Waldbegang

Zukunft des Stiftungswaldes im Blick

Beim Waldbegang des Nördlinger Stiftungswaldes erhielten die Teilnehmenden an verschiedenen Stationen Einblicke in die aktuelle Forstarbeit, die Aufforstung mit klimaangepassten Baumarten und die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes. Bild: Magdalena Stimpfle
Oberbürgermeister David Wittner, Stadträtinnen und Stadträte, Ortssprecherinnen und Ortssprecher sowie Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung und der evangelischen und katholischen Kirche nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort über den Zustand des rund 1.450 Hektar großen Waldgebiets zwischen Ederheim, Schweindorf und Utzmemmingen zu informieren.

Die Fachkräfte des Landratsamts Ostalbkreis – Wolfgang Müller (Büroleitung der Forst-Außenstelle Bopfingen), Horst Ferner (Revierleiter Ederheim) und Sven Schmidt (Revierleiter Nördlingen) – erläuterten die aktuellen Entwicklungen, stellten umgesetzte Maßnahmen vor und gaben Einblicke in die Herausforderungen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Wie viele Wälder in Deutschland steht auch der Nördlinger Stiftungswald vor großen Herausforderungen. Trockenheit, zunehmende Wetterextreme und Schädlingsbefall verändern die Waldbestände spürbar. Um den Wald langfristig gesund, stabil und widerstandsfähig zu erhalten, arbeitet die Forstverwaltung daran, ihn schrittweise an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. An mehreren Stationen erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die laufenden Maßnahmen und erfuhren zugleich mehr über die forstwirtschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Stiftungswaldes.

Die erste Station war die rund 5,6 Hektar große Aufforstungsfläche bei Utzmemmingen. Dort wurden etwa 17.000 Pflanzen gesetzt, um zu erproben, welche Baumarten sich unter den veränderten klimatischen Bedingungen bewähren und Trockenheit, Sturm sowie Schädlingen möglichst gut standhalten. Gepflanzt wurden vorwiegend heimische und klimaangepasste Baumarten wie Feldahorn, Spitzahorn, Speierling und Elsbeere. Ergänzend wurden zwischen den Baumreihen Blühstreifen angelegt, die zur Förderung der Artenvielfalt beitragen sollen.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, wie anspruchsvoll die Wiederbewaldung ist. Aufgrund der diesjährigen trockenen Witterung sind rund 39 Prozent der Pflanzen ausgefallen. Die betroffenen Flächen sollen nachgebessert und die ausgefallenen Bäume ersetzt werden. Auch Unkrautbewuchs und Mäuse erschweren die Entwicklung der jungen Pflanzen. Bis sich auf der Fläche wieder ein ausgewachsener Wald entwickelt hat, werden voraussichtlich rund 30 Jahre vergehen. Die Kosten für die Aufforstung belaufen sich auf etwa 75.000 Euro. Das Beispiel verdeutlicht, dass ein erfolgreicher Waldumbau nicht nur die Auswahl geeigneter Baumarten voraussetzt, sondern ebenso eine langfristige Pflege und regelmäßige Kontrolle erfordert.

An der nächsten Station stand die Holzsortierung im Mittelpunkt. Sven Schmidt erklärte, nach welchen Kriterien das geerntete Holz sortiert und vermarktet wird und welchen Einfluss Baumart, Qualität und Verwendungszweck auf den erzielbaren Preis haben. Fichtenholz wird beispielsweise als Sägeholz zu aktuell rund 120 Euro je Festmeter verkauft. Die jährlich vermarktete Menge beträgt etwa 3.000 Festmeter. Buchenholz wird unter anderem als Brennholz angeboten. Der Preis liegt hier bei etwa 90 Euro je Festmeter. Insgesamt werden jährlich rund 3.000 Festmeter Brennholz an Privathaushalte und Händler abgegeben. Die Erläuterungen machten deutlich, dass eine sorgfältige Sortierung und Vermarktung wesentlich zur wirtschaftlichen Nutzung des Waldes beitragen.

Im weiteren Verlauf stellte Wolfgang Müller die Ergebnisse der Zwischenrevision vor. Dabei wurden auch die wirtschaftlichen Ergebnisse der vergangenen Jahre thematisiert: In den letzten fünf Jahren wurde im Durchschnitt ein Gewinn von rund 250.000 Euro mit dem Stiftungswald erzielt. Anschließend führte der Waldbegang zum Steinbruch bei Dehlingen. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in den Gesteinsabbau und konnten sich vor Ort ein Bild davon machen, wie das Gesteinsmaterial durch Sprengungen gelöst wird. Der Steinbruch erwirtschaftet jährlich rund 60.000 Euro für die Vereinigte Wohltätigkeitsstiftungen und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu deren wirtschaftlicher Grundlage. Neben der Forstwirtschaft wurde so auch die Bedeutung der weiteren Stiftungsflächen für die Erträge der Stiftung deutlich.

Oberbürgermeister David Wittner zog ein positives Fazit des Waldbegangs: „Auch in diesem Jahr war der Waldbegang wieder sehr interessant. Es ist wichtig, sich vor Ort ein Bild von den Herausforderungen und den bereits umgesetzten Maßnahmen zu machen. Gerade die Aufforstungsfläche zeigt, wie viel Zeit, Fachwissen und Pflege erforderlich sind, um unseren Stiftungswald an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Wir tragen gemeinsam Verantwortung dafür, diesen wertvollen Natur- und Wirtschaftsraum auch für kommende Generationen zu erhalten.“

Der Waldbegang verdeutlichte, dass der Umbau des Stiftungswaldes ein langfristiger Prozess ist, der Fachwissen, Ausdauer und ein abgestimmtes Vorgehen erfordert. Durch eine vielfältige Baumartenzusammensetzung, gezielte Pflege und eine nachhaltige Nutzung soll der Nördlinger Stiftungswald auch künftig gesund, vital und widerstandsfähig bleiben. (dra)