15. Juli 2019, 10:21

40 Jahre Vogelschutzrichtlinie in der EU

Stellvertretend überreichte Landrat Stefan Rößle als Würdigung der „NATURA 2000 Partnerschaften“ Urkunden und eine kleine Auswahl regionaler Produkte. Bild: Doris Dollmann
„Landwirtschaft und Naturschutz müssen Partner sein!“ Darin waren sich alle Redner bei der Festveranstaltung in der Alten Brauerei in Mertingen einig. Bürgermeister Albert Lohner brachte es mit einem Zitat von Charles Darwin auf den Punkt „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.“ 

Allerdings müssten die Rahmenbedingungen geändert werden, denn nur dann könnten die Landwirte mit der Natur wirtschaften, so Richard Mergner, 1. Vorsitzender BUND Naturschutz in Bayern. Er führte einen Großteil des Artensterbens auf die intensive landwirtschaftliche Nutzung und die Trockenlegung der Feuchtgebiete im Donau-Ried zurück. Insgesamt hat der BUND dort 140 Hektar Land gekauft, um dort aktiven Naturschutz zu betreiben.

Karlheinz Götz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, lobte zwar die erfolgreiche Zusammenarbeit, forderte aber gleichzeitig mehr Flexibilität. „Heu macht man, wenn des Wetter gut ist, nicht wenn Schnittzeitpunkt ist“, sagte Götz wörtlich.

Unter der Überschrift „40 Jahre und kein bisschen weiter?“ referierte Günter von Lassow, von der staatlichen Vogelschutzwarte zum Thema Wiesenbrüterschutz in Bayern. Er nannte teilweise erschreckende Zahlen. So sind 7 von 10 Vogelarten derzeit vom Aussterben bedroht, darunter auch die Uferschnepfe. Die vermeintliche Zunahme von Kiebitz und Brachvogel im Bereich der Pfäfflinger Wiesen komme durch Zuwanderung aus anderen Gebieten zustande. Hinzu komme die Lebenserwartung eines Brachvogels von 25 bis 30 Jahren. Jedoch fehlten die Brutergebnisse. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass nur alle 10 Jahre ein Jungvogel tatsächlich ausgebrütet wird. Demgegenüber steht ein Beispiel aus der Landwirtschaft. Durch das Eggen eines einzigen Feldes würden laut von Lassow 140 Jungvögel an einem Tag sterben. Mit intensiver Betreuung und Beratung sollen Landwirte und Untere Naturschutzbehörde unterstützt werden. Derzeit stehen in 40 Landkreisen 83 Wiesenbrüterberater zur Verfügung, die z.B. beim Landwirt auf dem Traktor mitfahren.

Stellvertretend überreichte Landrat Stefan Rößle als Würdigung der „NATURA 2000 Partnerschaften“ Urkunden und eine kleine Auswahl regionaler Produkte an Alexander Helber und dessen Stellvertreter Rudolf Schubert (Kreisgruppe Donau-Ries BUND), Jürgen Werner und Robert Hell (Kreisbauern), sowie an die Bürgermeister Albert Lohner und Hans Kaltner (Buttenwiesen).

Der anschließende Festvortrag von Dr. Einhard Bezzel, dem ehemaligen Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte, widmete sich unter dem Titel „40 Jahre EU-Vogelschutzrichtlinie – ein Jubiläum, das nach Taten schreit!“ noch einmal dem Thema Biodiversität, also der biologischen Vielfalt, die nach seinen Worten die Grundstrategie des Überlebens auf unserer Erde sei.

Abschließend gab der ehemalige Kreisheimatpfleger und Mundart-Dichter Alois Sailer noch ein paar seiner Gedichte und Anekdoten aus dem Donau-Ries zum besten. Musikalische umrahmt wurde die Festveranstaltung von der Hofmarkmusik, die in typischer Volksmusikbesetzung auftrat.

Die EU-Vogelschutzrichtlinie wurde 1979 verabschiedet und legte den Grundstein für einen europaweiten Naturschutz. Damals ging es hauptsächlich um die Zugvögel, deren Jagd in Südeuropa den Verlust der Singvögel ins Bewusstsein rückte. Ziel der Richtlinie ist der Schutz der wildlebenden Vogelarten und deren Lebensräume. Gemeinsam mit den Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH) bilden die europäischen Vogelschutzgebiete die Grundlage für das weltweit größte ökologisch zusammenhängende Schutzgebietsnetz „NATURA 2000“. Die durch die EU geförderte Öffentlichkeitskampagne soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren und setzt auf ein partnerschaftliches Miteinander von Bürgern, Kommunen, Land- und Forstwirtschaft sowie den Interessensverbänden.