14. Mai 2016, 16:34

Rückläufige Flüchtlingszahlen, mehr Anerkannte und wenige Wohnungen

Bild: Mara Kutzner
Für Flüchtlinge, die in unser Land kommen, gibt es derzeit verschiedenste Unterbringungsformen. Von der Erstaufnahmeeinrichtung bis zur eigenen Wohnung dauert es oft viele Monate oder sogar Jahre. Wie werden Flüchtlinge im Landkreis untergebracht? Wie viele Asylbewerber leben derzeit hier? Wie ist die Lage am Wohnungsmarkt, wenn nun viele anerkannte Flüchtlinge eine eigene Wohnung benötigen. Als neuste Reaktion auf die weniger ankommenden Flüchtlingen, will die Staatsregierung die Unterbringung von Asylbewerbern neu organisieren. Zudem gehen aber Asylverfahren immer schneller. Was das für die Integration, den Wohnungsmarkt und die Städte und Kommunen im Landkreis bedeutet
In der Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Alfred-Delp-Kaserne in Donauwörth, die als Notaufnahmeeinrichtung schon länger in Betrieb ist, ihren offiziellen Start aber erst Ende des Jahres 2015 hatte, werden regelmäßig 200 bis 700 Personen einquartiert. In der ehemaligen Kaserne waren im April von 750 Plätzen 349 belegt. Anders als in den anderen Unterkünften, war hier bisher die Fluktuation sehr hoch. Die Flüchtlinge waren dort meist nur wenige Tage, bevor sie deutschlandweit umverteilt wurden.
Nun will die bayerische Staatsregierung den Aufenthalt in der Erstaufnahme auf sechs Monate ausweiten „Dies wird aktuell auch in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber Donauwörth grundsätzlich so gehandhabt“, erklärte Karl-Heinz Meyer, Pressesprecher der Regierung von Schwaben unserer Redaktion. Man will damit Kommunen bei der dezentralen Unterbringung entlasten, heißt es weiter von der schwäbischen Regierung.
Im Landkreis werden derzeit knapp 2.000 Flüchtlinge untergebracht und in vielen der 44 Gemeinden konnten größere oder kleinere Unterkünfte für Flüchtlinge gefunden werden. Nun konnten alle Notunterkünfte in Hallen abgebaut werden. Zuletzt waren Flüchtlinge in Orten wie Oberndorf, Fünfstetten und Kleinerdlingen über mehrere Wochen und Monate hinweg in Turnhallen untergebracht. In 14 weiteren Gemeinden sind Planungen für neue Unterkünfte am Laufen und das Landratsamt konnte bereits Mietverträge unterzeichnen. Wie sich Landrat Stefan Rößle zuletzt geäußert hatte, ist damit das Ziel mit 3.000 Plätzen erreicht. Er will nicht weiter nach neuen Unterkünften suchen.
„Aus nordschwäbischer Sicht“, so Landrat Stefan Rößle, „werden keine weitern Unterkünfte mehr angemietet.“ Denn im Landkreis Donau-Ries gäbe es genug freie Plätze. Zu den Verträgen, die bereits geschlossen wurden, werde man aber auf jeden Fall stehen, zumal sich auch einige Einrichtungen derzeit noch im Bau befinden.
Für die Flüchtlinge, besonders für die, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien fliehen, geht die Bearbeitung der Asylanträge allerdings immer schneller. Teilweise bekommen die Asylbewerber noch während ihrem Aufenthalt in der Erstaufnahmeeinrichtung die Nachricht, dass sie für mindestens drei Jahre in Deutschland bleiben dürfen. In Donauwörth geht es momentan um fast 40 Personen, die inzwischen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine Anerkennung als Asylberechtigter bekommen haben. Wenn sich nun der Aufenthalt auf sechs Monate in der ehemaligen Kaserne ausdehnt, ist damit zu rechnen dass diese Zahl stetig steigt. „Sie sind nicht mehr leistungsberechtigt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sondern nach dem Sozialgesetzbuch, d.h. Empfänger von Hartz-IV-Leistungen und damit sogenannte Fehlbeleger“, erklärte die Regierung von Schwaben.
500 Wohnungen mehr werden benötigt
Flüchtlinge, deren Asylgesuch anerkannt wird, müssen relativ schnell auf eigenen Füßen stehen. Die Leistungen vom Landratsamt werden eingestellt und für das Zimmer in der Unterkunft wird bis zum Auszug Miete verlangt. „Wir brauchen Wohnraum für anerkannte Asylbewerber und auch für viele andere Menschen, die auf der Suche nach bezahlbaren Wohnungen sind“, bestätigt Landrat Stefan Rößle. Er geht davon aus, dass im Landkreis 500 Wohnungen mehr benötigt werden. In Nördlingen wird gerade über die Entstehung eines neuen Wohnblocks mit Sozialwohnungen diskutiert. Staatliche Fördermittel könnte die Kommune hierfür verwenden. Auch Privatinvestoren können Sozialwohnungen bauen und Unterstützung von 300 Euro pro Quadratmeter erhalten.
