31. Oktober 2018, 16:28

Mehr Angebot als Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt

Bild: Bundesagentur für Arbeit
Der Ausbildungsmarkt im Landkreis Donau-Ries ist auch im Beratungsjahr 2017/2018 von einer beachtlichen Differenz zwischen Angebot und Nachfrage gekennzeichnet.
Donauwörth - Die Zahl der Ausbildungssuchenden stieg im Vorjahresvergleich um 32 auf 1.179, die der gemeldeten Berufsausbildungsplätze um 69 auf 1.630. Bereits seit mehreren Jahren haben wir mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerber. Quantitativ, aber vor allem auch hinsichtlich der Qualifikation wird es zunehmend schwieriger, Bewerber und Ausbildungsplätze zusammenzubringen“, resümiert Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth, den Abschluss des Beratungsjahres.
„Zum Stichtag 30.09. standen 188 unbesetzten Ausbildungsstellen noch 7 unversorgte Bewerber gegenüber. Diesen Jugendlichen bieten wir adäquate Alternativen, wie zum Beispiel mit einer Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen, Einstiegsqualifizierung oder berufsvorbereitende Maßnahmen“ berichtet Paul weiter. „Zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen haben wir ebenfalls verschiedene Instrumente, wie ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) oder Assistierte Ausbildung (AsA), zur Verfügung. Die Unterstützung kann hier von Nachhilfeunterricht über sozialpädagogische Betreuung und Coaching bis zur Unterstützung der ausbildenden Betriebe gehen.“
Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt
Im Berichtsjahr 2017/2018 wurden 1.630 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 4,4 Prozent. Die Zahl der Bewerber ist im Vorjahresvergleich um 2,8 Prozent auf 1.179 gestiegen. Am Stichtag 30.09. waren 7 Jugendliche noch unversorgt (2017: 10 unversorgte Bewerber) und 188 Ausbildungsstellen unbesetzt (2017: 165 unbesetzte Ausbildungsstellen). „Am schwierigsten ist es für die Betriebe im Handel und im Metzgereihandwerk, den Nachwuchs in der Branche zu sichern. In den Berufen Kaufmann/frau im Einzelhandel, Fachverkäufer/in-Lebensmittelhandwerk-Fleischerei, Handelsfachwirt, Fachwirt-Vertrieb-Einzelhandel, Fleischer/in, aber auch Gärtner/in – Zierpflanzenbau, Koch/Köchin und Anlagenmechaniker – Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik blieben Ausbildungsplätze unbesetzt“ informiert der Leiter der Donauwörther Arbeitsagentur.
Bewerberzahlen und Struktur
Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Donauwörth unterstützte im Landkreis Donau-Ries von Oktober 2017 bis September 2018 insgesamt 1.179 Bewerber bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Das sind 32 Jugendliche (2,8 Prozent) mehr als im Jahr davor.
Rein rechnerisch entfielen auf einen Bewerber 1,38 Berufsausbildungsstellen (Vorjahr: 1,36). „Der Trend eines Stellenangebotsmarktes setzt sich damit fort und die jungen Menschen haben damit eine größere Auswahl und die stärkere Position“ er-läutert Richard Paul.
25,9 Prozent der Bewerber konnten einen Hauptschulabschluss vorweisen, 53,5 Prozent der Bewerber hatten einen Mittleren Bildungsabschluss, 9,8 Prozent die Fachhochschulreife und 7 Prozent die Allgemeine Hochschulreife. Knapp jeder siebte Ausbildungssuchende hat die Schule bereits im Vorjahr oder früher verlassen (sogenannte „Altbewerber“).
Die Top 10 der Berufswünsche waren: Kaufmann/-frau – Büromanagement, Industriemechaniker/in, Industriekaufmann/-frau, Medizinische/r Fachangestellte, Kfz-Mechatroniker/in – PKW-Technik, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Fachinformatiker/in – Systemintegration, Verkäufer/in, Fachkraft Lagerlogistik, Tischler/in.
Verbleib der Bewerber
Von den 1.179 Bewerbern sind 837 in eine duale Ausbildung eingemündet. 39 nahmen im Berichtszeitraum eine Arbeit auf. Eine weiterführende Schule besuchen 204. Zu einem Studium haben sich 16 Jugendliche entschlossen und 9 arbeiten für gemeinnützige oder soziale Dienste und absolvieren zum Beispiel das „Freiwillige Soziale Jahr“.
Zum Abschluss des Berichtsjahres haben sieben junge Menschen noch keinen Ausbildungsvertrag erhalten (drei weniger als im Vorjahr). „Es geht jetzt darum, jedem Einzelnen eine Perspektive aufzuzeigen, denn kein Jugendlicher soll auf der Strecke bleiben, wenn er bis zum September keine Ausbildungsstelle gefunden hat. Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater werden bis zum Jahresende alles daransetzen, den verbleibenden Bewerbern durch gezielte Angebote einen Ausbildungsplatz zu vermitteln“ so Paul weiter.
Zu einer Ausbildung gibt es keine Alternative
„Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist für Arbeitnehmer ohne Ausbildung deutlich höher und auch die Dauer der Arbeitslosigkeit kann länger ausfallen. Qualifizierte Mitarbeiter haben über die gesamte Dauer ihres Berufslebens auch die besseren Verdienstmöglichkeiten. Die nach wie vor hohe Zahl an unbesetzten Ausbildungsstellen stellt für uns alle eine große Herausforderung dar. Teilzeitausbildung, Ausbildung für junge Erwachsene, die Integration von Flüchtlingen, aber auch die Bildung von Ausbildungsverbünden und die Steigerung der Attraktivität einzelner Berufe können hier Ansätze sein. Die dualen Berufsausbildungen sind ein wesentlicher Pfeiler zur Sicherung des Fachkräftebedarfs und des Standortes“ wirbt Richard Paul.
„Da die Ausbildungsinhalte immer anspruchsvoller werden, können die Noten in der Berufsschule auch mal schlecht ausfallen und Nachhilfeunterricht erforderlich sein. Ich appelliere hier an jeden Einzelnen, sich nicht zu scheuen und seinen Berufsberater zu kontaktieren. Um einen Abbruch der Ausbildung zu vermeiden und das Ausbildungsziel doch noch zu erreichen, bieten wir „ausbildungsbegleitende Hilfen“ oder „assistierte Ausbildung“ an und übernehmen dafür die Kosten. (pm)