Jahrzehntelang war die Metzgerei Schlecht eine Institution in der Nördlinger Innenstadt und eine sichere Anlaufstelle für traditionelle Wurst- und Fleischwaren. Damit ist nun aber Schluss. Zum 15. August schlossen Rose-Marie Schlecht und Sohn Paul den Familienbetrieb.
Auch in Donauwörth verliert die Innenstadt mit der Bäckerei Schlegel ein Aushängeschild. Zum Ende des Jahres schließt Inhaberin Anila Giylja das Geschäft. Ob wieder ein Bäcker einzieht, steht noch in den Sternen.
Anders als bei der Metzgerei Schlecht. Dort hat die Metzgerei Göth die Filiale übernommen. Hier war vor allem der wirtschaftliche Aspekt ausschlaggebend, wie Wolfgang Göth bestätigte. „Die Metzgerei Schlecht ist ein sehr gut geführter und etablierter Handwerksbetrieb, der nicht aus wirtschaftlichen Gründen aufhört, sondern weil innerhalb der Familie keine Nachfolge möglich ist. Das war für uns eine sehr gute Ausgangslage.“
Die Nachfolgefrage ist oft das Problem
Gerade die Nachfolgefrage wird aber immer öfter zum entscheidenden Faktor für den Erhalt einzelner Betriebe. Allein von 2011 bis 2016 ging die Anzahl der Bäckereien im Landkreis Donau-Ries von 49 auf 43 zurück, bei den Metzgereien belief sich der Rückgang von 48 auf 38. „Die Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren fortgesetzt“, erklärt Christoph Schweyer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordschwaben, und fügt hinzu: „Grund ist unter anderem die schwierige Betriebsnachfolge.“ Dazu kämen noch Faktoren wie Fachkräftemangel, steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie eine zunehmende Bürokratie.
Aktuell gibt es laut Kreishandwerkerschaft Nordschwaben im Donau-Ries 46 Betriebe im Lebensmittelgewerbe – sprich Bäckereien und Metzgereien. Allein im Bäckerhandwerk ist die Zahl der Auszubildenden (Bäcker und Fachverkäufer) in den vergangenen zehn Jahren drastisch von 33 auf 14 zurückgegangen. Zahlen, die die Agentur für Arbeit bestätigt. Aktuell sind dort für die 14 Ausbildungssuchenden 31 offene Ausbildungsstellen für den Bereich Lebensmittel- und Genussmittelherstellung gemeldet. „Insgesamt ist zu sagen, dass jemand, der Bäcker oder Metzger ist und arbeitslos wird, schnell wieder eine Stelle findet – wenn alles andere passt, wie z.B. Gesundheit, Mobilität, usw.“, schätzt die Arbeitsagentur die Situation im Donau-Ries ein.
Umso positiver bewertet Schweyer daher den aktuellen Fall um die Metzgerei Schlecht. „Ein Besitzerwechsel ist eben nicht automatisch eine Schließung. Im Gegenteil: Eine gelungene Übergabe zeigt, dass ein Betrieb eine Zukunft haben kann.“
Unterschiedliche Herausforderungen für Bäckereien und Metzgereien
Allerdings sieht PD Dr. Dipl.-Geogr. Markus Hilpert, der sich an der Universität Augsburg am Lehrstuhl für Humangeographie und Transformationsforschung auch mit Stadtentwicklung beschäftigt, unterschiedliche Herausforderungen bei Bäckern und Metzgern. Fachkräftemangel, Nachwuchsproblemen, steigenden Energie-, Personal- und Rohstoffkosten sind allgemeine Probleme. Allerdings sind Bäckereien und Metzgereien mittlerweile mit einem anderen Konsumverhalten konfrontiert.
Metzgereien sind demnach noch eher Anlaufstellen für Laufkundschaft, „weil viele Menschen bei Fleisch- und Wurstwaren auf handwerkliche Qualität und regionale Herkunft achten“. Backwaren würden hingegen „oft en passant mitgenommen werden, also nicht nur beim Bäcker, sondern auch im Backshop oder im Supermarkt“. Daher stellt sich für Hilpert im Bereich Stadtentwicklung grundsätzlich die Frage, ob Innenstädte noch Einzelhandel brauchen. Natürlich brauche es Gründe für Menschen, in die Innenstadt zu gehen, um diese lebendig zu halten. „Das muss nicht zwingend der klassische Einzelhandel mit Kaufhäusern, Modegeschäften und Schuhläden sein.“ Diese Funktion könnten auch Gastronomie, Märkte oder Veranstaltungen erfüllen.
Nahversorgung und alternde Gesellschaft
Dennoch haben Bäckereien und Metzgereien eine wichtige Rolle in der Nahversorgung und damit für eine hohe Lebensqualität in der Innenstadt. Allerdings sieht Hilpert eher eine Abkehr von reinen Verkaufsstellen hin zu Begegnungs- und Verweilorten. Bäckereien mit Cafébereich oder Metzgereien mit Mittagstisch könnten solche Möglichkeiten sein.
Auch Christoph Schweyer hofft auf einen Verbleib von Bäckereien und Metzgereien in den Innenstädten im Donau-Ries. „Wenn solche Geschäfte verschwinden, geht deshalb nicht nur ein Laden verloren, sondern ein Stück Alltagsleben und Aufenthaltsqualität.“ Gerade in Bezug auf eine alternde Gesellschaft im Land sieht er die Frage der Nahversorgung daher dringend geboten.
Zukunftsfähigkeit durch die eigenen Stärken
Zumal auch kleinere Betriebe mit einer oder zwei Filialen durchaus zukunftsfähig sein können. Wichtig sei es dabei jedoch, dass diese konsequent ihre Stärken ausspielen, sprich: Qualität, Regionalität und Handwerk. „Ein kleiner Betrieb kann nicht über den Preis gegen einen Discounter oder eine große Filialstruktur antreten“, sagt Schweyer.
Das weiß auch Wolfgang Göth, der noch einen weiteren wichtigen Aspekt einbringt. „Ein Punkt, der unserer Meinung nach von vielen kleinen Metzgereien noch immer unterschätzt wird, ist das Marketing. Gerade über kostenlose Kanäle wie Facebook oder Instagram kann ein kleiner Handwerksbetrieb heute mit relativ einfachen Mitteln zeigen, was hinter seinen Produkten steckt.“