Das kleine Fessenheim wurde am Montagabend zum Nabel der Kommunalpolitik. Bei der Podiumsdiskussion stellten sich alle sechs Kandidatinnen und Kandidaten den Fragen der Frauenliste, sowie den Fragen aus dem Publikum. Das Interesse war so groß, dass die Frauenliste die Räumlichkeiten schließen mussten und sogar noch Tontechnik nach draußen verlegt wurde. Dort konnten zahlreiche weitere Gäste noch die Diskussion verfolgen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde begann die Fragerunde. Um für Chancengleichheit zu sorgen, gab es zwei Regeln: Vor der Fragerunde wurde die Reihenfolge zufällig gezogen, und es gab eine Zeitbegrenzung von einer Minute pro Frage. Moderiert wurde der Abend von Theresa Ulbricht.
In der ersten Frage konnten sich die Kandidatinnen und Kandidaten vorstellen und darlegen, warum sie das Amt jeweils gut ausfüllen können. Auch die zweite Frage drehte sich um die Persönlichkeit: Was bringt sie an die Belastungsgrenze? Die Themenrunde begann mit der Frage nach sozialen Ungerechtigkeiten, sowie der Gleichberechtigung und Gleichstellung im Landkreis. Hier betonte Albert Riedelsheimer, dass man bspw. beim AWV eine junge Frau als Leiterin des AWVs eingestellt hatte. Claudia Marb erinnerte an die Positionierung der Stellvertreter von Landrat Stefan Rössle, der zwei Stellvertreterinnen und einen Stellvertreter hat. Für Albert Singer ist die größte Ungerechtigkeit die unerkannte Armut im Landkreis. Michael Dinkelmeier betonte den Bedarf an bezahlbaren Wohnraum und der Mobilität im ländlichen Raum. Claudia Müller erinnerte, dass soziale Ungerechtigkeit bereits im Kindesalter beginnt. Mark Tanner machte deutlich, dass es noch ein Lohngefälle zwischen Männern und Frauen gibt.
Weiter ging es mit dem Thema Bildung: Wie lassen sich Familien früher unterrichten & welche Hilfen braucht es. Michael Dinkelmeier betonte die Familie als Fundament der Gesellschaft und möchte einen Familienstützpunkt am Landratsamt etablieren. Claudia Müller hat als Mutter von drei Kindern viel Erfahrung und betont verlässliche Betreuung als wichtige Verlässlichkeit. Mark Tanner hat die sprachliche Förderung für Kinder im Fokus. Ulrich Singer regte eine Zunahme von Kindern an - schließlich macht der Prozess Spaß und das Ergebnis ist wunderschön. Albert Riedelsheimer stimmte der Bedeutung von Verlässlichkeit in der Betreuung zu. Er kritisierte jedoch den Mangel an Lehrkräften durch den Freistaat. Claudia Marb will die Geburtshilfe im Landkreis erhalten und die Hebammen unterstützen, sowie die Familienbeauftragte und den Kreisjugendring unterstützen.
ÖPNV, Wirtschaft & Nachhaltigkeit
Um den ÖPNV drehte sich die nächste Frage. Albert Riedelsheimer betonte die Bedeutung und er erinnerte an seine Zustimmung zum Beitrieb des Landkreises zum AVV. Für Michael Dinkelmeier ist der Beitritt zum AVV eine entscheidende Bedeutung. In der zentralen Struktur sieht er einen erheblichen Vorteil in den Kosten. Auch Claudia Müller hat für den Betritt zum AVV gestimmt und betonte, dass der ÖPNV auch Jugendlichen eine Mobilität ermöglicht. Claudia Marb erinnerte an die Einführung des DoRies-Mobils und das FiftyFifty-Ticket. Ulrich Singer setzte dabei auf den Individual-Verkehr, da man auf dem Land auf das Auto angewiesen ist. Mark Tanner stimme ebenfalls für den AVV und forderte nun eine schnelle Umsetzung, sowie die Reaktivierung der Bahnverbindungen von Nördlingen aus.
