Dass es sich beim Ries um einen Krater handelt, der durch einen Meteoriteneinschlag vor 15 Millionen Jahren entstanden ist, war lange ein großes Rätsel. Lange Zeit dachte man, es könnte sich um ein vulkanisches Ereignis gehan delt haben.
Die beiden US-amerikanischen bzw. amerikanisch-chinesischen Geologen und Impaktforscher Eugene Shomaker und Edward Chao konnten es im Jahr 1960 schließlich beweisen: Das Ries ist ein Meteoritenkrater!
Herausgefunden haben sie das, weil sie das einzigartige Gestein, den Suevit, genauer unter die Lupe nahmen und darin ganz besondere Minerale gefunden haben, die nur durch extremen Hoch druck entstanden sein können. Sie gelten als „Fingerabdrücke“ des Asteroiden, der mit 20 km/Sekunde auf die Erde zu raste und beim Einschlag eine Stoßwelle mit 4 bis 5 Millionen bar Druck erzeugte. Dabei wurden Gesteine aufgeschmolzen, zertrümmert und in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt. Eine gewaltige Glutwolke stieg bis in die Stratosphäre auf und fiel wenige Minuten später über die zerstörte Landschaft herab. Der Suevit ist ein Trümmergestein, der sich aus diesem Rückfallmaterial bilden konnte.
Die Reise zum Mond beginnt im Ries
Nachdem Shoemaker und Chao der Durchbruch in ihrer Forschung gelang, ging die Nachricht um die ganze Welt. Internationale und nationale Wissenschaftler kamen ins Ries und in allen Geologielehrbüchern wurde über das Ries geschrieben. 1970 waren die Astronauten der Apollo-14 Mission zu Gast und machten sich mit den Gesteinsformationen eines Einschlagskraters vertraut, denn schon ein Jahr später sollten sie in einem Meteoritenkrater auf dem Mond landen.
Bis heute sind immer wieder Wissenschaftsteams und Astronauten von NASA und ESA im Ries, die hier Feldstudien und geologische Übungseinheiten durchführen, um sich auf Missionen vorzubereiten. „Das Ries ist Referenzkrater für Krater auf dem Mond und auf dem Mars“, erklärt Geopark-Geschäftsführerin Heike Burkhardt. Die Forschungen im Krater seien auch wichtig für Fragen zur Entstehung des Lebens in Disziplinen wie Geobiologie, Astrobiologie und Geochemie, so Burkhard weiter. Schließlich hat vor dem Einschlag hier Leben existiert – und nach dem Impakt konnte sich wieder neues bilden.
Erst im vergangenen Jahr reiste eine Forschungsgruppe einer kanadischen Universität an, um ein Kamerasystem zu testen, das 2028 an Bord eines Rovers zum Mars geschickt werden soll.
Heike Burkhardt sagt, das Ries sei einer der besterforschten Einschlagskrater der Welt. Mittlerweile sind allerdings über 200 weitere Krater auf der Erde nachgewiesen. „Wenn das Ries hier weiter Forschungsort bleiben möchte, ist Arbeit zu leisten!“, so Burkhardt.