3. Juni 2019, 10:14

Bund Naturschutz kritisiert Gifteinsatz im Oettinger Forst

Symbolbild Bild: pixabay
Der BUND Naturschutz (BN) kritisiert, dass die Forstverwaltung ca. 160 Hektar Eichenwälder im Oettinger Forst wegen einer Vermehrung des Eichenprozessionsspinners mit Insektengiften spritzen lässt.

„Wir lehnen diesen Gifteinsatz in den artenreichen Eichenwälder ab, weil dadurch nicht nur der Eichenprozessionsspinner, sondern auch andere schützenswerte Insekten getötet werden“, so Alexander Helber, Vorsitzender der BN Kreisgruppe Donau-Ries. Das überwiegend eingesetzte Pestizid Mimic (Wirkstoff Tebufenozid) wirke nicht selektiv nur auf Eichenprozessionsspinner, sondern könne alle an Blättern freifressenden Insektenlarven, wie z.B. Schmetterlingsraupen töten. Dadurch verlieren auch viele Fledermaus- und Vogelarten sowie Insektenarten wesentliche Teile ihre Nahrungsgrundlage, weil sie sich auch von Schmetterlingsraupen bzw. von den sich aus den Raupen entwickelnden Schmetterlingen ernähren. Zudem sei es auch für einige Gewässerorganismen giftig, so der BN. „Derartige Gifteinsätze in Eichenwäldern vom Hubschrauber aus sind vor dem Hintergrund des erfolgreichen Volksbegehrens „Artenvielfalt“ nicht zeitgemäß“, kritisiert Ralf Straußberger, Waldreferent des BN. „Wir kritisieren zudem, dass Waldränder im Öttinger Forst behandelt wurden, obwohl diese nach Vorgaben des Pflanzenschutzrechts nicht begiftet werden dürfen. Dies wurde aber dadurch erreicht, indem die Waldränder nach Biozidrecht bespritzt werden.“

Kritik wegen Verstößen gegen Artenschutzrecht

Als besonders kritisch sieht der BN, dass die nach europäischen und nationalen Naturschutzgesetzen und –vorgaben erforderlichen Erfassungen von geschützten Schmetterlingen, Amphibien, Fledermäusen und Vögeln nicht wie vorgeschrieben für die betroffenen Einzelflächen durchgeführt wurden. „Ohne aktuelle Kartierungen von europäisch geschützten Arten kann nicht ausreichend beurteilt werden, welche Flächen vom Gifteinsatz ausgenommen werden müssen, um diese Arten zu schützen. Die fachlichen und rechtlichen Anforderungen für eine artenschutzrechtliche Genehmigung sind dann in der Regel nicht erfüllt“, so der stellvertretende Vorsitzende der BN Ortsgruppe Oettingen Jürgen Schittenhelm.

BN kritisiert späte Information

„Wir kritisieren, dass die Öffentlichkeit und wir als Naturschutzverband nicht früher informiert wurden, obwohl es laut Forstverwaltung einen langwierigen Abstimmungsprozess gab“, bemängelt Helber. „Wir wurden als BN-Kreisgruppe erst einen Tag vor dem Beginn der geplanten Spritzung per Hubschrauber informiert, welche Flächen von dem Gifteinsatz konkret betroffen sind.“

Gefährdung der Artenvielfalt in Eichenwäldern

Die "Vergiftungsaktionen" in Eichenwäldern seien besonders gravierend, weil die Eiche von allen Baumarten den mit Abstand höchsten natürlichen Insektenreichtum aufweise. Auf keiner anderen heimischen Baum- oder Pflanzenart leben mehr Insektenarten als auf der Eiche. Vor allem bei pflanzenfressende Gliederfüßler-Arten ist die Vielfalt enorm: 305 Schmetterlingsarten, 208 Käferarten, 45 Gallwespen, 39 Wanzen, u.a.m.. Insgesamt sind es in Deutschland 699 Arten, die durch ein Fraßgift wie Mimic getötet werden können. "Die Insektengifteinsätze in Eichenwäldern treffen Larven aller frei fressenden Insektenarten, die sich von Blättern der vorhandenen Bäume, Sträucher, Gräser und Kräuter in diesen Wäldern ernähren, die mit dem Fraßgift benetzt werden. Wegen der Vielfalt an Insekten, Fledermaus- und Vogelarten stehen viele Eichenwälder unter Schutz", so der Bund Naturschutz. (pm)