Wer im südlichen Donau-Ries lebt, war ziemlich sicher schon einmal in Binsberg. Bekannt ist der kleine Weiler der Großen Kreisstadt Donauwörth, der gerade einmal elf Einwohner zählt, vor allem durch den Recyclinghof – Sperrmüll entsorgen, Grünschnitt wegfahren und schnell noch zwei Rollen Gelbe Säcke mitnehmen. Die samstägliche Tour nach Binsberg ist für viele eine, zum Teil unliebsame, Routine. Doch was die wenigsten wissen: Gleich dahinter befindet sich die Deponie Binsberg. Diese erstreckt sich auf rund 9,5 Hektar. Dort landen alle Materialien, die nicht recycelt oder thermisch verwertet werden können. Es ist gewissermaßen die letzte Station im Lebenszyklus unseres Mülls. Dazu gehören auch Stoffe, die besondere Vorsicht erfordern, wie z.B. Asbest. Ein Material, das vor allem in alten Gebäuden steckt – in Dacheindeckungen, Fassaden, Fliesenklebern oder alten Nachtspeicheröfen.
Die Entsorgung ist streng geregelt: Asbest muss luftdicht in spezielle „Big Bags“ verpackt und auf der Deponie entsorgt werden. „Geschultes Personal erkennt oft schon mit bloßem Auge, ob Asbest enthalten ist“, sagt Daniela Fischer, Leiterin der Deponie Binsberg. Wer hier trickst oder falsch entsorgt, riskiert nicht nur hohe Bußgelder, sondern macht sich auch strafbar, erzählt sie. Wer sich unsicher ist, ob Asbest enthalten ist, dem rät Fischer, einen Fachbetrieb einzuschalten. Nur eine Analyse gibt hundertprozentige Sicherheit.
Große Erweiterung der Deponie in vollem Gange
Während vorne am Recyclinghof der alltägliche Betrieb herrscht, laufen im Hintergrund hochkomplexe Entsorgungsprozesse. Und genau diese werden derzeit erweitert, denn die Deponie stößt an ihre Grenzen. Bereits Mitte 2026 werden die bestehenden Kapazitäten erschöpft sein. Die Antwort darauf ist der neue Bauabschnitt „EBA IV“. Auf einer Fläche von 1,38 Hektar bietet dieser Bereich Platz für über 77 000 Kubikmeter Abfall. „Dieser Abschnitt reicht für weitere sechs bis acht Jahre“, erzählt Emma Christa, Werkleiterin des AWV Nordschwabens. Die Erweiterung der Deponie sei ein wichtiger Schritt, um die Entsorgung in der Region langfristig zu sichern.
Dies zeigt auch der Blick auf die Zahlen: Im Donau-Ries fällt immer mehr Abfall an. Allein beim Hausmüll waren es 2024 rund 22 000 Tonnen, ein Jahr später bereits 1 000 Tonnen mehr. Dieser wird von der Müllabfuhr gesammelt, auf die Deponie nach Binsberg gebracht und mit Sperrmüll vermischt. Anschließend geht es für den Abfall in die Verbrennungsanlage, zum Beispiel nach Augsburg. Die Deponie in Binsberg hingegen ist nur für das zuständig, was wirklich übrigbleibt.
Umwelt- und Naturschutz an oberster Stelle
Der Aufbau einer Deponie gleicht einem ausgeklügelten Schutzsystem: Eine dicke Lehmschicht im Boden fungiert als eine natürliche Barriere, sodass Schadstoffe nicht ins Erdreich gelangen können. Gerade deshalb erweist sich der Standort in Binsberg als ideal, da dort die erforderlichen geologischen Voraussetzungen bereits natürlich vorhanden sind. Darüber liegt Elektroofen- schlacke, ein robustes Produkt, das als Nebenprodukt aus der Bild: AWV Nordschwaben Stahlproduktion hervorgeht. Es folgt eine widerstandsfähige Kunststofffolie, die als Hauptabdichtung dient. Schutzvlies und Sandmatten ergänzen das System. Schicht für Schicht entsteht so eine Barriere, die Mensch und Umwelt für ewig schützen soll.
Besonders sensibel ist das sogenannte Sickerwasser: Es entsteht, wenn Regen in den Abfall eindringt, durch ihn hindurchfließt und dabei potenziell gefährliche Stoffe aufnimmt. In der Deponie in Binsberg wird es aufgefangen, in einer Filteranlage vor Ort vor gereinigt und anschließend in die Kläranlage geleitet. Auch Gase, die durch die Zersetzung des Abfalls entstehen, werden über Leitungen kontrolliert erfasst und über eine Schwachgasfackel unschädlich verbrannt. Denn Methan ist 28 Mal klimaschädlicher als CO2. „Man kann das Gas nicht sinnvoll nutzen“, erklärt Deponieleiterin Daniela Fischer, „aber man darf es auch nicht einfach entweichen lassen.
Wenn ein Abschnitt der Deponie mit Abfällen gefüllt ist, dann beginnt eine ganz neue Arbeit. Die Fläche wird mit einer dicken Kunststofffolie versiegelt. Im Laufe der darauffolgenden Jahre zersetzt sich das Material und der Abfall setzt sich um mehrere Zentimeter. Erst nach Jahrzehnten wird auf die Schutzfolie Erde aufgeschüttet, dann beginnt die Renaturierung. Wo sich einst Abfall türmte, wächst z.B. irgendwann ein Wald.
Schon heute lagern in Binsberg rund 816 000 Kubikmeter Abfall und Jahr für Jahr kommt weiteres Material hinzu. Die Pläne für eine erneute Erweiterung sind bereits ausgearbeitet. Insgesamt ist die Deponie Binsberg auf eine Nutzung bis zum Jahr 2063 ausgelegt.