Während die Arbeitslosenquote in Deutschland im Jahr 2025 über sechs Prozent lag, betrug sie im Landkreis Donau-Ries lediglich rund 2,3 Prozent. Allerdings ist das nur eine Seite der Medaille. Für die Unternehmen wird zunehmend der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zum Problem, um weiter zu wachsen oder auch nur den aktuellen Stand zu halten. Sollte dies nicht gelingen, droht zwangsläufig Wohlstandsverlust in der gesamten Region.
Umso wichtiger ist es daher, schon früh in die Fachkräfte von morgen zu investieren. Daher wird immer mehr Wert auf den Nachwuchs gelegt. Doch auch hier übersteigt der Bedarf aktuell die Zahl der Auszubildenden. Davon weiß Matthias Hausmann, Regionalgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwaben, zu berichten. „Der Landkreis Donau-Ries weist die niedrigste Arbeitslosenquote bundesweit auf, zudem haben wir derzeit zahlreiche Ausbildungsstellen unbesetzt.“
Immer mehr Nachwuchskräfte aus dem Ausland
Daher wird Migration in den hiesigen Arbeitsmarkt immer wichtiger – auch im Nachwuchsbereich. Allein im Landkreis Donau-Ries waren zu Jahresbeginn 41 Auszubildende mit ausländischen Wurzeln in Berufen der Industrie- und Handelskammer gemeldet. „Ohne ausländische Auszubildende würde das Ausbildungssystem, insbesondere in Engpassberufen, deutlich stärker unter Nachwuchsmangel leiden“, stellt Matthias Hausmann klar. „Ausländische Auszubildende sind daher im Donau-Ries längst kein Randphänomen mehr, sondern ein zunehmend unverzichtbarer Bestandteil des regionalen Ausbildungs- und Fachkräftesystems.“
Wir haben mit zwei Auszubildenden gesprochen, die über unterschiedliche Wege nach Deutschland gekommen und nun hier im Donau-Ries ins Berufsleben eingestiegen sind. Sidra Mourad lernt Kauffrau für Büromanagement bei Abel+Ruf. Sajad Sultani hat sich für eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Nordschwaben entschieden. Das sind ihre Geschichten!
Mit Ehrgeiz und Zuverlässigkeit in ein normales Leben
Schon der frühere französische Staatspräsident Charles de Gaulle wusste: Man muss sich einfache Ziele setzen, dann kann man sich komplizierte Umwege erlauben! Diese Erfahrung hat auch Sidra Mourad gemacht. Als Auszubildende bei Abel+Ruf hat sie ihr Ziel erreicht, der Weg dorthin war aber alles andere als gradlinig.
Mit 21 Jahren hat die Kurdin aus Syrien das erreicht, was für die meisten Menschen hierzulande eine Selbstverständlichkeit ist: ein normales Leben.
„In Syrien hätte ich mir nie vorgestellt, dass ich mal in Deutschland bin. Dass ich so ein Leben habe wie hier und mir etwas leisten kann, ohne nachzudenken“, blickt sie zurück. „Das ist ein Geschenk für mich.“ Bis sie zu diesem Punkt warteten auf sie und ihre Familie viele Herausforderungen. 2014 flüchteten sie vor dem Krieg in der Heimat in die Türkei. Dort verbrachten sie drei Jahre. Die Erinnerung an diese Zeit: „Es war schwer, für meinen Vater Arbeit zu finden. Dazu mussten wir eine völlig neue Sprache lernen.“
Das neue Ziel: ein Ausbildungsplatz
Mit 14 Jahren kam Sidra Mourad dann nach Deutschland und schlussendlich nach Nördlingen. Dort wollte sie endlich ankommen. „Ich habe ein Ziel gehabt“, sagt sie. Nach dem Schulabschluss bewirbt sie sich bei Abel+Ruf um eine Ausbildungsstelle als Kauffrau für Büromanagement. „Mein Deutsch war damals nicht so gut und ich hatte Zweifel. Aber ich dachte, ich probiere es einfach.“ Sie bekam eine Absage. „Das war für mich schon ein kleiner Weltuntergang. Ich wollte unbedingt hier arbeiten“, gesteht Sidra Mourad. Manuel Marks, Ausbildungsbeauftragter für kaufmännische Berufe bei Abel+Ruf, erinnert sich: „Wir haben ihr abgesagt, weil wir alle Plätze belegt hatten.“
