopf, die die Zusage nach Rücksprache mit ihren Mitstreiterinnen beim letzten Kongress vor zwei Jahren in Horb gemacht hatte. Schon seit Monaten bereitet die Gruppe um die beiden Stadträtinnen Diana Waimann und Carina Roßkopf auf Hochtouren dieses frauenpolitische Event vor und freut sich, dass ihre Heimatstadt in dieser Zeit zum Zentrum der bundesweiten Frauenlistenbewegung avanciert. Diese demonstriert schon seit den 70er Jahren eindrucksvoll, wie gesellschaftspolitisch wichtig es immer noch ist, viele kompetente und engagierte Frauen - auch ohne parteipolitische Bindung - in die politischen Gremien zu bekommen. Die Wemdinger Frauenliste selbst gibt es seit 1995 und bereichert anfangs mit einer Stadträtin, seit 2002 mit zwei Stadträtinnen den Wemdinger Stadtrat. Bei 85 Prozent Männeranteil ist deren weiblicher Blick auch umso wichtiger, meint die Fraktionsvorsitzende Diana Waimann. Der Frauenanteil lasse in den Gremien auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts immer noch sehr zu wünschen übrig. Daher auch ihr Appell an die Frauen: Mischen Sie sich in die Geschicke Ihrer Stadt ein! Kandidieren Sie und nutzen Sie die nächste Chance bei den Kommunalwahlen März 2020!

Tagungsort ist das Historische Rathaus in Wemding, in dem auch schon der Landesverband Frauenlisten Bayern im Jahre 1998 gegründet wurde. Am Freitagabend ist Anreise mit einem geselligen Abend und Berichten aus den einzelnen Frauenlisten.

Der Samstagvormittag steht ganz unter dem Zeichen der Geschlechterparität in politischen Gremien. Die Frauenlisten fordern: Parité jetzt! und unterstützen die juristischen Bestrebungen, die Wahlgesetze so zu verändern, dass die Geschlechterparität automatisch entsteht. Unter der Mitarbeit der Vorsitzenden des Landesverbands Frauenlisten Bayern e.V. , der Wemdinger Kreisrätin Regina Thum-Ziegler, hat sich vor fünf Jahren das bayernweite Aktionsbündnis Parité gegründet und mit seiner Popularklage im November 2016 einen juristischen Meilenstein gesetzt. Die Klage wurde zwar einstimmig vom Bayerischen Verfassungsgerichtshof abgewiesen, das eröffnete aber im Mai 2018 den weiteren Weg durch die Instanzen. Eine Verfassungsbeschwerde wurde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, deren Ergebnis mit Ungeduld erwartet wird. Die Verfahrensbevollmächtigte des Aktionsbündnisses Prof. Dr. Silke Laskowski wird einen aktuellen Überblick über die diversen neuen Paritätsgesetze z.B. in Thüringen und Brandenburg und einen Ausblick auf die Umsetzung auf Kommunal-, Bundes- und Europaebene geben.

Am Nachmittag wird die 2018 in den Landtag gewählte junge Grüne- Landtagsabgeordnete und frauenpolitische Sprecherin Eva Lettenbauer einen persönlichen Blick auf das Thema „Frauen in der Politik“ werfen. Danach befassen sich die Kommunalpolitikerinnen mit den Auswirkungen des 2017 in Kraft getretenen neuen Prostitutionsschutzgesetzes. Als Referentin konnte Linda Greiter von Solwodi Augsburg gewonnen werden.

Anschließend bekommen die Gäste im Rahmen einer Stadtführung einen kleinen Eindruck von der mittelalterlichen Kleinstadt Wemding.

Am Abend wollen die Frauenlisten-Frauen ihr denkwürdiges Jubiläum mit der Rieser Frauenband Shalamazl gebührend feiern. Zum Ausklang des Bundeskongresses können die Frauen am Sonntagvormittag noch das für die Region außergewöhnliche KunstMuseum Donau-Ries unter der Führung von Museumsleiterin und Künstlerin Annette Steinacker-Holst besichtigen, um dann wieder gestärkt und mit frischem Elan daheim ihre vielfältigen kommunalpolitischen Aufgaben anzupacken. (pm)