Handwerk

Alte Dorfschmiede lässt Tradition wieder aufleben

Initiator Alfons Lechner (3.v.l.) freut sich mit Bürgermeisterin Anita Ferber, zugleich LAG-Vorsitzende, und LAG-Managerin Melanie Pruis-Obel sowie den drei Schmieden über den gelungenen Festakt zum Abschluss der Sanierungsarbeiten. Bild: LAG Monheimer Alb-AltmühlJura
Im Monheimer Gemeindeteil Warching wurde die Atle Schmiede feierlich wiedereröffnet. Damit lässt man ein Stück Heimatgeschichte wieder aufleben, dass einzigartige Einblicke in ein altes Handwerk erlaubt.

Ein Feuer lodert in der Esse, Rauch hängt unter der Decke der Alten Schmiede, und es riecht unverkennbar nach heißem Eisen. Rhythmisch schlagen drei Schmiede ihre glühenden Rohlinge auf dem Amboss zu schönen Kreuzen oder Ziernägeln. Viele Schaulustige sind nach Warching gekommen, um den Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Alten Dorfschmiede zu feiern. Mehr als ein Jahr lang haben die Dorfgemeinschaft und die Freiwillige Feuerwehr rund um Initiator Alfons Lechner das baufällige Gebäude instandgesetzt.

„Endlich ist das große Ziel erreicht: Die ehemalige Schmiede ist gerettet“, freute sich Lechner in seiner Ansprache über den Abschluss der Arbeiten und zeigte sich äußerst dankbar über die vielfältige Unterstützung: Rund 500 Stunden haben Ehrenamtliche aus Warching investiert, Baumaterialien wurden gespendet, Gerüst und Fachwissen kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Monheimer Alb-AltmühlJura unterstützt das Projekt mit 2.500 Euro aus dem Fördertopf „Unterstützung Bürgerengagement“ mit Mitteln des Freistaates Bayern. Man müsse „mehr tun als die Pflicht“, betonte Lechner mit Blick auf andere, bereits verschwundene Gebäude, „denn wenn man nichts macht, geht so manches verloren“.

Das Gebäude samt Original-Inventar hat seit den 1960er Jahren, als der damalige Schmied Franz Xaver Ries das Schmieden eingestellt hatte, in einem Dornröschenschlaf verbracht, aus dem es nun erfolgreich erweckt wurde. Für ihn sei die Alte Schmiede nicht nur ein Gebäude, an dem viele persönliche und auch ortsprägende Erinnerungen hängen, erklärte Lechner.

Gerade die authentischen und größtenteils handgemachten Werkzeuge zusammen mit den alten Maschinen und Gerätschaften stellten für ihn einen wahren Schatz dar, den man in dieser Form wohl nur noch selten finde. Monheims Bürgermeisterin und LAG-Vorsitzende Anita Ferber blickte auf die historische Bedeutung des Gebäudes zurück: „Eine Schmiede diente früher der Existenzsicherung eines Dorfes, da der Schmied als einziger die Kunst der Metallverarbeitung beherrschte und damit auch für die Landwirtschaft immens wichtig war.“

Die Alte Schmiede als ein Stück Kulturgeschichte Warchings

Monheims Bürgermeisterin Anita Ferber (links) und zahlreiche Schaulustige verfolgen gespannt die Schmiedearbeiten. Bild: LAG Monheimer Alb-AltmühlJura

Sie dankte Lechner für sein zupackendes und vielseitiges Engagement und wünschte sich, dass die Alte Schmiede auch nach der Einweihung regelmäßig, etwa bei Schmiedekursen oder Führungen, mit Leben gefüllt werde. Melanie Pruis-Obel, Geschäftsführerin der LAG, dankte allen Beteiligten für ihr Engagement: „Sie haben ein wertvolles Zeugnis lokaler Handwerksgeschichte erhalten, das Gebäude vor dem Verfall geschützt, Kulturgut bewahrt, und Sie geben Wissen weiter.“ Damit werde ein wichtiger Beitrag zur regionalen Identität und zur Aufwertung des Ortskernes geleistet.

Wie groß das Interesse an der Alten Schmiede war, zeigte sich auf vielfältige Weise: Hier wurde über das richtige Messerschleifen gefachsimpelt, dort tauschte man Kindheitserinnerungen in Zusammenhang mit der alten Schmiede aus, blätterte im alten Auftragsbuch des Schmieds, begutachtete die Originalwerkzeuge oder konnte sogar selbst das Schmieden ausprobieren. Ein Mitglied der Feuerwehr hatte sich zudem etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Handgedrechselte Kugelschreiber „aus dem Holz der Alten Schmiede“ – Unikate, die reißenden Absatz fanden. „Phänomenal, was sich daraus entwickelt hat!“ Dieser Kommentar eines Besuchers fasste treffend zusammen, was auch die Verantwortlichen empfanden: Der Nachmittag hat alle Erwartungen übertroffen. (dra)