Auf dem Programm des 1. Orchesterkonzerts der diesjährigen Rosetti-Festtage im Ries standen zwei groß dimensionierte Orchesterserenaden. Vor der Pause brachten die Musiker unter ihrem früheren Chefdirigenten die 1775 für die Feierlichkeiten zum Abschluss des Studienjahres an der Universität Salzburg komponierte Serenade D-Dur KV 204 von Mozart zu Gehör. Werke dieses Genres waren im 18. Jahrhundert überaus beliebt und wurden häufig auch von vermögenden Privatpersonen für familiäre Festivitäten in Auftrag gegeben.
Zu Mozarts Zeit war es üblich, derartigen Werken für den Einzug der Musiker einen Marsch voranzustellen. In Wemding wählte Moesus hierfür den Marsch KV 215. Die Serenade selbst besteht aus einer bunten Abfolge von sieben Sätzen: Auf das eröffnende Allegro folgen mehrere Menuette und langsame Sätze sowie ein wirkungsvolles Finale. Nicht oft hatte Mozart die Möglichkeit, für eine so üppige Besetzung zu schreiben: Neben den Streichern ist der nahezu vollständige zweistimmige Holzbläserchor (ohne Klarinetten) aufgeboten sowie zwei Trompeten, was eine festliche Grundstimmung garantiert.
Nach der Pause hatten wir die seltene Gelegenheit, Rosettis einzige Orchesterserenade (Murray B25) zu hören, die, in der Besetzung beinahe identisch, sogar noch mit Klarinetten, aber mit nur einer Trompete aufwartet. Sie entstand 1788 für den Wallersteiner Hof. Im Vergleich zu Mozarts Pendant geht Rosetti um einiges freier mit der Form um. Hier zwei signifikante Beispiele: Am Beginn steht ein Marsch mit langsamer Einleitung, der in einen den Satz beschließenden ausgedehnten Grave-Abschnitt übergeht. Das Werk enthält nur ein Menuett, das allerdings mit nicht weniger als drei Trios aufwartet. Hingewiesen sei zudem auf das zauberhafte Adagio mit Echo-Effekten, eine veritable Fuge an 5. Stelle und das heiter-beschwingte Finale, in dem auch Pikkolo-Flöten zum Einsatz kommen.
Das Bayerische Kammerorchester und Johannes Moesus präsentierten sich auch in diesem Jahr in bester Spiellaune und Klangkultur. Das gewohnt hohe Interpretationsniveau schloss delikate Bläsersoli mit ein. In Mozarts Serenade ist gar ein kleines Violinkonzert (Sätze 2–4) integriert, das von Konzertmeister Stanko Madić souverän gemeistert wurde. Am Ende (wie schon vor der Pause) großer Beifall des begeisterten Publikums, für den sich die Musiker mit dem langsamen Satz aus Rosettis Sinfonie A20 (‚La chasse‘) bedankten.
Musikgenuss auf Schloss Harburg
Im Mittelpunkt des diesjährigen Festivalfinales auf der Harburg stand Konzertantes. Auf die Ouvertüre zu Mozarts Oper ‚La finta gardiniera‘ folgte das Klavierkonzert F-Dur des Memminger Gastwirts Christoph Rheineck – ein vielseitiger Musiker, der als Komponist zu Lebzeiten erfolgreich war und von Zeitgenossen wie Chr. F. D. Schubart geschätzt wurde. Das etwa 15-minütige Werk weist seinen heute weitgehend vergessenen Schöpfer als eleganten Melodiker und als satztechnisch versierten Praktiker aus. Eine Entdeckung, von Christoph Hammer und der Hofkapelle München meisterlich präsentiert.
Am Ende des ersten Programmteils dann die Sinfonia Es-Dur des Italieners Cristoforo Babbi, der ab den 1780er Jahren am Dresdner Hof als Konzertmeister wirkte. Einen besonderen Akzent verlieh dem Abend der Umstand, dass Nachfahren Babbis aus Italien angereist waren, um Musik ihres Ahnherrn mitzuerleben. Die Familie betreibt heute ein auch in Deutschland erfolgreiches Unternehmen, das insbesondere hochwertige Waffeln herstellt. Kostproben durften die Besucher am Konzertabend genießen.
Nach der Pause kamen zwei Solokonzerte zu Gehör. Zunächst Mozarts Violinkonzert KV 211, das 2. der fünf Violinkonzerte, die der Meister in den 1770er Jahren schuf. Der Geiger Rüdiger Lotter, der die Hofkapelle auch leitet, überzeugte mit schlanker Tongebung und feinem Stilgefühl. Das abschließende Klavierkonzert G-Dur Murray C3 schrieb Antonio Rosetti Ende der 1780er Jahre in Zusammenarbeit mit der Pianistin Anna von Schaden, die einige Jahre am Wallersteiner Hof lebte und mit der dortigen Hofkapelle immer wieder konzertierte. Obwohl Belege fehlen, ist davon auszugehen, dass Schaden, eine enge Freundin Rosettis, den Klavierpart entwarf, während für Orchesterpart und Instrumentierung dieses „Amicitae Concert“, so die Formulierung auf dem Titelblatt der Druckausgabe, der Wallersteiner Hofkapellmeister verantwortlich zeichnete.
Den anspruchsvollen Solopart des 25-minütigen Werkes meisterte Christoph Hammer, der auch die Kadenzen beisteuerte, bravourös und mit großer Klangkultur. Zusammen mit der kleinbesetzten aber trotzdem klangvoll agierenden Hofkapelle (12 Musiker) war eine beglückende Wiedergabe zu erleben. Am Ende begeisterter Beifall des nahezu ausverkauften Hauses, den die Musiker mit dem Binnensatz aus einem weiteren Klavierkonzert von Rheineck belohnten. (dra)