7. Juni 2018, 11:32

Streuobstlehrpfad zwischen Amerdingen und Aufhausen

Freuen sich über die Umsetzung des Streuobstlehrpfades (v.l.n.r.): Landrat Stefan Rößle, Sebastian Storch, Bürgermeister Werner Thum, Kreisfachberater Paul Buß, Bürgermeister Hermann Schmidt, sowie Erich Herreiner und Petra Riedelsheimer von Seiten der LAG Monheimer Alb. Bild: Simon Kapfer, Landratsamt Donau-Ries
Noch vor 200 Jahren gab es allein in Bayern über 1.500 verschiedene Apfel- und Birnensorten. Sukzessive sind diese Sorten aus unserer Kulturlandschaft verschwunden und zum Teil unwiederbringlich verloren gegangen.
Amerdingen/Aufhausen - Der Landkreis Donau-Ries setzt sich deshalb dafür ein seltene und alte Sorten zu präsentieren und hat aus diesem Grund zwischen Amerdingen und Aufhausen einen Streuobstlehrpfad eingerichtet. Landrat Stefan Rößle zeigte sich von diesem bei einem Besuch mit Kreisfachberater Paul Buß sehr beeindruckt. Denn das Finden und der Erhalt der verbliebenen, seltenen Sorten ist ein wichtiger Beitrag um auch weiterhin auf mögliche Veränderungen reagieren zu können: Durch die Globalisierung und den erhöhten Austausch von Waren, steigt auch das Risiko der Einschleppung von Schädlingen und Krankheiten. Durch einen großen, genetischen Pool, bedingt durch den Erhalt vieler unterschiedlicher Apfel- und Birnensorten, kann züchterisch viel schneller auf negative Entwicklungen reagiert werden (z.B. Bakterienerkrankung Feuerbrand aus Nordamerika, sehr schnell wurden hier resistente Sorten gezüchtet).
Bedingt durch den Klimawandel, werden die Witterungsverhältnisse und Standortbedingungen zum Teil extremer. Dies betrifft natürlich auch den Obstanbau. Auch hier ist es wichtig möglichst viele, unterschiedliche Sorten zu erhalten, die ggf. mit mehr Trockenheit und Hitze oder extremer Kälte und frischeren Böden zurechtkommen.
Mit dem Neubau der Kreisstraße zwischen Amerdingen und Aufhausen und dem damit neu geschaffenen Radweg, entstand eine Struktur an der Straße, die prädestiniert für die Anlage einer Streuobstwiese ist. Bedingt durch das anlaufende Leader Projekt (Kartierung alter Obstsorten im nördlichen Schwaben) und der Möglichkeit alte Sorten zu präsentieren, wurde die Idee geboren, einen neuen, kreiseigenen Sortenlehrpfad anzulegen.
Ziel des neu entstandenen Obstlehrpfads zwischen Amerdingen und Aufhausen ist es, einen Einblick in das große Spektrum der Apfel- und Birnensorten zu geben. Des Weiteren soll die Präsentation unterschiedlichster Sorten an einem Ort bei der Entscheidungsfindung helfen, welchen Baum man auf seine Streuobstwiese oder in seinen Privatgarten pflanzen kann. Ferner werden hier auch Schnitt – und Pflanzkurse abgehalten, um einen nachhaltigen Umgang mit Streuobst voranzutreiben. Die Nutzung des Lehrpfades durch Vereine, Schulen und Bürger ist ausdrücklich erwünscht.
Das Leaderprojekt „Erfassung und Erhaltung alter Apfel- und Birnensorten im nördlichen Schwaben“, an dem der Landkreis Donau-Ries mit 3 anderen Landkreisen beteiligt (AIC, DLG, A), ist bis jetzt ein voller Erfolg. Es wurden bereits jetzt zahlreiche, regionaltypische Sorten gefunden und deren Erhaltung in Auftrag gegeben. Neben dem „Pojnik“, „Flandrischen Rambur“ oder „Gewürzkalvill“, wurde auch der verschollen geglaubte „Leitheimer Streifling“ wiederentdeckt. Vor allem diese, regionaltypische, an die Witterungsverhältnisse angepasste und seltene Sorten, werden ebenfalls auf dem Lehrpfad aufgepflanzt. Neben dem Erhalt steht hier auch die Bekanntmachung im Vordergrund.
Bis jetzt wurden 67 unterschiedliche Apfelsorten aufgepflanzt, die mit Name, Reifezeitpunkt und Unterlage ausgezeichnet sind. Ziel ist weitere 100 Bäume über die nächsten Jahre zu pflanzen. Eine erste Information zum Thema Streuobstwiese gibt die dieses Jahr aufgestellte Schautafel. Durch die Unterstützung der LAG Monheimer Alb, soll das Informationsspektrum weiter ausgebaut werden: Eine weitere Schautafel ist in diesem Zusammenhang schon in Planung.
Durch seine reine ökologische Funktion, trägt der Lehrpfad erheblich zur Biodiversität zwischen Amerdingen und Aufhausen bei. Auch hier wird ein Mehrwert für die Natur geschaffen, der durch eine extensive Pflege der Wiesen komplettiert wird. (pm)