29. Mai 2019, 13:26

Vom Stoff zum historischen Gewand

Bild: Judith Strohhofer
Wemding feiert Löwen, Gunst und Gulden. Zu einem historischen Fest gehören natürlich auch authentische Gewänder. In der Nähstube in Wemding konnten sich Interessierte über viele Monate hinweg historische Kleider nähen, sich Tipps von Schneiderinnen holen oder Stoffe kaufen.

Seit 3. April 2018 hatte die Nähstube in Wemding in der Wallfahrtstraße geöffnet. In der Anfangszeit war die Nähstube genau einmal im Monat für Begeisterte offen. Je näher „Löwen, Gunst und Gulden“ rückte, desto öfter hatten Interessierte die Möglichkeit dort ihre Gewänder zu nähen. „Es war von Anfang an klar, dass wir einen Ort anbieten werden, an dem man sich sein eigenes individuelles Gewand nähen kann“, erzählt Organisatorin Helga Holzinger-Hilt und führt weiter an: „Seit Februar 2019 war die Nähstube alle zwei Wochen geöffnet, kurz vor dem Fest hatten Interessierte die Möglichkeit jede Woche die Nähstube zu besuchen.“

Zur Seite standen den Interessierten an jedem Termin Schneiderinnen, die oftmals Tipps und Tricks zum Nähen verrieten. „Wer es sich nicht gleich alleine zugetraut hat, ein Gewand zu nähen, der wurde von unseren Schneiderinnen immer beraten“, so Holzinger-Hilt. Rund 2-3 Stunden benötigt eine geübte Näherin für das Anfertigen einer Bluse oder Hose, doch auch viele Neulinge haben sich an die Nähmaschine gewagt. „Es sind viele tolle individuelle Kleidungsstücke entstanden“, berichtet die Organisatorin der Nähstube. 

Besonders Stoffe aus Leinen oder Baumwolle eignen sich gut für die Herstellung von historischer Kleidung. In den vergangenen Monaten wurden daraus unzählige Blusen, Röcke, Hemden, Hosen oder auch Hauben genäht. „Man muss nicht immer teure Stoffe verwenden. Für die Herstellung eines authentischen Gewands reicht oft auch eine gebrauchte Tischdecke“, erklärt Helga Holzinger-Hilt.

Ebenso unterlagen viele Farben einer gewissen Symbolik. „Bei einer besonderen Nähaktion haben wir die Kostüme für die Stadtkapelle genäht. Passend zu den Farben der Stadt, haben wir uns für einen roten Stoff entschieden", berichtet Helga Holzinger-Hilt und fügt an: „Im Mittelalter färbten die Menschen ihre Stoffe mit Pflanzen". Bunte Farben seien damals ein Zeichen von großem Reichtum gewesen. „Die Bürger und Bauern hatten gar nicht die Möglichkeit an bunte Stoffe zu kommen.", fügt Helga Holzinger-Hilt hinzu. „Stoffe und Gewänder waren insgesamt im Mittelalter und der Renaissance sehr teuer und unglaublich wertvoll. Oftmals besaßen die Menschen nur ein Gewand", so Helga Holzinger-Hilt. In der Nähstube wurde aber nicht nur fleißig gewerkelt, sondern auch Basare angebote. Interessierte konnten dort nach Herzenslust nach Kleidern, Stoffen oder Kurzwaren stöbern.