8. Juli 2019, 14:37

100 Jahre "D’Rieser Nördlingen"

Vor 100 Jahren wurde der Trachtenverein D’Rieser Nördlingen neu gegründet, das wird am Wochenende gefeiert. Bild: D`Rieser Nördlingen
Vor 100 Jahren wurde der Trachtenverein D’Rieser Nördlingen neu gegründet, das wird am Wochenende gefeiert. Wir haben die Vereinsvorsitzende Sandra Beck im Reimlinger Tor, dem Vereinsheim der Trachtler, besucht.

Direkt im Reimlinger Tor befindet sich das Vereinsheim der Trachtler. Dort lagern neben allerelei Gastgeschenken aus vergangenen Tagen auch die Kleidungsstücke, die derzeit nicht an Vereinsmitglieder verliehen sind. Die Vereinsmitglieder gehen öfter in das Reimlinger Tor um das alte Gemäuer zu lüften und nach dem Rechten zu sehen. Hier in diesen alten Mauern hat der Verein auch kürzlich einen kleinen Schatz gefunden. Dokumente und Bücher in welchen über 100 Jahre Vereinsgeschichte dokumentiert sind. "Sogar die Rechnungen für Anzeigen in der Zeitung von vor einigen Jahrzehnten haben wir gefunden. Solche Preise würden wir uns heute wünschen", erzählt die Vereinsvorsitzende Sandra Beck schmunzelnd. Mühevoll habe man die teilweise feuchten Bücher getrocknet. In Zukunft sollen die Bücher in das Nördlinger Stadtarchiv kommen.

233 Milliarden Mark Defizit

Am 4. Juni 1919, vor etwas mehr als 100 Jahren, gründete sich der Trachtenverein D`Riaser Nördlingen. Aus den zwei Vereinen Gebirgstrachtenvereinen „Gemütlichkeit“ und „Fidelitas“, wurde an diesem Tag der Verein zum „Erhalt der Rieser Bauerntracht“, aus dem schließlich der Trachtenverein „D’Rieser Nördlingen“ wurde. Heute hat der Verein noch 48 aktive Mitglieder, eine Jugend gibt es mangels Teilnehmer nicht mehr und das älteste Mitglied ist mittlerweile seit über 80 Jahren im Verein. Viele Veranstaltungen wurden früher über das Jahr hinweg besucht oder auch selbst organisiert. So trat man auf verschiedenen Trachtenfesten auf, die Tanzgruppe traf sich zum einüben der Trachtentänze und veranstaltete Familiennachmittage. 1924 feierte der Verein ebenfalls ein großes Fest. Gefeiert wurde damals die Fahnenweihe. Rund 80 Vereine waren zu diesem Fest geladen, erschienen waren damals weniger als die Hälfte, was wohl der im Festjahr herrschenden Arbeitslosigkeit und auch der Inflation geschuldet war. Die Inflation, war eine Spätfolge des Ersten Weltkrieges. Immer mehr Geld war bald immer weniger wert, Preise und Löhne explodierten. Geld wurde in Schubkarren transportiert, Bündel als Heizmaterial zweckentfremdet, die Rückseite als Schmierpapier benutzt. Die Inflation geriet zum deutschen Trauma.Und auch zum Traum der Trachtler. Denn das Fest hatte brachte dem Verein  ein Defizit von 233 Milliarden Mark. "Dieses Mal haben wir uns deshalb dafür entschieden im kleineren Rahmen zu feiern. Deshalb ist auch nur der Gottesdienst öffentlich. Die anschließende Feier findet nur für geladene Gäste statt", erklärt Beck.

Loden- und Wolkenröcke gesucht

Die Kriegsjahre setzten den Menschen und auch der Tracht des Vereins zu. "Aus den Lodenröcken der Frauen wurden Jacken für die Männer an der Front genäht. Denn der Stoff ist sehr warm. Wir sind auch heute noch immer auf der Suche nach Wolken- und Lodenröcken oder Hauben. Wenn jemand noch etwas zu Hause hat oder zufällig etwas findet, darf man es uns gerne vorbeibringen", erklärt Sandra Beck. Nach dem Krieg wurde der Verein wieder aktiv. Die verbliebenen neun Vereinsmitglieder sammelten auf dem Land noch vorhandene Trachten ein. "Am Anfang war unser Verein konfessionsübergreifend. Es waren Mitglieder mit katholischer und evangelischer Tracht. Nach dem Krieg hat man dann nur noch die evangelische Tracht getragen, weil die Mehrheit eben evangelisch ist", erzählt die 1. Vorsitzende.In den folgenden Jahren erwachte der Verein wieder mehr zum Leben. Es wurden wieder Reisen unternommen und die Zahl der Mitglieder stieg wieder deutlich an. "Im Moment sind wir 48 Mitglieder und haben keine Jugend mehr. Das liegt auch daran, dass Tracht wie wir sie tragen im Moment nicht im Trend ist. Wir hoffen darauf, dass das in Zukunft wieder besser wird", erklärt Sandra Beck. 

Bild: D`Rieser Nördlingen

Am Samstag wird gefeiert

Gefeiert wird am kommenden Samstag, 13. Juli. Um 17 Uhr findet in der Nördlinger St. Georgskirche der Gottesdienst zur Jubiläumsfeier statt. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von der Knabenkapelle. Auch der kleine Festumzug, der nach der Kirche durch die Fußgängerzone führt, sowie der Festakt in der Alten Schranne, zu dem bereits einige Ehrengäste zugesagt haben, wird von der Knabenkapelle musikalisch umrahmt.