Wahlkampfveranstaltung

Sahra Wagenknecht in Bäumenheim: "Wir brauchen endlich mehr Leistung in der Bundesregierung!"

Sahra Wagenknecht war am 26. Februar 2026 auf Einladung von Manfred Seel (rechts) nach Bäumenheim gekommen. Bild: Jennifer Wagner
Prominenter Besuch in Asbach-Bäumenheim: Sahra Wagenknecht folgte am 26. Februar der Einladung von Manfred Seel in die Schmuttergemeinde, um die politischen Positionen des BSW vorzustellen.

Besondere Sicherheitsvorkehrungen prägten den Donnerstagabend in der Schmutterhalle in Asbach-Bäumenheim: Bereits am Nachmittag waren zahlreiche Sicherheitskräfte im Einsatz, auch ein Bombenspürhund kontrollierte das Gebäude. Anlass war der Besuch von Sahra Wagenknecht, Politikerin und Gründerin des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), die vor rund 600 Besucherinnen und Besuchern sprach.

Eingeladen hatte Manfred Seel, der bei der Kommunalwahl 2026 erstmals mit einer Gemeinderatsliste für das BSW antritt. Seel nutzte seine engen Kontakte, um Wagenknecht erneut in den Landkreis zu holen. Sie war in der Vergangenheit bereits mehrfach in der Region zu Gast. Dieses Mal vor dem Hintergrund die örtlichen Kandidaten für die Kommunalwahl am 8. März zu unterstützen. 

Seel: „Es geht um die Zukunft von Bäumenheim“

Bevor Sahra Wagenknecht an das Rednerpult trat, nutzte Manfred Seel die Gelegenheit, die Wichtigkeit der Kommunalpolitik zu betonen. Es gehe an diesem Abend um weit mehr als eine Wahlversammlung, vielmehr um die Zukunft der Gemeinde. Entscheidungen vor Ort seien unmittelbar spürbar und betreffen den Alltag der Bürgerinnen und Bürger direkt. 

Mit Blick auf die Gemeindefinanzen warnte Seel davor, heutige Entscheidungen auf Kosten künftiger Generationen zu treffen. Hintergrund sind die große Investitionen, wie der Neubau des Schulzentrums und des Hallenbades, die die Gemeinde vor der Brust hat. Gleichzeitig forderte er gebührenfreie Kitas, ein Seniorenwohnen im Ortskern und bessere Bedingungen für die örtlichen Vereine, wie der TSV Bäumenheim. Konkret sprach er sich für ein Sportzentrum am Sportplatz aus, mit einer Sporthalle sowie einem angrenzenden Freizeitbereich. Abschließend appellierte Seel an die Bürgerinnen und Bürger, ihr Wahlrecht zu nutzen. "Verändern kann nur, wer wählen geht", so Manfred Seel. 

Fokus auf Bundespolitik

Sahra Wagenknecht ging in ihrer rund einstündigen Rede nicht auf kommunale Themen ein, sondern widmete sich ausschließlich bundespolitischen Fragen. Sie betonte jedoch, dass kommunale Wahlergebnisse immer auch ein Signal an die Bundespolitik seien und umgekehrt. Scharfe Kritik richtete sie an Bundeskanzler Friedrich Merz. Während unter früheren Regierungsmitgliedern Deutschland international belächelt worden sei, habe die Welt unter "Merz mit seinen militaristischen Sprüchen und seiner wahnwitzigen Aufrüstung wieder ein bisschen Angst vor uns". Wagenknecht stellte infrage, ob dies eine positive Entwicklung sei, und forderte eine Politik, die Deutschland wieder zu einem respektierten Player mache. Auch die Forderung von Merz, die Deutschen müssten mehr arbeiten, um die Wirtschaftskrise zu überwinden, kritisierte sie deutlich. Eine solche Aussage zeige eine große Distanz zur Lebensrealität vieler Menschen, insbesondere angesichts zunehmender Arbeitsplatzverluste. Für ihre Forderung, nicht mehr Leistung von den Bürgern, sondern von der Bundesregierung zu erwarten, erhielt sie großen Applaus aus dem Publikum. 

Sahra Wagenknecht (links) und Julia Sievon (Jugendverband BSW Nürnberg). Letztere feierte an diesem Abend ihren 24. Geburtstag. Bild: Jennifer Wagner

Gesundheit, Altersarmut & Bildung

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Rede war das Gesundheitssystem. Wagenknecht stellte infrage, ob die Politik der vergangenen Jahre tatsächlich im Interesse der Bürger*innen gehandelt habe. Stattdessen würden ihrer Meinung nach vor allem Pharmakonzerne profitieren, die hohe Preise für Medikamente durchsetzen konnten, während Versicherte steigende Beiträge zahlen müssten.

Auch das Thema Altersarmut griff sie auf und kritisierte die Lebensbedingungen vieler älterer Menschen, die trotz eines langen Arbeitslebens finanziell kaum über die Runden kämen. Sie verwies auf Rentner, die Flaschen sammeln und deren Einnahmen sogar auf staatliche Leistungen angerechnet würden. Ein solcher Umgang mit älteren Menschen sei für sie ein Zeichen sozialer Schieflage. "Ich muss ehrlich sagen, in so einem Land will ich nicht leben, in dem es so vielen Menschen schlecht geht", so Wagenknecht. 

Darüber hinaus bemängelte Wagenknecht strukturelle Probleme im Bildungssystem. Trotz eines großen Interesses am Medizinstudium gäbe es zu wenige Studienplätze, was zum Ärztemangel beitrage. Statt ausreichend auszubilden, werde Personal aus anderen Ländern angeworben. Gleichzeitig kritisierte sie die starke Fokussierung auf Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz, während grundlegende Probleme im Bildungssystem ungelöst blieben. Vorrang müsse aus ihrer Sicht die Förderung der Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen haben.

Redakteurin. Recherchiert und schreibt für online und im blättle. Immer unterwegs, ob bei einer politischen Diskussion, einem Unfall oder im Eins-zu-eins Gespräch mit ihren Interviewpartnern. Zimmerpflanzenbeauftragte im Redaktionsbüro. Steht in ihrer Freizeit auf dem Tennisplatz.
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