16. Februar 2020, 08:40

…in München steht ein Hofbräuhaus... in Nearle tobt das Freudenhaus

Bild: Doris Dollmann
Der Fasching nimmt Fahrt auf. Am vergangenen Samstagabend fand in Nördlingen der Blaulichtball statt. Ordentlich einstecken mussten vor allem die Oberbürgermeisterkandidaten.

Höhepunkt des Abends war das „Marktgespräch“, das natürlich die anstehende Oberbürgermeisterwahl thematisierte. Mit viel Witz und Ironie gaben die Darsteller von Rita Ortler, David Wittner, Wolfgang Goschenhofer und Steffen Höhn genau die Wahlslogans und Phrasen wider, die die vier Kandidaten auch bei ihren Wahlveranstaltungen stets gebrauchen. Um alles zu verstehen, muss man schon fast „a Nearlinger“ sein, denn so mancher Witz und manche Anspielung setzt schon ein gewisses Insider-Wissen voraus.

Viele Spitzen gegen die OB-Anwärter

Die „rote Rita“, Goschi die Biene, David Wittner als Superman und Steffen Höhn als Räuberhauptmann liefen in einer Polonaise am Kriegerbrunnen ein, um auch nach dem Blaulichtball noch auf Stimmenfang zu gehen. Dabei stellte David fest, dass es aufgrund der Einwohnerzahl in Nördlingen ja gar kein Freudenhaus gibt. Steffen versprach: “Die CSU und ich arbeiten daran – wir annektieren Deiningen und Wallerstein und haben dann die erforderlichen 30.000, dann ist Prostitution erlaubt." Goschi entgegnete, dass sie sich wohl alle im Laufe des Wahlkampfes schon genug prostituiert hätten. Rita fiel dann plötzlich auf, dass einer fehlte, nämlich der Tanner: „Den vermisst kein Mensch!“ Obwohl er, sollte er Oberbürgermeister werden, bei der Bürgersprechstunde auch gleich noch einen Leberfleck rausschneiden könnte. Rita könnte ihre Ansprachen singen. Das tat sie dann auch zur Melodie von „Rote Lippen soll man küssen“- „“Rote Rita sollt ihr wählen!“ Zwischendurch erklärte Goschi bei jedem Stadtteil: „Baldingen ist auch Nördlingen! Holheim ist auch Nördlingen! Schließlich brauchte er nur noch einen Stadtteil zu nennen und das Publikum vollendete den Satz „….ist auch Nördlingen!“ Steffen sang zur Melodie „Ich will Spaß“ - „Ich wähl schwarz“. Er musste den Seitenhieb einstecken, dass der Lange schon lange nicht mehr auf dem Blaulichtball war und antwortete trotzig: “Es gibt Dinge, die ich auch alleine kann!“ Eine weitere Spitze richtete sich an die Landbevölkerung ... „Subventionen alles klar, macht der Bauer s' Kreuz, wo's immer war.“ Mit dem Kochlöffel in der Hand trällerte David zur Meldodie von „Verdammt ich lieb dich“ - „Ich hoff', ihr wählt mich – ich werde nicht verliern!“

Alle waren sich einig, dass die Nördlinger bei der Wahl nicht viel falsch machen können und attestierten sich gegenseitig gute Chancen. Goschi meinte jedoch: “Ich hab so viel versprochen, so lange kann ich gar net Oberbürgermeister sein.“ Dann wurden ihnen klar, dass sie sich mit einer Ausnahme alle im Stadtrat wiedersehen werden. „Nur der David kommt ungeschoren davon.“ Deshalb schlug Rita vor, dass alle geschlossen hinschmeißen. „Oh Gott, dann wird der Tanner OB!“ und das wäre dann „Skandal im Wahlbezirk!“ unter 84 - Eins-Null-Eins. Das Publikum quittierte mit tosendem Applaus.

„So G'sell so“ - Der Türmer vom Daniel sieht alles

Eigentlich wollte sich der Türmer politisch neutral verhalten. Doch das ist ihm nicht ganz gelungen. So wolle er mitbekommen haben, dass Goschis Ortskenntnisse nicht die Besten seien, denn unter Zuhilfenahme von Google-Maps habe er beinahe im falschen Grosselfingen, nämlich dem bei Aalen, das Sportheim reservieren wollte. Tanner soll angeblich nicht wissen, wo in Nördlingen die Feuerwehr ist, denn er bat nicht nur um einen Ersatz-Termin sondern wollte auch wissen, wo er eigentlich hin muss. Aufgefallen ist dem Daniel-Türmer auch, dass der Leiter des Ordnungsamtes für einen Feuerwehreinsatz eine veraltete Rechnung erstellt hatte. Während man in anderen Städten dafür degradiert werde, könne es in Nördlingen jedoch passieren, dass man zum Hauptamtsleiter befördert wird – je nachdem, wer OB wird. Missfallen hat ihm, dass „der, der einst den Rieser Heimatpreis kreierte, ihn letztes Jahr bekommen hat, nämlich König Leo, der Pensionierte!“

Gschtanzl mit spitzer Zunge

Bereits zur Begrüßung nahmen „Die Zwei Lustigen Drei“ die Gäste auf die Schippe. Richtig zünftig wurde es dann nach dem Auftritt der Mönchsdegginger Almgugga. So hieß es in einer Strophe: „Wir ham an nigenagelneuen Pfarrer mit am nigelnagelneuen Bett, und ra nigelnagelneuen Köchin, doch nigelnageln derf er's net“. Derbleckt wurden natürlich auch noch einmal die OB-Kandidaten. Es wurde die Befürchtung geäußert, dass Wittner eventuell schlapp machen könnte, weil er jetzt schon so oft den Löffel abgibt. Und weil einem Igenieur ja nichts zu schwer ist, könnte Goschi es schaffen, dass nicht nur jeder Stadtteil Nördlingen ist, sondern bald auch noch Donauwörth. Gut weggekommen ist heuer Landrat Stefan Rößle. Er soll, falls wiedergewählt, im nächsten Jahr sein Fett abkriegen.

Mitternachtsshow

Zwischen den Programmpunkten heizte die Band „Ohne Filter“ dem Publikum so richtig ein und wurde dafür mit einer stets vollen Tanzfläche belohnt. Der Magier Larry Popper hatte es bei der Mitternachtsshow nicht leicht, denn nachdem sein Kaninchen aus Versehen im Kochtopf gelandet war, musste er mit einem Aushilfshasen arbeiten, der zudem auch noch ein Aggressionsproblem hatte. Anschließend wurden die Lachmuskeln strapaziert, als man Einblicke in die so gar nicht erotische Welt des Telefon-Sexes erhielt. Den Abschluss bildete eine schwungvolle Tanzeinlage, passend zum ersten Teil des Mottos. Dann wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Ob der Blaulichtball, wie Reiner Schlientz am Anfang erwähnte, auch in diesem Jahr wieder für die ganz Harten mit einem Frühstück im Samocca endete, ist der Redaktion nicht bekannt.