Konzert

"Tears of Joy and Sorrow" begeistert in der ehemaligen Klosterkirche Auhausen

Bild: Nathalie Schnider-Lang für Musica Ahuse e.V.
„Tears of Joy and Sorrow“ lautet der Titel des Konzerts in der Klosterkirche Auhausen , das erste Konzert der diesjährigen „Kloster Klänge“ des Vereins Musica Ahuse, eingebunden diesmal in die 26. Rieser Kulturtage.

Unter der Leitung der Mezzosopranistin und Spezialistin für mittelalterlichen Gesang Sabine Lutzenberger aus Augsburg musizierte das Ensemble „Per-Sonat“ , sprich die Sopranistin Karin Weston und die Harfenistin Melina Perlein- Feliers.

In ihren einführenden Worten erläuterte Ute Vieting , 1. Vorsitzende des Vereins das diesjährige Jahresprogramm. Es zeige eine neue Perspektive auf, gerichtet auf die Musik der Frauen im Mittelalter. Das erste Konzert dieser Reihe habe die Frau als „Pilgerin“ im Blick.

„Zu allen Zeiten ist die Musik zum Sprachrohr und zum Seelentröster der Menschen geworden. …. Im Mittelalter wendeten sich die Menschen mit ihren Anliegen an Heilige…., die Gottesmutter Maria nimmt den höchsten Rang ein“, so Sabine Lutzenberger.

Ganz besondere Gegenüberstellung im Lobesgesang

Ganz besonders an diesem Konzert aber war, dass den Lobgesängen aus alten Codices des Mittelalters in lateinischer Sprache die Klage- und Liebeslieder einer Frau über ihren Geliebten gegenübergestellt wurden. Diese Lieder sind eine Rarität, weil sie vom Troubadour Martin Codax aus Vigo in Galicien einem Mädchen in den Mund gelegt wurden und so die Sicht einer Frau darstellen. Diese „Canciones de Amigo“ stammen aus dem 13. Jahrhundert und sind in galicisch-portugiesischer Sprache verfasst.

Die 7 Miniaturen , in denen das Mädchen ihre Verzweiflung und ihre Liebe den Wellen des Meeres anvertraut, bilden das Gerüst des Konzerts. Dazwischen sind die Pilgerlieder aus den verschiedenen Handschriften angeordnet.

Mit „Ondas do mar de Vigo“ schreitet Karin Weston mit ihrer glasklaren Stimme vom Hochaltar aus nach vorne in den Kirchenraum. Ihr ausdrucksvoller Gesang wird unterstrichen durch das Harfenspiel von Melina Perlein-Feliers.

Harmonisches Singen mit musikalischer Begleitung

Die weiteren der sieben Cantigas werden höchst abwechslungsreich gestaltet: Sabine Lutzenberger mit ihrem klaren Mezzosopran und Karin Weston treten in einen gesangliche Dialog zur Harfe ein, andere Cantigas werden solistisch, nur mit Harfenbegleitung geboten oder auch dreistimmig. Eindrucksvoll auch das „Salve, virgo regia“, in dem Karin Weston die Hauptstimme singt und von den beiden anderen Künstlerinnen im zweistimmigen Bordun begleitet werden.

Aus der Sammlung „Laudario di Cortona“ folgt ein sehr innig mit glockenreiner Stimme gesungenes „Ave, regina gloriosa“, darauf eine Lauda, ein Lobgesang an Maria Magdalena als Soloauftritt der Leiterin des Ensembles Sabine Lutzenberger.

Höhepunkt des ersten Teils war eine Lauda „De la cruel morte de Cristo“,ein raffiniertes und sehr anspruchsvolles Arrangement aus wechselndem Gesang der drei Stimmen in Variation mit dem Spiel der drei Harfen. Erstaunlich die Klanggewalt dieser sehr kleinen, gotischen Vorbildern nachgebauten Harfen!

Ein Harfensolo der kunstfertigen Melina Perlein-Feliers durfte sowenig fehlen wie verschiedene Sologesänge der beiden anderen Künstlerinnen. Eindruck machten auch die unterschiedlichen Standorte in der Kirche, von denen aus die Stimmen ertönten.

Bewegend insgesamt war der besondere klare Gesang des Mittelalters. Ein meditativ wirkender Abend, der in der Musikauswahl eine Reise von Vigo am wilden Atlantik über Santiago di Compostela nach Cortona in Mittelitalien bis nach Zypern nachempfand. Aus den genannten Orten stammen die klösterlichen Musikmanuskripte.

Der Beurteilung eines Konzertbesuchers habe ich nichts hinzuzufügen: “Es war ein sehr ansprechendes, insbesondere hochkarätiges Konzert.“ (dra)