7. September 2016, 13:28

Luzerne - Eine Alternative zum Silomais?

Freuten sich über die Alternativpflanze Luzerne
von links: Helmut Stöcker, Josef Lachner, Manfred Faber, Kaja Ihle.
Bild: Dr. Michael Ammich
Luzerne ist die älteste zur Futtergewinnung angebaute Kulturpflanze und wird auch als „Königin der Futterpflanzen“ bezeichnet. Als Alternativen für den Silomais kann sie durchaus in unserer Region mithalten. Grund genug für die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Nördlingen und Wertingen, interessierten Landwirten Expertenwissen über die blau blühende Leguminose bei einer Veranstaltung in Wemding weiterzugeben. Das Vorhaben stieß dabei auf großes Interesse.
Wemding – Leitender Landw.Direktor Manfred Faber, AELF Nördlingen, ging eingangs auf das Potenzial dieser Futterpflanze ein, bisher importierte Eiweißfuttermittel zu ersetzen. In Deutschland werden jährlich 2,4 Mio t Rohprotein meist in Form von Soja importiert. Luzerne kann bei einem Trockenmasseertrag von bis zu 100 dt/ha einen Eiweißertrag von bis zu 18 dt/ha erreichen und liegt damit an der Spitze aller bei uns angebauten Eiweißpflanzen. Der zunehmenden Forderung nach Einsatz gentechnikfreier Futtermittel könnte damit stärker Rechnung getragen werden. Luzerne übersteht längere Trockenperioden hervorragend aufgrund ihres tiefreichenden Wurzelsystems, der Anbau kann außerdem als Greening Verpflichtung angerechnet werden. Die derzeit vorherrschende Trockenheit zeigt auf den flachgründigen Jurastandorten, dass Mais mit dem immer häufiger auftretenden Wassermangel Probleme hat. Luzerne kommt damit deutlich besser zurecht. Durch die 3 – 4 Schnitte wird das Ertragsrisiko erheblich vermindert.
Katja Ihle, ebenfalls vom AELF Nördlingen, ging auf die Möglichkeiten ein, mit Luzerneanbau die Verpflichtungen zu ökologischen Vorrangflächen im Rahmen des Greening zu erfüllen. Ein weiteres Argument, das für den Anbau der Futterpflanze spricht.
Dominik Schmitz von der Qualitätstrocknung Nordbayern (ein Fusionspartner ist die Trocknungsgem. Wechingen), stellte das Angebot des Trocknungswerkes vor, Luzerne zu trocknen und als Ballen oder Cobs zu vermarkten. Die Landwirte erhalten 5 Euro netto bei konventioneller Ware bzw. 7,50 Euro pro dt Trockengut für biologisch erzeugte Ware. Mahd und Transport werden dabei übernommen. Luzerne erzielt bei entsprechenden Erträgen durchaus eine Wettbewerbskraft in Vergleich zu Winterweizen und anderen Kulturen.
Sabine Klostermeir vom AELF Wertingen erläuterte den Einsatz von Luzerne als Heu oder Cobs bzw. als Silage in der Rinderfütterung. Vor Beginn der Blüte geschnitten, kann Luzerne durchaus als eiweißreiches Kraftfutter bezeichnet werden, das sich in Kombination mit energiereichem Grundfutter (Mais) hervorragend zur Milchviehfütterung eignet. Wegen der ausreichenden Struktur ist die Trockenmasseaufnahme größer, die Milchleistung kann bei verringertem Kraftfuttereinsatz gehalten werden. Praktiker berichteten, dass sich die Gesundheit und die Fruchtbarkeit der Tiere verbessern. Auch in der Bullenmast kann Luzerne in der Ration mit Mais Sojaschrot ersetzen.
In Anschluss wurde ein Luzernebestand des Milchviehhalters Josef Lachner in Wemding besichtigt und die verschiedenen Besonderheiten im Anbau diskutiert. Helmut Stöcker, AELF Nördingen, ging dabei auf die Boden- und Witterungsansprüche, aber auch auf die Besonderheiten bei der Ernte der Pflanze ein. Die Diskussion zeigte das große Interesse der Teilnehmer, Mais zumindest teilweise durch Alternativen zu ersetzen. (pm)
Verena Gerber-Hügele
Verena Gerber-Hügele , Donau-Ries-Aktuell

Redakteurin. Macht am liebsten Reportagen, Reiseberichte und Interviews. Naturverbunden, hält sich zu Hause einen halben Bauernhof.