„Problem ist oft, dass sich Flüchtlinge schwer tun, eine geeignete Wohnung zu finden, vor allem wenn sie ihren Lebensunterhalt noch nicht durch Arbeit finanzieren können, sondern auf Hartz-IV angewiesen sind“, sagt auch Ingrid Eicher vom Jobcenter Donauwörth. „Wir behandeln alle unsere Kunden gleich. Die Flüchtlinge haben die gleichen Rechte und Pflichte wie andere auch“, so Eicher. Wie viel das Jobcenter für die Miete bezahlt, hängt von den Unterkunftskosten ab. Ein grundsicherungsrelevanter Mietspiegel legt fest, ob die jeweiligen Mietkosten angemessen sind.
Dass sich Flüchtlinge nicht nur schwer tun, Wohnraum zu finden, weil der Wohnungsmarkt knapp ist, sondern auch, weil sie sich durch Berge von Formularen, beispielsweise zur Beantragung von Hartz IV, wälzen müssen, ist hier noch nicht bedacht. Die Deutschkenntnisse reichen nach wenigen Monaten meist noch nicht aus, um sich durch die behördlichen Papiere zu kämpfen. Ehrenamtliche Helfer oder das Angebot von Sozialdiensten ist dann oft die einzige Hilfe.
Wichtig sei nach neusten Äußerungen des Landrates auch, dass anerkannte Flüchtlinge in dezentralen Unterkünften untergebracht werden können. Dazu sei es wichtig, dass es eine Änderung des Rechtsstandes und der Kostenübernahme gebe. Derzeit müssen die Jobcenter die Kosten für anerkannte Flüchtlinge tragen. Die Kosten fallen dann auf den Landkreis zurück. Landrat Stefan Rößle stellte klar: „Wir fordern die Übernahme dieser Kosten durch den Staat.“
Die erste eigene Wohnung in Deutschland
Es stapeln sich noch Umzugskartons in der Wohnung der Familie Husni. Nur das Zimmer vom 17-jährigen Ayham ist schon komplett. Die Familie wohnt in der 3-Zimmer-Wohnung mit 90 Quadratmetern im Stadtkern von Donauwörth erst seit zwei Wochen. Vorher haben die Vier in zwei Zimmern im Asylbewerberheimn gelebt und sich Bad und Küche mit den anderen dort geteilt. Die Miete der neuen Wohnung mit allen Nebenkosten macht insgesamt 800 Euro aus. Das kann sich die Familie leisten, sparsam umgehen müssen sie natürlich trotzdem. Mahmoud, der Vater, arbeitet seit einiger Zeit als Betreuer und Übersetzer bei den Maltesern in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Donauwörth. „Ich arbeite in Schichtarbeit und deshalb oft nachts. Ich schlafe oft am Tag und brauche einen Rückzugsort, wenn meine Frau Samira und unsere Tochter Mirna wach sind. Das war ihm Wohnheim nicht möglich“, erklärt Mahmoud. Sein Bruder Ayham hat sein eigenes Reich und für Mirna ist im Wohnzimmer genug Platz zum Krabbeln und Spielen. Die Wohnung hat die syrische Familie nur durch Hilfe ihrer ehrenamtlichen Wohnungspaten bekommen. „Man kann keine Wohnung finden, wenn man keine Hilfe von deutschen Freunden hat“, ist sich Mahmoud sicher. „Meine Frau hat die Wohnung alleine ausgesucht, der Besichtigungstermin fand statt, als ich in der Arbeit war. Ich habe ihr da ganz vertraut“, sagt er. Allerdings wäre der Vermieter zuerst skeptisch gewesen, an die Flüchtlingsfamilie zu vermieten. Letztendlich konnten sie ihn aber doch überzeugen, so erzählen sie „Die Wohnung ist sehr schön, groß und hell. Ich habe gleich gesagt, wir nehmen sie“, freut sich Samira. Auch bei den Möbeln war die Familie auf Hilfe angewiesen. „Unsere Freunde haben uns viel geschenkt und geholfen günstige Möbel zu finden“, so die Familie. Eine Waschmaschine muss dringend noch her und Samira wünscht sich einen größeren Esstisch, um mit der ganzen Familie und Gästen essen zu können
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Mara Kutzner Donau-Ries-Aktuell.de
Mara Kutzner , Donau-Ries-Aktuell

Redakteurin für online und blättle. Regionalpolitischen Kontroversen und sozialkritischen Themen geht sie mit Nachdruck auf den Grund. Stellt gerne kritische Fragen. Geht im Landkreis fürs blättle auf die Suche nach tollen Lifestyle Produkten. Ist auch privat sozial engagiert.

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