TTZ

Digitalisierung gegen den Fachkräftemangel

Mehrmals im Jahr treffen sich die Forschenden am TTZ Data Analytics der Technischen Hochschule Augsburg in Donauwörth mit regionalen Unternehmen, um über aktuelle Themen zu sprechen. Bild: Alexander Lehner/THA
Digital gegen den Fachkräftemangel – unter diesem Motto zeigte das TTZ Data Analytics der Technischen Hochschule Augsburg, wie Unternehmen mit Daten und KI die moderne Arbeitswelt verstehen können.

Das TTZ Data Analytics in Donauwörth lud Ende Februar Unternehmen aus der Region zum Wissensaustausch ein. Bei der Veranstaltung „Mit Digitalisierung gegen den Fachkräftemangel: Aus Daten über die Arbeitswelt lernen“ aus der Reihe „Data Analytics im Donau-Ries“ präsentierten nicht nur die Forschenden am TTZ ihre Erkenntnisse. Auch Dirk Grensemann, Prokurist und Bereichsleiter Privatkunden der VR Bank Augsburg-Ostallgäu, sprach über seine Erfahrungen mit der neuen, digitalen Arbeitswelt am Beispiel eines angewandten Forschungsprojekts mit der Technischen Hochschule Augsburg und dem Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik (FIT).

Prof. Dr. Björn Häckel, wissenschaftlicher Leiter des TTZ Data Analytics der TH Augsburg, meint: „Die Arbeitswelt ist im Wandel. Früher waren Arbeitnehmende engen Vorgaben und strikten Regeln unterworfen. Im gegenwärtigen Arbeitnehmermarkt fordern sie Flexibilität, Freiraum zur persönlichen Entwicklung und eine gelebte digitale Unternehmenskultur. Um dem Fachkräftemangel in Zukunft entgegenzuwirken, brauchen wir deshalb neue Ansätze zum digitalen Personalmanagement.“

Mit dabei waren Unternehmen aus dem Donau-Ries und darüber hinaus, wie Jeld-Wen, Humanus Personalservice, MKR Metzger, Sparkasse Neuburg-Rain, Talent Media, Geda, Airbus, aber auch von Organisationen wie dem Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft, dem Landkreis Donau-Ries oder der IHK.

Digitalisierung gegen den Fachkräftemangel: Darum geht es

Die thematische Einführung übernahmen Dr. Manfred Schoch und Dr. Julia Lanzl, beide Post-Doktoranden am Fraunhofer FIT. Für zentral befinden sie die veränderte Rolle von Human-Resources-Abteilungen in Unternehmen. Personalabteilungen hätten mittlerweile weniger eine operative oder administrative, sondern vielmehr eine strategische Rolle, nämlich die Neuausrichtung ihrer Prozesse durch die Integration neuester digitaler Technologien. Lanzl erklärt: „Um attraktiv für Fachkräfte vor allem aus IT und Technik zu bleiben, muss gerade der Mittelstand im ländlichen Raum seine Personalabteilungen digitalisieren. Datenanalyse, Künstliche Intelligenz und Digital-Work-Konzepte sind hier Bausteine einer erfolgreichen HR-Transformation.“  

Schoch erklärt weiter: „HR-Abteilungen können beispielsweise Prozesse zur Personalgewinnung automatisieren, ihre Personalplanung optimieren oder individualisierte Weiterbildungen anbieten. Dies schafft Freiräume für Personalverantwortliche, um eine strategische Rolle innerhalb der Organisation einzunehmen. Arbeitskraft wird also nicht wegrationalisiert, sondern von langwierigen Aufgaben befreit und nutzbar für sinnvolle Tätigkeiten gemacht.“

Mitarbeitende im Fokus: Daten in der modernen Arbeitswelt

In seinem Vortrag spricht Schoch über die Nutzung von Daten in der Arbeitswelt, um die Mitarbeitenden und ihre Arbeitsweisen besser zu verstehen. Mit der zunehmenden Nutzung von digitalen Kommunikationsmitteln seit der Covid-19-Pandemie hätten Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten Daten auszuwerten. Schoch sagt: „Digitale Tools liefern reichhaltige und sensible Daten, die sich anonymisiert auswerten lassen. Dabei haben Unternehmen nicht das Ziel, ihre Mitarbeitenden zu überwachen. Vielmehr lassen sich sinnvolle kollektive Kennzahlen einsehen, etwa welcher Anteil der Mitarbeitenden außerhalb der Kernzeiten arbeitet oder wie hoch der Meeting-Anteil an der Arbeitszeit ist. Das sind wertvolle Erkenntnisse für Führungskräfte und Personaler gleichermaßen, um Arbeitslasten besser zu verteilen.“

Erfahrungen aus dem New-Work-Projekt der VR Bank

Lanzl stellte gemeinsam mit Dirk Grensemann ein konkretes Projekt vor, das gemeinsam von der Weichenstellung bis zur Umsetzung mit der VR Bank Augsburg-Ostallgäu durchgeführt wurde. Neben der Entwicklung einer Vision für die HR-Transformation des Unternehmens ging es im Besonderen um drei Säulen: Standards für mobiles Arbeiten, Leitlinien für digitale und physische Zusammenarbeit und das Raum- und Arbeitsplatzkonzept. Ziel war es, ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen, das sowohl die Zufriedenheit der Mitarbeitenden als auch effizientes Arbeiten fördert.

Lanzl erklärt: „Im Zentrum standen verschiedene Fragen. Wer darf wo mobil arbeiten? Was sind die Grundregeln für eine gelungene physische und digitale Zusammenarbeit? Und wie schafft man Räume, die sich gleichzeitig flexibel nutzen lassen und trotzdem zum effizienten Arbeiten vor Ort einladen? Mit den Mitarbeitenden der VR Bank Augsburg-Ostallgäu haben wir die Antworten in einem gemeinschaftlichen Projekt erarbeitet, um ihre besonderen Bedürfnisse überall abzubilden.“

Viele der Lösungen konnten bereits umgesetzt werden. Dazu gehören auch die verschiedenen Standards für mobiles Arbeiten und die Leitlinien für digitale und physische Zusammenarbeit. Zudem sind die Pläne für attraktive Räumlichkeiten und Buchungssysteme, die dem neuen hybriden und flexiblen Arbeiten Rechnung tragen und auf verschiede Arbeitsstile eingehen, weit fortgeschritten.

Dirk Grensemann meint: „Wir haben eine sehr gute Stimmung bei den Mitarbeitenden und sammeln gerade erste Erfahrungen im Feldversuch mit unseren neuen Arbeitsbedingungen. Ohne die externe Unterstützung durch die Forschenden hätten wir diese Innovation nicht in so kurzer Zeit vorantreiben können. Deshalb kann ich die Zusammenarbeit nur empfehlen.“ (pm)