10. April 2019, 14:58

Johannespassion am Karfreitag

Johannespassion-Kantorei Bild: F.J. Wagner
Die Passionen von Johann Sebastian Bach bilden den Höhepunkt Vertonungen der Leidensgeschichte Jesu. In Großstädten wie München sind sie jedes Jahr mehrfach von verschiedenen Chören zu hören. Im Ries gibt es diese Gelegenheit nicht alle Jahre.

Nun gehören sie auch für die Kantorei St. Georg Nördlingen zum festen Bestandteil der Oratorien, die in regelmäßigen Abständen immer wieder aufgeführt werden.

Am Karfreitag, 19. April um 18 Uhr steht wieder einmal Bachs Johannespassion auf dem Programm in der Nördlinger St. Georgskirche. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Udo Knauer singen und musizieren die Kantorei St. Georg, das Orchester „La Banda“ auf historischen Instrumenten, sowie Sabine Seidl (Sopran), Karin Steer, (Alt), Jacob Lawrence (Tenor, Evangelist), Michael Argmann (Tenor, Arien), Michael Albert (Bass, Jesus) und Johannes Weinhuber (Bass, Arien).

Bachs Johannespassion fesselt vor allem mit ihrer dramatisch-kompakten musikalischen Erzählweise bis auf den heutigen Tag. Die Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu aus dem Johannesevangelium wird in eindringlichen Rezitativen dargestellt (tragende Rollen in den Rezitativen sind Evangelist, Jesus und der Chor) und in ausdrucksvollen Arien und differenziert auskomponierten Chorälen kommentiert und reflektiert.
 

Jacob Lawrence Bild: Albert Comper

Als Evangelist ist erstmals der junge australische Tenor Jacob Lawrence zu hören, der schon als jugendlicher Sänger im renommierten Australian Chamber Choir seines Vaters Douglas Lawrence aus Melbourne regelmäßig in Nördlingen zu Gast war. Er lebt in Basel, wo er an der berühmten Schola Cantorum studierte, und hat sich auf Alte Musik spezialisiert. Für die Rolle des Jesus konnte wieder Michael Albert (Bass) gewonnen werden, der mit seiner langjährigen Erfahrung dieser besonderen Aufgabe in Bachs Oratorium Ausdruck und Tiefe verleiht. Johannes Weinhuber, der auch die Bass-Arien singt, kommen die Rollen des Petrus und Pilatus zu. Frauen als handelnde oder gar redende Personen sind - der damaligen Zeit geschuldet – unterrepräsentiert. So hat die Sopranistin Sabine Seidl lediglich kurz eine Dienerin darzustellen, die Petrus als Jünger Jesu erkennt. Dafür hat sie zusammen mit der Altistin Karin Steer beseelte und anrührende Arien zu singen.

Die Kantorei St. Georg schlüpft in insgesamt vierzehn „Turbae-Chören“ in verschiedenste Rollen, wie die Kriegsknechte bei der Gefangennahme, die Hohenpriester, die mit Pilatus verhandeln, die Soldaten, die Jesus verspotten, der aufgewühlte Mob, der frenetisch Jesu Tod fordert und die Wachen unter dem Kreuz, die um Jesu Gewand würfeln. Die plastische „Opernhaftigkeit“, die man vor über 250 Jahren Bach vorgeworfen hat, ist genau das, was heute unter die Haut geht. Doch dies ist nicht die einzige Aufgabe des Chores. In elf Chorälen übernimmt er die Rolle der Gemeinde, die das Passionsgeschehen betrachtet, außerdem rahmen zwei großangelegte Chor-Orchestersätze die ganze Passion ein.

Karten gibt es bis Mittwoch bei der Tourist-Information Nördlingen, Tel. 09081/84116 und am Karfreitag ab 17 Uhr an der Abendkasse. (pm)