Weiter ging es mit Tourismus und Wirtschaftsförderung. Claudia Marb betonte die Bedeutung des Wirtschaftsförderverbands und den einmaligen Geopark Ries. Claudia Müller sieht Tourismus als Wirtschaftsmotor. Und von Investitionen in den Tourismus profitieren auch die Einheimischen. Zur Wirtschaftsförderung gehört auch die erneuerbare Energie. Michael Dinkelmeier lobt den Geopark als einmaliges Aushängeschild. Den Wirtschaftsförderverband will er stärken und die Vernetzung fördern. Ulrich Singer lobt die wunderschöne Heimat, und die tollen Ausstellungen in den Museen, die leider zu selten besucht werden. Albert Riedelsheimer will den Geopark, durch die Infozentren stärken, außerdem soll der Landkeis CO2-neutral werden und damit eine Vorbildfunktion haben. Mark Tanner sieht Tourismusförderung als Wirtschaftsförderung und muss auch mit Bürokratie-Abbau einhergehen.
Gesundheitsversorgung
Weiter ging es mir der Gesundheit. Ulrich Singer lobte die Aufstellung des gKU und betonte, man sieht an den Nachbarlandkreisen, wie man es nicht tut. Außerdem betont er, dass man auf MVZs setzen soll. Mark Tanner will die Zusammenarbeit zwischen den Kliniken und den Hausärzten stärken und sieht ein MVZ als eine teure Doppelstruktur. Claudia Marb erinnerte an die Entscheidung, dass das gKU-Strukturen optimiert hat und man Lehrkrankenhaus des Uniklinikums Augsburg ist. Zudem will sie Stipendien anbieten. Claudia Müller sieht das Thema deutlich komplexer, dass man nicht in einer Minute beantworten kann. Sie betonte allerdings den Mangel an Fachärzten, besonders bei Kinderärzten. Der Landkreis muss sich kümmern. Michael Dinkelmeier will, dass im Notfall jeder Hilfe bekommt und betont die Standorte der Kliniken. Albert Riedelsheimer erinnerte an die Lage in den Krankenhäusern, wo viele Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten, die Ansprechpartner brauchen.
Zukunftsaussichten
Die letzte Frage widmete sich nochmal der Wirtschaft: Wie kann der Landkreis wirtschaftlich stark bleiben? Claudia Marb sieht eine positive Entwicklung bei der Stimmung und will die Infrastruktur stärken, um Fachkräften das Pendeln in den Landkreis zu vereinfachen. Albert Riedelsheimer will Regionalwerke gründen, um die Energieversorgung zu stärken. Mit niedrigeren Energiepreisen will er die Wirtschaft ankurbeln und die Infrastruktur stärken. Michael Dinkelmeier sieht den Mittelstand als Motor. Er wünscht sich pragmatische Lösungen, will Infrastrukturmaßnahmen umsetzen und Fachkräfte vor Ort halten. Mark Tanner will Bürokratie abbauen und Bearbeitungszeiten reduzieren. Außerdem will er regenerative Energieerzeugung fördern. Claudia Müller will die Bildung stärken, damit kein Kind ohne Abschluss von der Schule geht um damit durch das Duale System zur Fachkraft von morgen wird.
Das Abschlusstatement stellte sich wie folgt: Was sollen die Bürgerinnen und Bürger in sechs Jahren über mich sagen? Michael Dinkelmeie3r will seinen Wahlslogan umsetzen. Zukunft im Blick, Donau-Ries im Herzen. Claudia Müller will hören, dass sie den Laden im Griff hat und geliefert hat. Albert Riedelsheimer wird den Landkreis mit allen Stärken und Schwächen gut und geräuschlos geführt hat. Ulrich Singer will hören, dass er eine gute und sympathische Alternative gewesen ist ohne neue Schulden gemacht zu haben. Über Mark Tanner sollen die Bürger sagen, dass er Reformen aus der Mitte geführt hat und für die Stärkung von Wirtschaft, Ehrenamt und Demokratie eingetreten ist. Über Claudia Marb sollen die Bürger sagen, dass Sie ihre Versprechen gehalten hat.