Wettkampf

Triathlon-Drama in Lübeck: Harburger Nachwuchs kämpft sich durch turbulente Deutsche Meisterschaft

Auf dem Bild zu sehen (von links): Nina Mayer, Giulia Göttler, Joel Westphal, Luca Schreitmüller. Bild: Lennart Walter
Was als Saisonhöhepunkt für die besten deutschen Nachwuchstriathleten geplant war, entwickelte sich am 14. Juni beim „7‑Türme‑Triathlon“ in Lübeck zu einem sportlich hochklassigen, jedoch überschatteten Wettkampftag.

Mitten im Geschehen der Deutschen Meisterschaft in Lübeck: vier junge Athletinnen und Athleten des TSV Harburg, die sich auf nationaler Bühne eindrucksvoll präsentierten – und doch mit gemischten Gefühlen die Heimreise antreten mussten.

Bereits am frühen Morgen begann der Wettkampf in der kühlen Wakenitz. Bei gerade einmal 16 Grad Wassertemperatur war das Tragen eines Neoprenanzugs Pflicht, bevor sich die besten Talente aus ganz Deutschland ins Wasser stürzten. Der 7‑Türme‑Triathlon zählt zu den wichtigsten Stationen der Nachwuchsserie der Deutschen Triathlon. Union und war 2026 Austragungsort der Deutschen Meisterschaften für Jugend und Junioren.

Abbruch sorgt für Chaos – Entscheidung vertagt

Nach starken Leistungen in den ersten Disziplinen kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall: In einem vorangegangenen Rennen stürzten auf nasser Fahrbahn mehrere Athleten schwer. Die Konsequenz: Das Rennen der weiblichen Jugend A sowie der Juniorinnen wurde aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Eine reguläre Wertung war damit für Giulia Göttler und Nina Mayer nicht mehr möglich.

Besonders bitter: Neben den deutschen Meistertiteln stand in dieser Altersklasse auch ein begehrtes Ticket für die Youth Olympic Games am 6. November 2026 in Dakar (Senegal) auf dem Spiel. Dieses kann jedoch nur von ganz wenigen Athletinnen erkämpft werden – denn Voraussetzung ist die Teilnahme an der Jugend-Europameisterschaft 2025 in Kitzbühel. Dadurch verbleiben lediglich drei Starterinnen im Rennen um das Ticket: Josefine Doseth (Bayern), Paula Huth (Mecklenburg-Vorpommern) und Nina Mayer vom TSV Harburg.

Für die Harburgerin eröffnet sich damit eine große Chance: Trotz des Rennabbruchs ist für sie der Traum von den Olympischen Jugendspielen weiterhin greifbar. Die endgültige Entscheidung fällt nun beim Nachholrennen am 27. Juni in Jena.

Giulia Göttler: Aufholjagd jäh gestoppt

Besonders bitter verlief der Wettkampf für Giulia Göttler. Nach einem intensiven Positionskampf im Wasser fand sie sich zunächst in der Verfolgergruppe wieder. Doch auf dem Rad zeigte sie ihre Stärke: Gemeinsam mit einer bayerischen Teamkollegin schloss sie die Lücke zur Spitzengruppe.

Ein Rennen mit vielversprechendem Verlauf – bis zum abrupten Abbruch. Zu diesem Zeitpunkt war das Feld noch eng zusammen, vieles deutete auf ein spannendes Finish hin. Nun richtet sich der Fokus auch für sie auf die Neuauflage in Jena.

Luca Schreitmüller: Kämpfer trotz Handicap

Ein starkes Zeichen setzte Luca Schreitmüller. Im Schwimmen zeigte er sich verbessert, konnte jedoch nicht ganz zur Spitze aufschließen. Auf dem Rad wuchs der Rückstand durch fehlende Zusammenarbeit in der Gruppe.

Beim Lauf machte sich schließlich eine hartnäckige Mittelfußverletzung bemerkbar, die ihm in den Wochen zuvor kaum Training ermöglicht hatte. Trotz Schmerzen kämpfte sich Schreitmüller ins Ziel – ein Ausstieg kam für ihn nicht infrage. Am Ende belegte er Platz 39.

Joel Westphal: Solide Leistung mit Luft nach oben

Auch Joel Westphal hatte zunächst Schwierigkeiten, sich im Wasser zu positionieren. Die hohe Intensität machte sich auf den ersten Radkilometern bemerkbar, sodass er die zweite Gruppe knapp verpasste.

Im weiteren Rennverlauf fand er jedoch seinen Rhythmus und absolvierte einen soliden Wettkampf mit einem ordentlichen Lauf zum Abschluss. Platz 45 bedeutete dennoch nicht die erhoffte Platzierung: „Ich bin nicht zufrieden“, lautete sein ehrliches Fazit.

Blick nach vorn

Trotz der außergewöhnlichen Umstände haben die vier Harburger Athleten bewiesen, dass sie auf nationaler Ebene konkurrenzfähig sind. Der Blick richtet sich nun nach Jena, wo die Entscheidungen unter fairen Bedingungen nachgeholt werden sollen.

Besonders für Nina Mayer und Giulia Göttler geht es dabei um viel: um den deutschen Meistertitel – und im Fall von Nina sogar um den Traum von den Youth Olympic Games.

Der TSV Harburg wird beide Athletinnen auf diesem Weg weiterhin unterstützen – und fest die Daumen drücken. (dra)