Es sind nur wenige Meter, die die neue Donaubrücke bei Marxheim am Mittwochmorgen von ihrem eigentlichen Ziel trennen. Rund 50 Meter liegen zwischen der vorderen Kante der fertiggestellten Stahlkonstruktion und dem Ufer der Donau. Was auf den ersten Blick nach einer kurzen Strecke aussieht, ist allerdings ein aufwendiges technisches Verfahren. Über vier Stunden dauerte am Mittwochvormittag der Prozess, ehe die rund 900 Tonnen schwere Stahlkonstruktion ihre vorgesehene Position erreichte.
Am Donnerstag wird es dann ernst: Die neue Netzwerkbogenbrücke soll über die Donau eingeschwommen werden. Das Verfahren ist auch für das Staatliche Bauamt Augsburg etwas Besonderes. Erstmals kommt ein solcher Einschwimmvorgang im Amtsgebiet zum Einsatz. Damit die Konstruktion überhaupt auf dem Wasser bewegt werden kann, wurde in den vergangenen Tagen einiges vorbereitet. Die Brücke wird an ihren beiden späteren Lagerpunkten angehoben. Während das südliche Ende auf einem selbstfahrenden Schwerlastfahrzeug steht, wird das nördliche Ende auf ein eigens dafür zusammengestelltes Schwimmponton gesetzt.
Dieses besteht aus insgesamt 15 einzelnen Pontons, die zu einer rund 12 mal 36 Meter großen Plattform verbunden wurden. Das Ponton selbst bringt etwa 400 Tonnen auf die Waage. Zusätzlich muss es rund 450 Tonnen des Brückengewichts tragen. Insgesamt liegen damit auf der schwimmenden Konstruktion rund 850 Tonnen.
Die Donau darf nicht zu niedrig sein
Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Wasserstand. „Für eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts ist eine konstant hohe Donau notwendig“, erklärt Rainer Christl, Bauleiter beim Staatlichen Bauamt Augsburg. Glücklicherweise seien die Voraussetzungen derzeit gegeben, trotz des Regens in der Nacht zuvor, bestätigt er. Die Donau sei an dieser Stelle etwa drei Meter tief, das Ponton habe einen Tiefgang von rund 2,50 Metern, so Christl. An einer Stelle musste am Vortag deshalb sogar noch etwas Material aus dem Flussbett ausgehoben werden.
Dass die Brücke nicht einfach auf dem Wasser treiben wird, zeigt sich beim Blick auf die Konstruktion. Das Schwimmponton wird während des Einschwimmens über Stahlseile und Winden an vier Punkten entlang der Donau geführt und gesichert. So können die Verantwortlichen die Position des Pontons kontrolliert verändern und gleichzeitig auf Strömung und Wind reagieren. Auch der Wasserstand des Pontons wird permanent angepasst. Dafür wird während des Vorgangs kontrolliert Ballastwasser abgepumpt. Auf diese Weise lassen sich Ponton und Verschubbahnen auf dem benötigten Höhenniveau halten. Am Donnerstag soll die Stahlkonstruktion dann über die Donau an ihren vorübergehenden Platz gebracht werden. Dort wird das Brückenende vom Ponton auf einen provisorischen Pfeiler geschoben und abgesetzt.
Zuschauer sind am Donnerstag herzlich willkommen
Anders als bei den bisherigen Arbeiten wird das Geschehen am Donnerstag auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Das Einschwimmen kann von Interessierten verfolgt werden, weshalb die Brücke an diesem Tag für den Verkehr gesperrt ist und umgeleitet wird. Die Verantwortlichen rechnen mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern. Auch die örtlichen Vereine haben sich auf den besonderen Tag vorbereitet. Unter anderem soll es auf der Brücke einen Bratwurst- und Getränkeverkauf sowie einen Informationsstand geben.
Die neue Brücke entsteht derzeit direkt neben der bestehenden Donaubrücke. Dadurch kann der Verkehr während der Bauarbeiten weitgehend aufrechterhalten werden. Nach dem Einschwimmen wird auf der Marxheimer Seite noch das Vorlandfeld montiert. Anschließend soll die neue Brücke zusammen mit einer provisorischen Umleitungsstrecke fertiggestellt werden.
Erst danach wird der Verkehr auf das neue Bauwerk verlegt. Die alte Donaubrücke kann anschließend abgebrochen werden. In einem weiteren Schritt entstehen die endgültigen Widerlager und Pfeiler, bevor die neue Brücke während einer rund vierwöchigen Sperrung in ihre endgültige Lage querverschoben wird. Das gesamte Bauprojekt kostet rund 24 Millionen Euro und wird vom Freistaat Bayern finanziert. Die neue Brücke soll eine Stützweite von 107,5 Metern über der Donau und weitere 32,5 Meter im Vorlandbereich haben. Die Fahrbahn ist 7,5 Meter breit, zusätzlich entsteht ein 2,5 Meter breiter Geh- und Radweg.