Kommentar
Meine Meinung

Bei diesem Wahlkampf hat sich die CSU komplett verrannt

Die CSU-Verantwortlichen um Claudia Marb schauen versteinert auf die ersten Zwischenergebnisse. Bild: Matthias Stark
Die Stichwahl hat es gezeigt: Michael Dinkelmeier hat der CSU ein Lehrstück geliefert, wie moderner Wahlkampf geht. Ein Kommentar unseres DRA-Redakteurs Manuel Habermeier.
Kommentar von Manuel Habermeier

Am Sonntagabend konnte man, lange bevor alle Wahlbezirke ausgezählt waren, zwei Dinge festhalten: Zum einen, dass Michael Dinkelmeier Landrat wird. Zu klar waren die Zwischenergebnisse über die komplette Zeit. Zum anderen, dass sich die CSU mit ihrer Art des Wahlkampfs – vor allem in den zwei Wochen vor der Stichwahl – keinen Gefallen getan hat. Oder anders ausgedrückt: Die CSU hat sich in diesem Wahlkampf komplett verrannt.

Natürlich bringt es Aufmerksamkeit, wenn der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder zum Gratis-Eis vorbeikommt. Und der Massenandrang hat auch einen schönen Schein vermittelt – von dem sich die CSU-Verantwortlichen im Donau-Ries aber vielleicht haben blenden lassen. Einen großen Teil der Menschen vor Ort machten Jugendliche aus. Die kamen nicht, um ihre Solidarität mit der Landratskandidatin Claudia Marb zu zeigen, sondern um das Social-Media-Phänomen Söder live zu erleben. Die Frau neben Söder? Für viele bei diesem Event uninteressant.

Die Wähler haben Michael Dinkelmeier belohnt

Währenddessen war Michael Dinkelmeier im Landkreis unterwegs und mit den Menschen im Gespräch. Auch mit Menschen, die nicht seiner Meinung waren oder den Freien Wählern nahestanden. Der künftige Landrat betonte während des Wahlkampfs immer wieder, dass er nahe bei den Bürgern und im ständigen Austausch mit ihnen sein wolle.

Die Bürger haben sein Engagement an der Wahlurne nun belohnt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Michael Dinkelmeier fast über den kompletten Landkreis hinweg gewonnen hat? Lediglich in Rain und Umgebung, Claudia Marbs Heimatregion, konnte die CSU sich durchsetzen und in Forheim. Alles andere war Freie-Wähler-Land. Er holte sogar Wahlbezirke, die bei der Kommunalwahl noch klar an Claudia Marb gingen, wie z.B. Asbach-Bäumenheim oder Mertingen.

In der eigenen CSU-Komfortzone verharrt

Natürlich veranstaltete Claudia Marb ebenfalls ihre Zuhörtour, die sie unter das Motto „nahbar unterwegs“ gestellt hat. Zumeist hatte man aber den Eindruck, dass sie sich hauptsächlich in der CSU-Blase bewegt hat. Sollte der Plan gewesen sein, den Fokus darauf zu legen, die eigene Wählerschaft komplett zu mobilisieren, scheint dies angesichts der Zahlen fehlgeschlagen. Während die Wahlbeteiligung im Vergleich zur Kommunalwahl massiv gesunken ist, hat sich ihr Ergebnis nur minimal verbessert. Also entweder hat die CSU nicht mehr Potenzial im Donau-Ries – was mit Blick auf die Bundestagswahl 2025 nicht plausibel scheint – oder die CSU-Wähler sind einfach nicht in der Menge zur Wahl gegangen.

Aus dieser Wahlniederlage muss die CSU nun die passenden Schlüsse ziehen. Es lohnt sich, mit den Menschen in den direkten Austausch zu gehen. Und zwar nicht nur mit den eigenen Stammwählern, sondern mit allen Bürgern, auch mit denen aus anderen politischen Lagern. Oder wie es Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring direkt nach der Wahl in Worte fasste: „Er (Dinkelmeier, Anm. d. Red.) hat in den letzten Wochen auch nicht darauf gesetzt, den ein oder anderen Polit-Star aus München einzufliegen und die große PR-Aktion zu machen. Er hat Hausbesuche gemacht, war bei den ‚echten‘ Menschen und hat ihnen zugehört.“ (Hier die Stimmen nach der Wahl)

Manchmal kann die richtige Lösung so einfach sein.