Kommunalwahl 2026

Nach dem Wahlsieg: Das ist Kaisheims neuer Bürgermeister Andreas Strobel

Bild: Thomas Oesterer
Am Sonntagabend wurde Andreas Strobel (CSU) zum neuen Bürgermeister von Kaisheim gewählt. Das Besondere: Strobel selbst kommt nicht aus der Marktgemeinde. Was seine Pläne für die Zukunft sind

Als am Sonntagabend in der alten Turnhalle von Kaisheim die ersten Ergebnisse auf die Leinwand übertragen wurden, war die Spannung nur kurz greifbar. Schon wenige Minuten nach Beginn der Auszählung zeichnete sich ab, wer künftig an der Spitze der Marktgemeinde stehen wird: Andreas Strobel. Gegen 18:15 Uhr war dann bereits klar, dass der 49-Jährige die Bürgermeisterwahl für sich entscheiden würde. Für Strobel selbst fühlte sich der Moment dennoch länger an. „Man sitzt auf Kohlen“, sagt er rückblickend. „Ein Stimmbezirk nach dem anderen kommt rein, und jedes Mal verändert sich das Ergebnis nur ein kleines bisschen.“ Gemeinsam mit Unterstützern verfolgte er den Wahlabend in der Turnhalle. Zuvor hatte der Tag vergleichsweise ruhig begonnen: wählen gehen, ein Spaziergang, Kaffee trinken – und erst am Abend wurde es politisch. Dass der neue Bürgermeister nicht in Kaisheim lebt, gehört zu den besonderen Geschichten dieser Wahl.

Karriere bei der Polizei

Strobel wird in wenigen Tagen 50 Jahre alt, ist verheiratet und Vater von sechs Kindern. Mit seiner Familie lebt er derzeit im Ortsteil Lauterbrunn der Gemeinde Heretsried im Landkreis Augsburg. Die Verbindung zu Kaisheim erklärt er gerne mit einer kleinen historischen Anekdote: Lauterbrunn gehörte einst zum Kloster Kaisheim – ein Detail, das er auch im Wahlkampf immer wieder erzählte.

Beruflich blickt Strobel auf eine lange Laufbahn bei der Polizei zurück. Seit 32 Jahren ist er Polizeibeamter, zuletzt bei der Polizeiinspektion Augsburg-Mitte. Dort leitete er eine Verfügungsgruppe mit rund 26 Mitarbeitern und war unter anderem für Großveranstaltungen, Demonstrationen oder Objektschutz zuständig. Veranstaltungen wie der Augsburger Plärrer, der Christkindlesmarkt oder die Sommernächte gehörten zu seinem Arbeitsalltag. Zuvor arbeitete Strobel mehrere Jahre bei der Kriminalpolizei. „Diese Mischung aus operativer Polizeiarbeit und Verwaltungserfahrung bringt natürlich einen gewissen Blick für Strukturen mit“, sagt er.

Einstieg in die Politik – zunächst eher zufällig

Sein Weg in die Kommunalpolitik begann 2008 im schwäbischen Neusäß. Dort zog Strobel für die Freien Wähler in den Stadtrat ein. Sieben Jahre lang arbeitete er im Anschluss kommunalpolitisch mit - bis zum Umzug nach Heretsried. Später trat er dann der CSU bei und gründete 2020 sogar einen eigenen Ortsverband. Der Kontakt nach Kaisheim entstand wiederum durch Zufall: Ein Kollege, der im Marktgemeinderat sitzt, sprach ihn 2019 an, ob er sich eine Bürgermeisterkandidatur vorstellen könne. 2020 trat Strobel deshalb erstmals an – damals für die Freie Bürgerstimme – und erreichte rund 43 Prozent der Stimmen. Das Fundament für den jetzigen Erfolg war gelegt.

Im Sommer 2024 kam dann erneut Bewegung in die Kaisheimer Kommunalpolitik. Nach turbulenten Entwicklungen in der Gemeinde wurde Strobel vom stellvertretenden CSU-Ortsvorsitzenden angesprochen, ob er für die Partei kandidieren wolle. Dieses Mal sagte er zu – und übernahm gleichzeitig den CSU-Ortsvorsitz in Kaisheim. Innerhalb der Partei erhielt er breite Unterstützung. Dass er nicht in der Marktgemeinde wohnt, sieht Strobel selbst nicht als Nachteil. Im Gegenteil: „Man hat eine gewisse Objektivität. Wer tief im lokalen Netzwerk steckt, hat oft automatisch eine Brille auf.“ 

Zahlreiche Projekte im Fokus

Wenn Strobel Anfang Mai sein Amt antritt, warten bereits mehrere Themen auf ihn. Ganz oben auf der Agenda steht der Ausbau der Kinderbetreuung. „Kinderbetreuung muss für Eltern und Gemeinde bezahlbar sein, ohne dass der pädagogische Anspruch leidet“, sagt er. Ein zweiter Schwerpunkt sei die Wirtschaftsförderung. Kaisheims Neu-Bürgermeister möchte neue Gewerbeflächen entwickeln und stärker mit dem Wirtschaftsförderverband des Landkreises Donau-Ries zusammenarbeiten. Ziel sei es, lokale Unternehmen zu halten und neue anzusiedeln. Auch beim Wohnraum sieht er Handlungsbedarf. Viele junge Kaisheimer würden derzeit in Nachbargemeinden ziehen, etwa nach Buchdorf, weil Bauplätze fehlen. Neben neuen Baugebieten setzt Strobel deshalb auch auf Innenentwicklung, Leerstandsmanagement und mehrgeschossigen Wohnbau. Das erklärte Ziel: „Wir müssen Kaisheim attraktiv machen – zum Wohnen, zum Arbeiten und für Familien!"

Neben konkreten Projekten möchte der neue Bürgermeister auch die politische Kultur verändern. Nach seinen Gesprächen im Wahlkampf sei der Wunsch nach einem konstruktiveren Miteinander groß gewesen. Sein persönlicher Wunsch für das erste Amtsjahr ist deshalb weniger ein einzelnes Bauprojekt als ein funktionierendes Team: Verwaltung, Gemeinderat und Bürgermeisteramt sollen enger zusammenarbeiten. Zunächst wird Strobel als Pendler nach Kaisheim kommen. Die Fahrt aus dem Landkreis Augsburg dauert rund 30 Minuten. Perspektivisch kann sich die Familie auch einen Umzug vorstellen, doch mit sechs Kindern und einer großen Immobilie sei das eine Entscheidung, die Zeit und viel Abwägung brauche. Sicher ist für den 49-Jährigen nur eines: Präsenz vor Ort. „Die Menschen sollen wissen: Wenn sie ein Anliegen haben, können sie vorbeikommen - jederzeit.“

Redakteur. Schreibt bei uns für Online und blättle. Ist in Donauwörth geboren und aufgewachsen und der Stadt sehr verbunden. In seiner Freizeit als Spieler und Trainer auf den Fußball - und Tennisplätzen der Region zu finden.

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