Im Ries hat wieder eine besondere Saison begonnen: die Wildtierrettung aus der Luft. Der Verein „Wildtierrettung Ries Mitte“ kündigt den Start seiner Einsätze an. Die Ehrenamtlichen werben um Verständnis für Maßnahmen, die auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich erscheinen, aber entscheidend zum Schutz heimischer Tierarten beitragen.
Bereits seit März sind die Ehrenamtlichen im Einsatz. Mit Drohnen und Wärmebildkameras spüren sie die Gelege seltener Wiesenbrüter wie Kiebitz und Großen Brachvogel auf. Das Ries zählt zu den bedeutendsten Brutgebieten dieser streng geschützten Vogelarten in Bayern.
Beide Arten benötigen spezielle Schutzmaßnahmen, die nach der Befliegung mit der Drohne ergriffen werden. Auch wenn die Küken geschlüpft sind, werden sie weiter begleitet und geschützt, bis sie flügge sind. Das dauert weitere sechs Wochen.
Bruterfolg im vergangenen Jahr
„Diese Maßnahmen sind maßgeblich für den Bruterfolg der vergangenen Jahre verantwortlich“, sagt Lukas Zuber, erster Vorsitzender des Vereins. Besonders die Drohneneinsätze der Wildtierrettung Ries Mitte hätten den Schutz deutlich verbessert. Im Auftrag der Naturschutzbehörden sind die Piloten derzeit unterwegs und unterstützen die Gebietsbetreuung der Vogelschutzgebiete im Ries.
Zweit großer Schwerpunkt: Rehkitzrettung
Ab Anfang Mai beginnt dann der zweite große Schwerpunkt: die Rehkitzrettung. In den frühen Morgenstunden, noch vor Sonnenaufgang, fliegen die Teams Wiesenflächen rund um Oettingen, Munningen, Heuberg und Pfäfflingen ab. Die Wärmebildkameras machen die im hohen Gras liegenden Rehkitze sichtbar. Diese werden vorsichtig aus der Wiese getragen und am Rand in speziellen Boxen gesichert, während die Landwirte ihre Flächen mähen.
„Uns ist wichtig zu sagen: Bitte berühren Sie diese Boxen nicht“, erklärt der Vereinsvorsitzende Zuber. „Die Kitze werden nach der Mahd wieder freigelassen, und ihre Mutter findet sie zuverlässig wieder.“ Spaziergänger sollten daher keinesfalls eingreifen oder die Tiere gar mitnehmen.
Zusammenarbeit von Jägerschaft und Landwirtschaft
Die Initiative geht maßgeblich von der Jägerschaft aus und wird in enger Abstimmung mit den Landwirten umgesetzt. Grundlage ist das Tierschutzgesetz, das vorschreibt, dass Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund weder Schmerzen noch Leid zugefügt werden dürfen. Die Mahd stellt dabei ein erhebliches Risiko dar, das die Ehrenamtlichen mit moderner Technik und hohem zeitlichem Einsatz minimieren.
Gegründet wurde der Verein im Jahr 2018, bereits 2019 starteten die ersten Drohnenflüge. Seither ist die Zahl der Piloten gewachsen, ebenso das Spektrum der Aufgaben. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden. (dra)