Landwirtschaft

Erntezeit bedeutet Schock für Wildtiere

Bild: dlugas / pixabay
Während die Erntezeit für Menschen positiv ist, bedeutet es für Wildtiere einen Schock. Nicht nur Nahrung verschwindet, auch Schutz. Dies hat auch Auswirkungen auf den Verkehr.

Für Landwirte bedeutet die Ernte Erfolg und Ertrag – für Wildtiere jedoch oft Not und Gefahr. Innerhalb weniger Stunden verwandeln sich üppige Mais- oder Zuckerrübenfelder in karge Stoppellandschaften. Was für Rehe, Hasen und viele andere Wildtiere zuvor Schutz und Nahrung bot, verschwindet abrupt. „Sobald die Felder abgeerntet und oftmals direkt umgepflügt werden, sind selbst die letzten Körner verschwunden. Das ist der sogenannte Ernteschock“, erklären die beiden Vorsitzenden des Jagdverbandes Donauwörth, Albert Reiner und Robert Oberfrank.

Gerade in der Mais- und Zuckerrübenernte spitzt sich die Situation zu: Dichte Felder bieten bis zuletzt Deckung und Nahrung. Wenn diese plötzlich wegfallen, stehen Wildtiere schutzlos da – in einer Zeit, in der sie dringend Fettreserven für den Winter anlegen müssten. Mit dem Verlust der Feldfrüchte geht auch die Deckung vor Fressfeinden wie Fuchs, Marder oder Habicht verloren.

Grüne Oasen als Rettung

Um die Folgen des Ernteschocks abzumildern, setzen Jäger und Landwirte zunehmend auf die Anlage von Hecken, Feldgehölzen und Blühstreifen. Diese Strukturen bieten nicht nur Insekten, Reptilien und Vögeln Lebensraum, sondern sind für Reh, Hase und Fasan in der Erntezeit ein überlebenswichtiger Rückzugsort. „Eine optimale Ergänzung sind Kräuterstreifen, die das Nahrungsangebot erweitern“, betont Oberfrank.

Auch der Anbau von Zwischenfrüchten wie Lupinen, Klee oder Ackersenf trägt dazu bei, dass Tiere auch nach der Ernte Futter und Deckung finden. Der Jagdverband Donauwörth engagiert sich deshalb aktiv für solche wildtierfreundlichen Maßnahmen.

Erhöhtes Risiko im Straßenverkehr

Doch der Verlust von Lebensraum hat noch eine weitere Folge: Wildtiere ziehen nach der Mais- und Rübenernte auf der Suche nach Nahrung in neue Gebiete und müssen dabei immer häufiger Straßen überqueren. „Gerade, wenn die großen Erntemaschinen auf den Feldern arbeiten, fliehen viele Tiere panisch. Das steigert das Risiko von Wildunfällen erheblich“, warnt Oberfrank. Besonders Jungtiere folgen instinktiv ihren Müttern und geraten dabei in Gefahr.

Mit Beginn des Herbstes steigt das Risiko zusätzlich: Berufsverkehr fällt nun in die Dämmerung, die Hauptaktivitätszeit von Rehen und Wildschweinen.

Appell an Autofahrer

Die Jäger rufen daher zu besonderer Vorsicht im Straßenverkehr auf: „Herbstliche Bedingungen wie nasses Laub, Schmutz und Nebel verschärfen die Gefahr“, sagt Reiner. Sein Rat: vorausschauend fahren, aufmerksam bleiben und das Tempo anpassen – insbesondere an Feldrändern, Hecken und Waldrändern. „Wer statt 100 nur 80 Stundenkilometer fährt, verkürzt den Bremsweg um rund 25 Meter. Das kann über Leben und Tod entscheiden.“

So lässt sich durch Rücksichtnahme im Straßenverkehr nicht nur das Risiko schwerer Unfälle senken – sondern auch das Leid der Wildtiere in der Erntezeit deutlich verringern. (dra)