Eine Weihnachtsfeier als Wendepunkt
Das Kapitel war aber noch nicht beendet. Zu der Zeit arbeitete Sidra Mourad in einem Nördlinger Gastronomiebetrieb, wo Abel+Ruf die Weihnachtsfeier veranstaltete. Manuel Marks erkannte sie wieder und lud sie nochmal zu einem Gespräch ein. „Wir haben uns umentschieden, weil sie auf der Weihnachtsfeier so zuverlässig und ehrgeizig rüberkam. Das war ein Musterbeispiel.“ Erst als Serviceassistentin Pkw in Nördlingen eingestellt, wurde sie dann zum nächsten Ausbildungsstart übernommen. Manuel Marks bereut die Entscheidung nicht: „Zuverlässigkeit und Ehrgeiz. So kann man sie perfekt beschreiben.“ Mittlerweile ist Sidra Mourad im zweiten Lehrjahr. Der Weg bei Abel+Ruf soll nach der Ausbildung aber nicht beendet sein. „Für mich ist es Stolz, wenn ich sage, ich arbeite bei Abel+Ruf.“
Bankkaufmann? „Das wollte ich schon immer machen!“
Die Ausbildung zum Bankkaufmann: Von manchen als bieder angesehen, garantiert sie eine qualitativ hochwertige, aber auch herausfordernde Lehrzeit. Zudem bieten sich danach zahlreiche Karrieremöglichkeiten. Daher ist der Bankkaufmann immer noch für viele Menschen ein Traum – auch für Sajad Sultani.
Der 19-Jährige hat im September 2025 seine Ausbildung bei der Sparkasse Nordschwaben begonnen. Dass die Sparkassen-Filiale in Asbach-Bäumenheim mal sein Ausbildungsplatz werden würde, daran war vor 19 Jahren aber nicht zu denken. Geboren ist Sajad Sultani in Schiras. Mit knapp zwei Millionen Einwohnern gehört die im südlichen Iran gelegene Hauptstadt der Provinz Fars zu den fünf größten Städten des Landes. Seit Dezember 2025 besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft.
Seit 2015 ist Deutschland die neue Heimat
Im Dezember 2015 war er mit seiner Familie nach Deutschland gekommen – ohne jegliche Deutschkenntnisse. Nach wenigen Jahren beherrschte Sajad Sultani die Sprache aber schon fließend. „Ich konnte nach rund vier Jahren schon so sprechen wie jetzt“, erzählt er. „Ich hatte sehr viel Kontakt mit deutschen Freunden in der Schule.“ Mittlerweile sind er und seine Familie in Donauwörth angekommen. Der Vater arbeitet als Tischler, die Mutter als Reinigungskraft. Sein Bruder ist Zerspanungsmechaniker in Rain, eine Schwester arbeitet als OP-Schwester im Donauwörther Krankenhaus, die andere Schwester hat Zahnmedizinische Fachangestellte gelernt. Und nun steht auch Sajad Sultani im Arbeitsleben.
Ausbildung bei der Sparkasse: Ziel erreicht
„Meine Familie war stolz“, berichtet er von dem Moment, als er die Zusage von der Sparkasse Nordschwaben bekommen habe. Im Freundeskreis gab es aber auch Überraschung. „Ich schätze, die hätten mich eher in etwas Handwerklichem gesehen.“ Er selbst ist mehr als glücklich. „Das wollte ich schon immer machen, das war mein Plan.“ Zwar hatte er auch eine Zusage zur Ausbildung als Automobilkaufmann bekommen. „Aber als mich die Sparkasse angenommen hat, habe ich direkt zugesagt.“
Es zählt die Leistung und die Persönlichkeit
Eine Entscheidung, die Daniela Fröscher, Leiterin Personalentwicklung, begrüßt. „Die Nationalität ist völlig irrelevant. Für uns zählt die Leistung und die Persönlichkeit der jungen Menschen.“ Denn für die Sparkasse sind die Auszubildenden von heute die Fachkräfte von morgen. „Wir stellen so ein, wie unser Bedarf für die kommenden Jahre ausfällt. Wir wollen über die Ausbildung unsere Fachkräfte nachbesetzen.“ Dementsprechend gut seien auch die Übernahmechancen.