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Was bleibt nach 15 Millionen Jahren? Wie der Geopark Ries die Region prägt

Bild: Thomas Schneid
Vor 15 Millionen Jahren schlug ein Meteorit mit gewaltiger Wucht auf die Erde ein. Doch was bleibt von diesem Ereignis – außer dem Krater?

Vom Einschlag zum Aushängeschild

Der Geopark Ries blickt im Jahr 2026 auf sein 20-jähriges Jubiläum als nationaler Geopark zurück. Seit über zwei Jahrzehnten verbindet er Wissenschaft, Bildung, Nachhaltigkeit und Tourismus.

Es war im Dezember 2003, als ein kleiner Zeitungsschnipsel über die Schwäbische Alb auf dem Schreibtisch von Heike Burkhardt landete und den Anstoß für die Gründung des Geoparks gab. Damals gab es in Deutschland gerade einmal vier Geoparks – einer davon war die Schwäbische Alb. Und plötzlich hieß es, auch der Landkreis Donau-Ries sollte sich darum kümmern, dass das Ries zum Geopark wird. „Ich hatte das vorher noch nie gehört“, erinnert sich Burkhardt, die damals in der neu gegründeten Stabsstelle Kreisentwicklung und Nachhaltigkeit im Landratsamt Donau-Ries tätig war. Schnell wurde eine Expertenrunde einberufen und ebenso schnell war allen klar: Das Konzept eines Geoparks passt perfekt zum Leitbild der nachhaltigen Regionalentwicklung im Landkreis Donau-Ries. 

Bereits drei Monate später, im März 2004, fasste der Kreistag ein stimmig den Beschluss eine Geschäftsstelle anzusiedeln und sich als Nationaler Geopark zu bewerben.

Dennoch war der Weg zur Anerkennung anspruchsvoll. Die Bewerbung bei der GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung dauerte rund zwei Jahre und musste vor einem Expertengremium in Wiesbaden verteidigt werden. 

2006 war es geschafft: Das Ries wurde offiziell als Nationaler Geopark anerkannt.

Erleben statt nur verstehen

„Die Kernaufgabe eines Geoparks ist es, die Geologie erlebbar zu machen“, so Heike Burkhardt, Geschäftsführerin des Geopark Ries e. V. Mit inzwischen 39 erschlossenen Geotopen, acht Erlebnis-Geotopen, fünf Themenwanderwegen, drei Infozentren und sechs Infostellen, zwei Kinder-Infostellen und 150 Ereignis-Tafeln, davon 26 für Kinder, sind im Ries in den vergangenen 20 Jahren eine ganze Reihe an Bildungs- und Erlebnisorten entstanden. Zudem sorgen 25 ausgebildete Geoparkführer dafür, dass Erdgeschichte nicht abstrakt bleibt. „Es gibt immer wieder Menschen, die nach einer Geoparkführung sagen: ,So habe ich meine Heimat noch nie gesehen‘“, sagt Burkhardt.

Sie vergleicht das Tätigkeitsfeld des Geoparks mit einer Tourist- Information und zudem mit einem „Netzknoten“, der zwischen Kommunen, Naturschutzbehörden, Landschaftspflegeverband und weiteren Partnern koordiniert.

Geopark als Bildungsauftrag

Heike Burkhardt sieht Geoparks wie den im Ries vor allem als Chance für ländliche Regionen, nachhaltige Regionalentwicklung, Geotourismus und Bildung für nachhaltige Entwicklung zu betreiben. Mit einem 2019 entwickelten Schulkonzept sollen Kinder und Jugendliche an Themen wie Erdgeschichte, Nachhaltigkeit und regionale Identität herangeführt werden. 

Zehn Schulen tragen bereits den Titel „Geopark Ries Schule“ und zeigen damit, dass sie sich mit dem geowissenschaftlichen Erbe des Rieskraters auseinandersetzen.

Ein großer Meilenstein: UNESCO

Seit 2022 ist der Geopark Ries offiziell als UNESCO Global Geopark ausgezeichnet. Für die internationale Sichtbarkeit und Forschungsförderung war das ein wichtiger Meilenstein. UNESCO-Geoparks werden regelmäßig durch internationale Experten und Expertinnen kontrolliert und auf Bildungsarbeit, nachhaltige Regionalentwicklung, Erkennbarkeit und die Sichtbarkeit in der Region überprüft. „Wir müssen für andere Regionen ja Vorbild sein“, erklärt Heike Burkhardt.

20 Jahre Geopark Ries

Bild: Mara Kutzner

In den vergangenen Jahren hat sich die Region sichtbar verändert: Die touristische Infrastruktur wurde ausgebaut, der Geopark ist Anlaufstelle für internationale Universitäten und Wissenschaftler geworden und integriert Archäologie, Menschheits- und Besiedlungsgeschichte. 

Das Jubiläum soll mit einem „Feierjahr“ zelebriert werden. Den Auftakt bildete ein Festakt in Nördlingen, bei dem auch die Rezertifizierung als UNESCO Global Geopark bestätigt wurde. 

Folgen sollen im Laufe des Jahres Vorträge, eine Artikelserie sowie Social-Media-Aktionen. Außerdem sind eine Wanderausstellung und die Eröffnung eines neuen Geotops bei Unterwirflingen geplant. 

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