Der Hebammenhilfevertrag, der zum 1. November 2025 in Kraft getreten ist, hat öffentlich für viel Wirbel gesorgt. Unter anderem wurde Anfang Dezember ein Runder Tisch mit Hebammen aus dem Landkreis sowie der stellvertretenden Landrätin Claudia Marb veranstaltet. Thema auch hier: Der neue Hebammenhilfevertrag und wie sowohl die Geburtshilfe als auch die Hebammenversorgung im Donau-Ries nachhaltig gesichert werden kann. Aber auch außerhalb dieser Diskussionsrunden machen sich Hebammen wie Bianca Haschner und Regina Mütze Gedanken um die Zukunft.
Die gute Nachricht vorneweg: „Es muss sich keine Schwangere in der Region ängstigen, keine Hebamme zu finden“, erklärte Regina Mütze und fügte hinzu: „Wir sind gut vernetzt. Wir haben eine Hebammenliste, in der jede eingetragen ist, die möchte – mit allen Angeboten. So kann jede Schwangere eine Hebamme finden, die zu ihr passt. Keine Schwangere muss allein sein.“ Eine Sichtweise, die Bianca Haschner teilt: „Die Versorgung ist gesichert.“ Bei rund 1.000 Geburten pro Jahr in den Geburtshilfestationen in Donauwörth und Nördlingen ist das eine wichtige Botschaft an die Menschen der Region.
Weniger Geld bei gleichbleibender Arbeit
Dennoch bringt der neue Hebammenhilfevertrag für die Hebammen einiges an Unsicherheit mit. „Die Grundstimmung ist schwierig“, gab Haschner offen zu. Vor allem im finanziellen Bereich müsse sich erst noch zeigen, was die Auswirkungen des neuen Vertrags sind. Zwar könne der Vertrag funktionieren, aber nur, „wenn Geburtshilfe planbar wäre“. In der Realität funktioniert Geburtshilfe aber anders.
Zumal die Arbeit nicht weniger wird. Sowohl vom Pensum als auch vom Rhythmus und der Organisation bleibt die Arbeit dieselbe – wohl bei aber Einnahmeeinbußen um die 40 Prozent. „Das zeigt sich bei Teams, die nach dem neuen Hebammenhilfevertrag arbeiten und schon Abrechnungen gemacht haben“, gab Regina Mütze zu bedenken. „Voll bezahlt wird man nur noch für eine Geburt in 1-zu-1-Betreuung. In der Realität betreut man jedoch auch oft noch eine zweite oder dritte Gebärende im Kreißsaal.“ Für die gibt es seit dem 1. November aber nur noch 50 bzw. 30 Prozent. Sollte noch eine vierte Gebärende hinzukommen, verdient die Hebamme mit dieser gar kein Geld mehr – bei gleicher Arbeit und weiterhin voller Verantwortlichkeit. „Hebammen stehen für alle Frauen zu 100 Prozent in der Risikohaftung“, so Regina Mütze.
Mehr Wirtschaftlichkeit, weniger Betreuung?
Daher haben die beiden Hebammen einen klaren Kritikpunkt an die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV), die den neuen Vertrag ausgearbeitet hat. „Es geht dem GKV um die Wirtschaftlichkeit, nicht um die gute Betreuung. Das wird ziemlich klar, wenn man den Vertrag zuvor und danach ansieht.“ Zumal mehrere Leistungen wie die Kardiotokographie (CTG) oder die U1-Untersuchung der Hebamme direkt nach der Geburt mittlerweile in die Pauschale fallen. Die größte Gefahr, die Bianca Haschner daher sieht: „Würde man also jede Frau eins zu eins betreuen, würden wir trotzdem zehn Prozent weniger verdienen bei gleicher Leistung und steigender Haftpflichtprämie.“
Immerhin hält das neue Papier neben steigender Dokumentationspflicht und weniger Abrechnungspunkten auch einen positiven Aspekt bereit, wie Regina Mütze verriet: „Die 5-Minuten-Taktung bei der Abrechnung gilt nun auch nach der Geburt. Vorher gab es hier nur eine Pauschale. Jetzt habe ich die Zeit, eine Frau 60 Minute bei jedem Wochenbettbesuch zu betreuen.“ Das hebt auch Bianca Haschner hervor: „In der Nachsorge wird jetzt tatsächlich das bezahlt, was man auch wirklich bei den Frauen macht. Das ist eine positive Entwicklung.“
Dennoch bleibt mit dem neuen Vertrag ein mehr als fader Beigeschmack bei den Hebammen im Donau-Ries. Immerhin in der Schwangerenversorgung gibt es erstmal keinen Grund zur Sorge. Für die Hebammen selbst gilt das aber wohl nicht.