22. Juni 2020, 14:41

Schüleraustausch in Donauwörth: Gastfamilien ziehen positives Resümee

Experiment-Gastfamilie Kokkelink mit ihrer Gastschülerin Giulia aus Italien. Bild: privat/Experiment e.V.
Die gemeinnützige Austauschorganisation Experiment e.V. betreut jährlich um die 200 Jugendliche aus 17 verschiedenen Ländern und ihre Gastfamilien bei ihrem Austausch-Programm in Deutschland. Auch für die kommende Einreise-Saison werden wieder Gastfamilien in Donauwörth und Umgebung gesucht.

Für die diesjährigen Teilnehmenden des Schüleraustauschs in Deutschland stellte sich durch die Corona-Pandemie die Frage: Schnell abreisen oder zusammen mit der Gastfamilie der Situation trotzen? Etwa drei Viertel haben sich in der aktuellen Lage für eine vorzeitige Rückkehr entschieden, um die 50 Schülerinnen und Schüler wollten ihren Aufenthalt fortsetzen. Trotz veränderter Bedingungen gehen die meisten Familien und ihre Gastkinder souverän mit ihrer Austauscherfahrung um.

Familie Lange aus Bremen hat seit Februar 2020 ein neues Familienmitglied auf Zeit: Thomas aus Neuseeland wohnt für zehn Monate als Austauschschüler bei ihnen. Langes engagieren sich ehrenamtlich als Gastfamilie. Aufgrund der Corona-Krise verläuft der Aufenthalt ihres Gastsohns, aber auch der ihres eigenen Sohns Clemens, der mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm ein Jahr in den USA bleiben wollte, anders als geplant. Die Corona-Pandemie beendete den staatlich geförderten Aufenthalt von Clemens im März, Thomas wurde es hingegen freigestellt zu bleiben. Die Familie sieht in der Rückkehr von Clemens auch etwas Gutes: "Jetzt hat Thomas einen gleichaltrigen Gastbruder mit ähnlichen Interessen und Erfahrungen und er lernt sehr schnell sehr viel", so Johanna Köster-Lange. "Wir sind froh, dass Thomas immer noch bei uns ist und wir diese Zeit alle gemeinsam als Familie mit gesprächigen Kaffeepausen und ausgiebigen Kochabenden verbringen können."

Eine weitere Gastfamilie, die von der Corona-Pandemie überrascht wurde, ist Familie Kokkelink aus Alfter. Seit August 2019 wohnt Giulia aus Italien für zehn Monate als Austauschschülerin bei ihnen und auch ihre gemeinsame Zeit läuft anders als geplant: "Als Mitte März die Schule geschlossen wurde, haben sich Giulia und unsere Tochter zunächst über die Unterbrechung gefreut. Doch dann kam die Nachricht, dass Giulias Organisation in Italien den Austausch abbricht - eine Entscheidung, die uns alle schwer getroffen hat", so Gastmutter Kirsten Kokkelink. "Wir haben versucht, den Schock gemeinsam zu überwinden. Kurze Zeit später kam die freudige Nachricht, dass, wenn alle Parteien zustimmen, Giulia doch bleiben kann - eine hochemotionale Zeit für uns!"

Auch wenn einige geplante Unternehmungen nicht stattfinden konnten, versucht die Familie das Beste aus der Situation zu machen. Durch die gemeinsamen Stunden zu Hause bleibt Zeit zum ausgiebigen Austausch: "Die besonderen Umstände haben uns ermöglicht, dass wir uns nochmals intensiver kennengelernt haben."

Auch wenn noch nicht sicher gesagt werden kann, ob trotz Corona alles nach Plan läuft, rechnet die Bonner Organisation mit der Ankunft zahlreicher internationaler Jugendlicher zwischen 15 und 18 Jahren, die für drei Monate bis ein Schuljahr in Deutschland bleiben möchten. Deswegen sucht Experiment e.V. Gastfamilien in Donauwörth und Umgebung, die bereit sind, ein Gastkind ab voraussichtlich Ende August bei sich aufzunehmen.

Gastfamilie kann fast jeder werden - egal ob Alleinerziehende, Paare mit oder ohne Kinder oder Patchwork-Familien, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Wichtig sind vor allem Humor, Neugier und Toleranz sowie die Bereitschaft, den Gast als "Familienmitglied auf Zeit" aufzunehmen. Wer Interesse hat, kann sich an die Geschäftsstelle von Experiment e.V. in Bonn wenden.

Ansprechpartnerin ist Kerstin Overs de Gutierrez (Telefon 02 28 / 9 57 22-41, E-Mail: overs@experiment-ev.de). Weitere Informationen gibt es unter www.experiment-ev.de/gastfamilie-werden. (pm)