Nach ihrer gemeinsamen Teilnahme an der Kundgebung für die Beschäftigten der Varta AG am vergangenen Freitag auf dem Ellwanger Marktplatz haben sich Oberbürgermeister David Wittner und Oberbürgermeister Michael Dambacher mit einem gemeinsamen Schreiben an den Bundeskanzler, die Ministerpräsidenten sowie die zuständigen Bundes- und Landesminister gewandt. Darin fordern sie den Bundeskanzler auf, Verantwortung für den Schutz der deutschen und europäischen Industrie zu übernehmen. Es gehe um den Erhalt technologischen Know-hows, industrieller Wertschöpfung und strategisch wichtiger Industriekompetenz sowie um die Frage, wie Deutschland und Europa ihre wirtschaftliche Souveränität künftig sichern wollen.
Gemeinsam hatten beide Oberbürgermeister an der Kundgebung teilgenommen, um den Beschäftigten und ihren Familien ihre Solidarität zu zeigen. Die zahlreichen Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hätten deutlich gemacht, wie groß die Sorgen um die Zukunft der Arbeitsplätze sowie der Standorte Ellwangen, Nördlingen und Dischingen seien. Die Standorte dürften nicht auseinanderdividiert oder gegeneinander ausgespielt werden. Ebenso wenig dürfe Varta zerschlagen werden.
In ihrem Schreiben stellten Oberbürgermeister David Wittner und Oberbürgermeister Michael Dambacher außer Frage, dass unternehmerische Fehlentscheidungen zur heutigen Situation beigetragen haben. Ebenso klar sei jedoch, dass daraus nicht die falschen Konsequenzen gezogen werden dürften. Die wirtschaftlichen Interessen einzelner Gläubiger und eine mögliche Zerschlagung des Unternehmens dürften nicht dazu führen, dass über Jahrzehnte aufgebaute Industriekompetenz, technologisches Know-how und industrielle Wertschöpfung dauerhaft verloren gehen. Mit Varta stehe nicht nur die Zukunft zahlreicher Arbeitsplätze auf dem Spiel, sondern auch ein bedeutender Teil deutscher Batterie- und Speichertechnologie sowie mehr als 130 Jahre Industriegeschichte.
Für Oberbürgermeister David Wittner und Oberbürgermeister Michael Dambacher ist der Fall Varta ein Weckruf für die deutsche und europäische Industriepolitik. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten komme es darauf an, industrielle Wertschöpfung, technologisches Know-how und strategische Schlüsseltechnologien im eigenen Wirtschaftsraum zu sichern. Wer wirtschaftliche Souveränität und einen starken Industriestandort als politisches Ziel formuliert, müsse jetzt Verantwortung übernehmen und die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit diese Kompetenzen langfristig in Deutschland und Europa erhalten bleiben. (dra)