4. Juli 2019, 15:56

Kurzweilige Räuberpistole mit Happy End

Begeistert war das Publikum von der Darbietung der Akteure auf der Freilichtbühne. Bild: Diana Hahn
Am vergangenen Mittwochabend wurde mit dem Theaterstück "Das Wirtshaus im Spessart" die 70. Spielzeit auf der Nördlinger Freilichtbühne eingeläutet. Den Akteurenvom Verein Alt Nördlingen e.V. ist es auch in diesem Jahr wieder gelungen eine beeindruckende Leistung auf der Bühne zu zeigen. Die Besonderheit in diesem Jahr: Fast alle Rollen konnten zum ersten Mal doppelt besetzt werden.

Wer kennt sie nicht, die Räuberpistole "Das Wirtshaus im Spessart" nach Wilhelm Hauff. Viele werden sich noch an die Verfilmung mit Lilo Pulver und Carlos Thompson in den Hauptrollen erinnern. Für die Nördlinger Freilichtbühne haben Markus Hirschberger, der auch für die Inszenierung verantwortlich ist, und Bettina Ostermayer das Stück überarbeitet.

Die Handlung entführt die Zuschauer in den Spessart. Mitten im finsteren Spessartwald gerät die Kutsche der Comtesse Franziska von Sandau in den Hinterhalt einer Räuberbande. Dafür hatten die beiden Halunken Knoll und Funzel extra eine Fallgrube ausgehoben. Die Comtesse, ihr Verlobter Baron von Sperling, ihre Zofe und der mitreisende Pfarrer werden von den Räubern in ein Wirtshaus gebracht. Dabei handelt es sich um das berüchtigte Wirtshaus im Spessart. Dort trifft die Reisegesellschaft auf die beiden Handwerksburschen Felix und Peter.

Vom Grafen von Sandau verlangt die Räuberbande 20 000 Gulden als Lösegeld für dessen Tochter, doch der geizige Graf will nicht zahlen und schickt lieber die Soldaten los. Kurzerhand tauscht die Comtesse ihre Kleidung mit Felix und macht sich auf den Weg zu ihrem Vater, um ihn zur Rede zu stellen. Sie stößt bei ihm jedoch auf taube Ohren. Trotzig kehrt die Comtesse als Franz getarnt in das Lager der Räuberbande zurück, um dem Räuberhauptmann als Bursche zu dienen und verliebt sich dabei in ihn. Das schürt den Ärger des Korporals, der den Hauptmann schließlich offen angreift. Kurz vor dem Ende erfährt der Zuschauer, dass der Räuberhauptmann eigentlich der Adlige Friedrich von Wallerstein ist und sein Vater vom Grafen von Sandau einst um 20 000 Gulden geprellt wurde. Einige Turbulenzen und eine geplatzte Hochzeit später, bekommt die Comtesse ihren Räuberhauptmann und es kommt zum Happy End.

Was das rund 80-köpfige Ensemble des Verein Alt Nördlingen e.V. auch in diesem wieder auf die Beine gestellt hat ist enorm. Die herausragenden Leistungen der Darsteller nehmen das Publikum von Anfang an mit auf die Reise in den Spessart. Besonders erwähnenswert ist das Gaunergespann Knoll und Funzel (Dominic Birau und Fabian Merk), das mit spitzfindigem Sprachwitz die Lachmuskeln reizt. Besonders gelungen ist auch die Darbietung von Nina Hellriegel, die die kesse Art der Comtesse Franziska wunderbar darstellt. Steffen Höhn gelingt der Spagat zwischen Adligem und Räuber scheinbar mühelos. Als Adliger trägt er im Original den Namen Ferdinand von Rupertsburg. In der Nördlinger Bühnenadaption hingegen heißt er Friedrich von Wallerstein, was im Publikum für Gelächter sorgt. Herrlich auch die Darbietung von Alexander Güntert als Pfarrer, der seinem geistlichen Auftrag sehr weltlich nachgeht. Kompliment an die Damen aus dem Wirtshaus, allen voran Elfi Wagner als greise Wirtin, die mit ihren Aussagen für Lacher sorgt. Als lebenslustige Marketenderin setzte Daniela Sachs immer wieder Glanzpunkte. Spontaner Publikumsliebling war Alexander Plöger, der den trotteligen Baron von Sperling einfach großartig darstellt. Als er mit den beiden Ganoven Knoll und Funzel auf Weinfässern, sturzbetrunken durch die Nacht reitet, hat er das Publikum endgültig auf seiner Seite.

Den Zuschauern auf der voll besetzten Freilichtbühne wurde ein wunderbar kurzweiliger Theaterabend geboten, was von den Besuchern mit minutenlangem Schlussapplaus honoriert wurde. 

Karten, sowie weitere Informationen gibt es unter: http://www.freilichtbuehne-noerdlingen.de

Weitere Aufführungstermine:

Samstag              06. Juli  20:30 Uhr

Sonntag               07. Juli  20:30 Uhr

                                 

Mittwoch             10. Juli  20:30 Uhr

Freitag                12. Juli  20:30 Uhr

Samstag             13. Juli  20:30 Uhr

Sonntag              14. Juli  20:30 Uhr

                                 

Mittwoch             17. Juli  20:30 Uhr

Freitag                19. Juli  20:30 Uhr

Samstag             20. Juli  20:30 Uhr

Sonntag              21. Juli  20:30 Uhr

                                 

Mittwoch             24. Juli  20:30 Uhr

Freitag                26. Juli  20:30 Uhr

Samstag             27. Juli  20:30 Uhr

Sonntag              28. Juli  20:30 Uhr

                                 

Mittwoch             31. Juli     20:30 Uhr

Freitag                02. Aug.  20:30 Uhr

Samstag             03. Aug.  20:30 Uhr

Sonntag              04. Aug.  20:30 Uhr